Wohnraum-Serie

Nachwuchs: Kehler Familie Spasov braucht größere Wohnung

Autor: 
Nina Saam
Lesezeit 3 Minuten
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11. Oktober 2018

Sofia Spasova, Sabin Spasov mit dem jüngsten Sohn Leon. Insgesamt hat das Ehepaar vier Kinder, das fünfte ist schon unterwegs. ©Nina Saam

Die Sozialverbände wollen zur diesjährigen Armutswoche das Thema »Bezahlbarer Wohnraum« aufgreifen. Für viele Menschen mit niedrigem Einkommen ist es schwierig, eine Wohnung zu finden – auch in Kehl. In Zusammenarbeit mit der Caritas und dem Diakonischen Werk stellt die Kehler Zeitung vier Familien vor, die unter schwierigen Bedingungen leben und trotzdem keine Wohnung finden. Heute: Familie Spasov.

Familie Spasov lebt in der Innenstadt in einer 60 Quadratmeter großen Zwei-Zimmer-Wohnung unter dem Dach eines Mehrfamilienhauses, in dem nur Familien mit Migrationshintergrund wohnen. Die Fluktuation im Haus ist groß, oft geht es laut zu. Die Familie lebt hier sehr beengt: Das größere Zimmer teilen sich die Geschwister Asella (11), Ahil (10) und Shayla (5), im zweiten Raum nächtigen die Eltern mit dem zweijährigen Leon. »Wir haben schon eine größere Wohnung gesucht, als Leon unterwegs war«, sagt Sabin Spasov (37). Ohne Erfolg. 
Inzwischen ist Sofia Spasova (38) erneut schwanger: In etwa einem halben Jahr wird das siebte Familienmitglied erwartet, was die Enge vergrößern wird.

Die bulgarische Familie kam vor vier Jahren nach Kehl. In seinem Herkunftsland sah Sabin Spasov als Angehöriger einer türkischen Minderheit keine Zukunft für sich und seine Familie. »Wenn deine Muttersprache Türkisch ist, bekommt du keine Anstellung«, sagt er. 
Zuerst ging Sabin Spasov allein nach Berlin, um sich dort eine Existenz aufzubauen und seine Familie später nachzuholen. In der Großstadt gefiel es ihm aber nicht: »Berlin ist keine gute Stadt für Kinder«, sagt er. Über Freunde kam er schließlich zur Firma Hans­grohe in Offenburg, wo er seitdem im Putzdienst arbeitet und sich von einem 450-Euro-Job zu einer Festanstellung hochgearbeitet hat. Er suchte sich eine Bleibe in Kehl und holte seine Familie nach. Die beiden größeren Kinder besuchen die Falkenhausenschule, Shayla geht in den St.-Josefs-Kindergarten. »Ich habe Arbeit, meine Kinder besuchen die Schule, alles ist gut – bis auf die Wohnung«, sagt er. 

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Dampfende Shisha-Bar  

Christiane Berg von der Sozialberatung der Caritas kennt die Familie schon seit vier Jahren und unterstützt sie in den Belangen des Alltags, wo sie noch an der Sprache scheitern. »Unser Engel« nennt Sabin Spasov sie. »Die Familie ist zuverlässig und fleißig und es ist ein regelmäßiges Einkommen da«, sagt Christiane Berg. »Aber die meisten Wohnungen auf dem Markt sind einfach zu teuer.« Zudem ist die Konkurrenz groß. Selbst normalverdienende Familien tun sich schwer, Wohnraum zu finden, da das Angebot knapp ist. Auch stehen kinderreiche Familien nicht unbedingt auf der Wunschliste vieler Vermieter. 

Mehr als 900 Euro warm kann der alleinverdienende Familienvater, der in Nachtschicht arbeitet, für eine größere Wohnung nicht aufbringen. Auch wünscht er sich, in einem Umfeld zu wohnen, in dem auch deutsche Familien leben, um Kontakt zu bekommen und sein Deutsch zu verbessern. »Ich will ein guter Ehemann und Papa sein«, sagt er. »Ich tue das für meine Kinder. Wenn sie lernen, haben sie die Chance, eine gute Arbeit zu finden – nicht so wie ich, der keine Ausbildung machen konnte.« Die Wohnbedingungen lassen ein konzentriertes Arbeiten für die Schule aber kaum zu. Auch die Nächte sind nicht ungestört: Im Hinterhof befindet sich eine Shishabar, der Lärm und die Dämpfe ziehen nach oben. »Wir müssen nachts immer die Fenster zumachen«, sagt Sabin Spasov. »Aber als es so heiß war, ging das nicht.«
◼ Kontakt: Wer der Familie helfen möchte, kann sich an das Diakonische Werk (Edgar Berg, • 0 78 51/7 08 66 20) oder an den Caritassozialdienst (Mario Schäfer, • 0 78 51/87 2 92 11) wenden.

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