Kehl

Offener Brief des Vorsitzenden der Naturlandstiftung Baden

Autor: 
Marco Lasch
Lesezeit 3 Minuten
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24. Oktober 2020

(Bild 1/2) Marco Lasch (links), Vorsitzender der Naturlandstiftung Baden, und Michael Faller, der bei einer Sitzung der Projektgruppe „Forst“ als fachlicher Berater ohne Stimmrecht teilnehmen durfte. ©Archivfoto: Naturlandstiftung Baden

Offener Brief des Vorsitzenden der Naturlandstiftung Baden, Marco Lasch, an die Kehler Bürger, Organisationen und Gemeinderäte zur geplanten Forsteinrichtung. 

Seit etwa fünf Monaten stellen wir erfreut fest, dass immer mehr Menschen zu Fuß oder mit dem Fahrrad unsere Natur vor Ort erkunden. Gerade für Familien war die Radtour im Wald oft eine der wenigen Lockdown-konformen Freizeitbeschäftigungen. Was den Wald für die meisten Besucher als Naherholungsort ausmacht, sind die Ruhe, die Nähe zum Wohnort, der wenige Verkehr und die Tatsache, dass ein Ausflug in den Wald keine Planung erfordert. Der Wald besticht durch seine Schönheit und scheinbar unberührte Natur. Gerade an heißen Sommertagen lässt es sich unter einem grünen Blätterdach viel besser aushalten. 

Unser Anliegen ist nicht nur, den Charakter des Waldes als Erholungsort zu erhalten, sondern auch seine Funktion als Lebensgrundlage eines ganzen Ökosystems. Konkret bedeutet das, Teilflächen des Waldes ihrer eigenen, natürlichen Entwicklung zu überlassen. Dazu ist es notwendig, dass die Stadt Kehl, insbesondere der Gemeinderat, die Art der Waldbewirtschaftung überdenkt und anpasst. 

Wir Naturschützer sehen uns nicht selten mit Vorwürfen konfrontiert, dass unsere Forderungen nicht den Querschnitt der Bevölkerung repräsentieren würden und unsere Vorstellungen unrealistisch seien. Die Begegnungen mit den Naturbesuchern in Wald und Feld zeigen jedoch, dass viele Menschen unsere Ansichten teilen. 

Große Holzmengen

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Die meisten wissen nicht, wie der Wald derzeit bewirtschaftet wird, doch vielen waren die großen Holzmengen entlang der Wege aufgefallen. Tatsächlich wird in letzter Zeit wegen des Eschentriebsterbens viel Holz eingeschlagen, was aber zur Gewährleistung der Verkehrs- und Arbeitssicherheit im Wald notwendig ist. Grundsätzlich schadet das der Nachhaltigkeit im Wald auf lange Sicht nicht. Solche Rückmeldungen zeigen aber, dass sich die Menschen mehr und mehr für Aspekte der Nachhaltigkeit und des Naturschutzes interessieren. 

Bei meinen Begegnungen im Wald habe ich festgestellt, dass kaum etwas über die von der Stadt initiierte Projektgruppe „Forst“ bekannt ist. Dabei geht es unter anderem um die mögliche Ausweisung von Waldrefugien, also mehreren kleinen Parzellen, in denen der Wald sich selbst überlassen und kein Holz geschlagen wird. Bisher ist der Anteil an solchen „stillgelegten“ Flächen im Kehler Wald verschwindend gering.

Die meisten meiner Gesprächspartner begrüßten spontan einen solchen Ausgleich zwischen Schonung und Nutzung des Waldes. Dabei hatten sich viele mit dieser Thematik noch gar nicht beschäftigt. Auf unserer Webseite möchten wir die Bürger über die Möglichkeiten einer naturnahen Waldnutzung informieren und ihre Stimmen einholen, damit sie vor der Entscheidung des Gemeinderats gehört werden.

www.unserwald-kehl.de

Info

Neue Webseite der Initiative Kehler Wald

Derzeit geht es mit der „Eigentümerzielsetzung“ in den Ortschaften und in der Gesamtstadt darum, wie der Kehler Stadtwald zukünftig genutzt werden soll. Der Beschlussvorschlag der Projektgruppe „Forst“ sieht vor, fünf Prozent des Waldes als Waldrefugien – naturbelassene Flächen im Wald, die nicht kommerziell bewirtschaftet werden – auszuweisen, obwohl das Forstamt knapp elf Prozent als möglich erachtet hat. Das befürworten auch mehrere Naturschutzverbände, die sich auf Initiative des Nabu Kehl-Hanauerland und der Naturlandstiftung Baden zur „Initiative Kehler Wald“ zusammengeschlossen haben. 
„Der kommunale Wald gehört uns, den Bürgern“, sagt Marco Lasch, Vorsitzender der Naturlandstiftung Baden. Er wendet sich mit einem Offenen Brief an die Kehler (siehe unten) und ruft sie dazu auf, selbst ihre Meinung kundzutun. Dazu hat die Initiative auf der Webseite www.unserwald-kehl.de eine Umfrage gestartet. „Sagen Sie uns offen Ihre Meinung. Der Wald braucht jede Unterstützung“, so Marco Lasch.

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