Kehl

Olympionike Georg Nückles erinnert sich an München 1972

Autor: 
Klaus Körnich
Lesezeit 3 Minuten
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05. August 2016

Georg Nückles ist begeisterter Motorradfahrer. ©Rolf Hoffmann

Georg Nückles aus Kehl-Sundheim hat 1972 an den Olympischen Spielen in München teilgenommen - als 400-Meter-Läufer. Im Gespräch mit der Kehler Zeitung erinnert er sich an die damalige Zeit.

Georg Nückles kennt das Gefühl: München im Schockzustand. »Als wir morgens aufwachten, war alles still. Das war ungewöhnlich, denn ständig lief im Olympischen Dorf Musik.« Es ist der Morgen des 5. September 1972. Nückles, der als 400-Meter-Läufer an den Olympischen Spielen teilnimmt, blickt nach draußen: Alles ist voll mit Militär und Panzern.

Beim Frühstück wird Nückles von der Teamleitung informiert: Palästinensische Terroristen sind in den frühen Morgenstunden ins Quartier der israelischen Mannschaft im Olympischen Dorf eingedrungen. Sie haben israelische Sportler und Trainer als Geiseln genommen und zwei von ihnen sofort umgebracht.

»Das Attentat gab einen Riss. Zuvor war alles so fröhlich. Es herrschte eine tolle Atmosphäre im Olympischen Dorf«, erinnert sich Nückles. Damit ist jetzt Schluss. Bei der gescheiterten Befreiungsaktion sterben 17 Menschen. Die Spiele verlieren ihre Unschuld. Nückles besucht die Trauerfeier für die Terroropfer: »Es war ganz still. Jeder war in sich gekehrt«, erzählt er.

Er schwärmt noch heute

Doch danach heißt es: »The Games must go on«. Auch für den Sundheimer, der als Leichtathlet beim KFV groß geworden ist. Er hat seinen Start noch vor sich und versucht, die Tragödie so gut es geht auszublenden. Und Nückles schlägt sich gut, schafft es bis ins Semifinale. »Die Olympischen Spiele waren mein größtes sportliches Erlebnis«, sagt er – ein Erlebnis, so schön, dass es mit Worten »fast nicht zu fassen« sei. Das Zusammenleben der Athleten im Olympischen Dorf – wie in einer »richtig großen, friedlichen Familie«, schwärmt er noch heute. 

Eine friedliche Familie, friedliche Spiele: Das ist Nückles großer Wunsch für Rio. »Wenn meine Kinder mit dabei wären, hätte ich auch ein bisschen Angst«, gibt er zu. Angst, dass etwas passieren könnte. Die Furcht sollte jedoch nicht die Überhand gewinnen, die Athleten sollten versuchen, dies ein Stück weit auszublenden, meint er: »Sonst dürften wir ja gar nicht mehr aus unseren vier Wänden raus.« Dann hätten die Terroristen erreicht, 
was sie eigentlich erreichen wollen, meint der 68-Jährige.

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Doch nicht nur die Terrorgefahr liegt wie ein Schatten über Rio – auch der russische Doping-Skandal belastet die Spiele. »Staatsdoping« nennt Nückles das. Russland hätte nicht dabei sein dürfen, kritisiert er die Doping-Politik des IOC: »Da hat Bach kein Rückgrat bewiesen«, meint Nückles.

Und: »Man sollte nicht nur die gedopten Sportler bestrafen, sondern auch die Verbände. Die schauen weg!« Darüber hinaus fordert er lebenslange Sperren für Doping-Sünder.

Auch früher schon, erzählt Nückles, sei gedopt worden. Er erinnert sich an einen Briten, der seine 400-Meter-Zeit um eine Sekunde gesteigert hat. Später gab der Mann zu, leistungssteigernde Substanzen eingenommen zu haben. Und auch der Umstand, dass eine kleine Nation den Sprint dominiert, hat der Sundheimer immer misstrauisch beäugt.

Ein bewegtes Leben

Ein Leben ohne Bewegung ist für Georg Nückles auch heute noch undenkbar. »Joggen geht aber nicht mehr«, sagt er. Da spielt sein Knie nicht mehr mit. Doch ab und zu steigt er aufs Rad und er unternimmt gerne Städtetouren. Zudem hat der Maschinenbau-Techniker im Ruhestand, der von 1976 bis 1979 in Singapur lebte und arbeitete, eine große Leidenschaft für Motorräder. Gleich drei nennt er sein eigen. 

Doch in den nächsten Wochen sind die Augen der Welt auf Rio gerichtet, auch die von Georg Nückles. Der Mann vom »Steinlöchel« wünscht sich fröhliche, friedliche Spiele – und keine Stille, keinen Schock wie in München 1972.
 

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