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Kehl

Peter Wilhelm überzeugt mit scharfer Satire

Der Schriftsteller beschreibt Alltagssituationen bis ins Extrem, regt aber auch zum Nachdenken an
18. November 2016
&copy Sabine Schafbauer

Satire vom Feinsten gab es am Mittwoch im Gemeindehaus der Freien evangelischen Gemeinde. Der Autor und Publizist Peter Wilhelm begeisterte mit auf die Spitze getriebenen Alltagsgeschichten.
 

»Darf ich meine Oma selbst verbrennen«, wurde Peter Wilhelm zu der Zeit gefragt, als er noch als Bestatter tätig war. »Solange sie lebt nicht«, lautete seine schlagfertige Antwort. Der Satiriker hat mit seinen Büchern und seinem Blog ein neues schriftstellerisches Genre geschaffen: die morbide Informationsunterhaltung. Schonungslos fängt Wilhelm alltägliche Situationen ein und beschreibt sie bis ins Extrem, ohne dabei pietätlos zu werden. So auch am Mittwoch im Rahmen einer Lesung im Gemeindehaus der Freien evangelischen Gemeinde.

Die Geschichte »Schneewittchen einst im Sarge lag« beschreibt die groteske Beerdigung einer alten Frau. Ihr Sohn besteht nicht nur darauf, dass die Tote im Sarg ein Hochzeitskleid tragen soll. Schließlich komme sie als Braut zu Jesus. Er legt auch beim Schminken Hand an, sodass am Ende ein »Faschingsschneewittchen« aufgebahrt wird. 

In »Die absolute Wahrheit über Jehova« nimmt Wilhelm die Gewohnheiten der Menschen in einem kleinen Dorf unter die Lupe. Die Kehrwoche wird hier noch sehr ernst genommen und es versteht sich von selbst, dass der Gehweg am Samstag sauber gemacht wird. »Deshalb sind die Zeugen Jehovas meist am Samstag unterwegs: Sie kontrollieren, ob gekehrt wurde.« 

Auch in seiner Familie gibt es manche Geschichte, die der Autor gekonnt aufbauscht, ohne ihr den Kern der Wahrheit zu nehmen. In »Eselsbrücken« beschreibt er den Ausbruch einer zwanghaften Sammelleidenschaft. Seine Tochter kommt eines Tages mit einem plüschigen Eselsohr am Schulranzen nach Hause und erklärt, dass es ein »Donkie« und modern sei. In kürzester Zeit sind Familie und Nachbarschaft infiziert, überall werden »Donkies« getragen oder in teuren Alben gesammelt. Seine Frau erklärt Wilhelm, dass dies die neue »After-Art« wäre. »Was soll das sein? Kunst für den Arsch oder was«, fragt Wilhelm ratlos, aber erhält keine Antwort. Die Zuhörer amüsierten sich köstlich und mancher fand sich in der Geschichte sicher wieder. 

Nachdenklich stimmt die Geschichte »Leise Töne«, bei der die herrische Henriette ihren Schwiegervater so billig wie möglich beerdigen will, ohne auf die Wünsche der Witwe einzugehen. Da die Familie arm ist, macht Henriette immer wieder auf nahezu grotesk arrogante Weise deutlich, dass sie schließlich das Geld hat. Doch Wilhelm findet Mittel und Wege, der Witwe dennoch eine würdige Beerdigung zu gestalten. Mit dieser Geschichte zeigt er, wie unmenschlich der »Geld regiert die Welt«-Gedanke sein kann. Gleichzeitig wirbt er für die Bestattungsunternehmen, die weitaus mehr leisten als die bloße Abwicklung der Formalitäten und Standards.

Autor:
Sabine Schafbauer

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