Kehl

Neue Erläuterungstafeln für Mutter Kinzig

Autor: 
Nina Saam
Lesezeit 3 Minuten
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11. Mai 2015

Die Statue der Mutter Kinzig auf dem Marktplatz am Kriegerdenkmal. ©Nina Saam

Zunächst nehmen sie sich unscheinbar aus, die im Boden eingelassenen neuen Erläuterungstafeln, die den Sockel der Mutter Kinzig umrahmen und ihre Geschichte erzählen. Bei Nacht jedoch lassen sie das Denkmal in neuem Licht erstrahlen. Am Samstag wurden sie feierlich eingeweiht.

Offiziell stellt der Granitblock mit der Statue der Mutter Kinzig auf dem Marktplatz ein Kriegerdenkmal dar – ein Umstand, der sich dem daran vorbeigehenden Passanten nicht unbedingt auf den ersten Blick erschließt. Dabei hat es mit der leicht bekleideten Dame eine besondere Bewandtnis. Um den Besuchern der Stadt, aber auch der einheimischen Bevölkerung ihre Geschichte in Erinnerung zu rufen, befinden sich nun entlang des Sockels Glasplatten, die auf deutsch und französisch ihre Herkunft erläutern.
»Seit 110 Jahren steht sie an dieser Stelle, aber es gab keine Erklärung, warum«, so OB Toni Vetrano. Bereits 2011 hatte der Gemeinderat beschlossen, die Statue der Mutter Kinzig ins rechte Licht zu rücken, doch über das »Wie« wurde lange debattiert.

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Zuerst gab es Überlegungen, die Figur vom Kriegerdenkmal zu trennen, weil sie ja eigentlich gar nicht damit zu tun hatte. Am Ende überwogen jedoch praktische Gesichtspunkte: Die Statue ist hohl und hat keine Rückseite, braucht als etwas, woran sie sich »anlehnen« kann. Außerdem ist sie recht klein, sodass sie allein wenig auffallen würde. Also beließ man es beim bestehenden Denkmal und beschränkte sich auf eine zurückhaltende Gestaltung mit bodenebenen, nachts von unten beleuchteten Erläuterungsplatten. »Das ist anschaulicher Geschichtsunterricht«, sagte der OB, darauf anspielend, dass die Stufen am Sockel oft von Jugendlichen als Sitzgelegenheit genutzt werden. Der Korker Historiker Helmut Schneider berichtete von seiner ganz persönlichen Beziehung zur Mutter Kinzig. Als gelernten Schlosser und Spezialist für Restaurationen historischer Metallgegenstände rief man ihn, als sich Ende der 1970er Jahre ein Riss durch die gesamte Figur der Mutter Kinzig auftat.

Grauguss statt Bronze
Er entdeckte, dass sie nicht aus Bronze, sondern aus Grauguss bestand und offensichtlich schon 100 Jahre zuvor beim Sturz in den Rhein auseinandergebrochen war, was sich an den Stahlbändern zeigte, die sie im Innern nur noch dürftig zusammenhielten. »Ich habe sie mit Silberelektroden zusammengeschweißt und ein Malermeister hat sie so angemalt, dass jeder glaubte, dass sie aus Bronze ist«, erinnerte er sich.
Anschließend enthüllte OB Toni Vetrano die mit schwarzem Tuch bedeckten Erläuterungstafeln. »Ich freue mich, dass Mutter Kinzig nun von der dürftig bekleideten Schönen zu einer Trägerin der Erinnerungskultur wird«, sagte er. Dass zu den einstigen Feinden jenseits des Rheins inzwischen eine Freundschaft erwachsen ist, bekräftigte die von den bilingualen Falkenhausenschülern zur Umrahmung der Feier intonierte Europahymne.

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