Serie: "Rund um St. Maria" (3)

Pfarrer Alban Meier

Autor: 
Hans-Jürgen Walter
Lesezeit 6 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
12. August 2018

Alban Meier hält auch weiter Gottesdienste, obwohl er am 17. September 2000 nach 33 Dienstjahren in Kehl offiziell in den Ruhestand verabschiedet worden ist. ©Hans-Jürgen Walter

Vor rund 60 Jahren entsteht am Kehler Südrand ein neues Stadtquartier. Dessen Mittelpunkt ist die damals neu erbaute Marien-Kirche. Langjähriger Pfarrer ist Alban Meier. Er wird in dem Gebiet, das Vertriebenen sowie Menschen aus anderen Bundesländern und vielen Nationen zur neuen Heimat wird, zur integrierenden Kraft. Wie das Buch »Mensch. Meier.« beleuchten wir in einer Serie die Entwicklung rund um St. Maria. Heute: Pfarrer Alban Meier. 

Die Stadt dehnt sich gerade an ihrem Südrand aus, als Alban Meier 1967 als Pfarrer nach Kehl kommt. Um die neu erbaute, am 19. Juli 1959 geweihte Kirche St. Maria, Königin des Friedens, entwickelt sich im Niedereichwinkel ein neuer Stadtteil. Wohnblocks und Familienhäuser werden gebaut. Neuer Wohnraum wird für die Menschen gebraucht, die für die besonders im Hafengebiet in Großbetrieben wie BSW und Danzer neu entstehenden Arbeitsplätze benötigt werden.

Mit Zuwanderern vertraut

Menschen aus anderen Bundesländern und anderen Nationen finden in diesem »neuen Kehl« eine Wohnung. »Durch viele Kulturreisen in den Nahen Osten ist Alban Meier mit der Mentalität vieler Zuwanderer vertraut«, schreibt der Vorstands-Vorsitzende der Bürgerstiftung Kehl, Jörg Armbruster, in seinem Vorwort zum Buch »Mensch. Meier.«, das von der Stiftung anlässlich des 50-jährigen Wirkens von Pfarrer Meier initiiert worden ist. Es beschreibt die Entwicklung am Südrand Kehls in dieser Zeit. Eine wichtige Funktion beim Zusammenwachsen der einheimischen Bevölkerung und der Neu-Kehler übernimmt die Gemeinde St. Maria. Sie wird so etwas wie der »Heimathafen«, in dem sie alle ihren Anker auswerfen. Der junge Pfarrer ist für sie wie der Kapitän, der Moderator, Fels in der Brandung, Vater der neuen Familie. »Durch ihn verstärkte sich die Integrationskraft von Kehl wesentlich«, bekräftigt Armbruster.

Amtsantritt 1967

»Die Sonne brach durch, als für den Pfarrgemeinderat der Kuratie St. Maria Klaus Ryniak die Gäste begrüßte. So erhielt der dunstig begonnene Sonntagmorgen doch noch strahlende Helle.« So beginnt der Bericht in der Kehler Zeitung über den Pfarrer-Wechsel in der Mariengemeinde 1967. Das könnte in der Rückschau symbolisch auch für die Beschreibung des Wirkens von Pfarrer Alban Meier in Kehl stehen. Dieser ist sich im Klaren darüber, welche wertvolle Aufbauarbeit sein Vorgänger Erich Egner-Walter leistete, der zum 10. März 1960 die neu errichtete Kuratie als erster selbstständiger Seelsorger übernommen hatte. Er sei sich bewusst, ein schweres Erbe anzutreten, bekennt der Neue an jenem Sonntag-Vormittag.
Nach dem alten Turner-Leitspruch »frisch, fromm, fröhlich, frei« geht der junge, dynamische, stets frohen Lebensmut ausstrahlende Pfarrer ans Werk. Er macht sich auf den Weg, das Gute und die Guten in der Gemeinde zu entdecken und zu gewinnen. Es ist sein besonderes Anliegen, den Gemeindegliedern ihre Mündigkeit und Mitverantwortung bewusst zu machen und sie für eine Mitarbeit in der Gemeinde zu begeistern.

»Da bleib ich keine 10 Jahre«

Dabei ist der 1931 in Altschweier, heute Ortsteil von Bühl, geborene gar nicht so euphorisch, als er die damalige Kuratie St. Maria übernimmt. »Ich dachte, da bleib ich keine 10 Jahre – 50 sind’s geworden«, schmunzelt er rückblickend. »Die Mariengemeinde hat mich toll aufgenommen, hier fühle ich mich wohl.« Kehl sei für ihn Fremdland gewesen. »Ich komme von der Vorbergzone, von der wir auf die Rheinebene hinunter geblickt haben«, erklärt er. »Die Rheinebene, das war für uns ›’s Land‹, das wirtschaftlich und kulturell der Bergzone unterlegen war.« 

Mündige Christen

- Anzeige -

Im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils führt Alban Meier den von seinem Vorgänger Erich Egner-Walter begonnene Aufbau der Pfarrgemeinde weiter, bindet Laien in die Gemeindearbeit ein und greift Ideen aus der Gemeinde auf. Sein Anliegen ist es, die Gemeindeglieder zu »mündigen Christen« zu ermutigen. Doch er wird nicht nur von den Katholiken geschätzt. Auch die Herzen der evangelischen Christen und derjenigen anderen Glaubens beginnen für ihn zu schlagen. Selbst Menschen, die mit der Kirche nichts anfangen können, bringen dem Pfarrer von St. Maria Sympathie entgegen. Alban Meier wird zum Brückenbauer zwischen den Konfessionen und den Nationen. Zuwanderung, Migration, Integration geschehen wie selbstverständlich.
»Kehl ist katholischerseits sehr stark vom Zuzug geprägt, weil die Stadt, das Dorf und Sundheim geschichtlich ›rein‹ evangelisch waren«, konstatiert Pfarrer Meier. Durch die Grenzlage, den Zuzug von Zöllnern oder Arbeitern und Akademikern sowie den Nachkriegsflüchtlingsstrom, später durch die sogenannten »Russland-Deutschen« oder den Zuzug von Europäern seien viele Katholiken nach Kehl gekommen. So betreffe Integration nicht allein Migranten und Zuwanderer, sondern sie sei ebenso erforderlich für das Zusammenleben der heimischen Bevölkerung unterschiedlichen Glaubens einerseits und mit Zugezogenen andererseits hinsichtlich eines guten Miteinanders der Gesellschaft. 

Vorbildliche Ökumene

Die starke Ökumene in Kehl ist prägend für das Zusammenleben geworden und für viele unausgesprochene Selbstverständlichkeit im Miteinander. Alban Meier macht sich daran, die Beziehungen zu den benachbarten evangelischen Gemeinden Martin-Luther in Sundheim und Johannes auf dem Kronenhof zu knüpfen und in der Folge zu vertiefen. Da sich die Pfarrer beider Konfessionen menschlich gut verstehen, kann in den Gemeinden der Boden für die ökumenische Begegnung gut vorbereitet werden und das »zarte Pflänzchen Ökumene« gut gedeihen. Zudem beginnt Anfang der 1970er-Jahre das, was heute für die beiden christlichen Konfessionen in Kehl selbstverständlich ist: freundschaftliche, ökumenische Kontakte nach Straßburg und ins Elsass im Rahmen der deutsch-französischen Aussöhnung. 

Soziale Projekte 

Inklusion ist für Alban Meier bereits eine Selbstverständlichkeit, als sie noch kein Schlagwort der Politik ist. Er ist Initiator der integrativen Kindertagesstätte St. Raphael, Mitinitiator und Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins »Huckepack«, der sich um sozial benachteiligter Kinder in Kehl kümmert, Mitgründer der kirchlichen Sozialstation Kehl-Hanauerland und Stiftungsrat der Bürgerstiftung Kehl.

Bundesverdienstkreuz

Für sein segensreiches Wirken weit über sein Kirchenamt hinaus wird der katholischen Pfarrer i. R. Alban Meier am 10. März 2014 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Oberbürgermeister Günther Petry würdigt in seiner Laudatio Meiers Menschlichkeit, »die dazu führte, dass die Kirche zu den Menschen kommen konnte«. Pfarrer Meier sei bestrebt, den von Ausgrenzung Bedrohten Raum und Gehör zu ermöglichen, soziale Projekte seien seine Herzensangelegenheit, »er ist geerdet und spirituell zugleich«.
 
Quelle

Buch »Mensch. Meier.«, Herausgeber Kehl Marketing GmbH, 152 Seiten, 19,90 Euro, erhältlich: Bürgerstiftung Kehl, Tourist-Info, Buchhandlung Baumgärtner, Blumen Kruß Goldscheuer sowie Pfarreien St. Nepomuk und St. Maria Kehl  und St. Arbogast Marlen.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
Goldschmiede Patrick Schell in Achern
11.12.2018
Schmuck zu Weihnachten ist ein besonderes Geschenk. Doch welches Stück ist das richtige für einen lieben Menschen? Die Goldschmiede Patrick Schell in Achern gibt hier individuelle Beratung – und als besonderes Highlight: Personalisierte Schmuckstücke und Uhren mit Gravur.
Fachberatung aus Ortenberg
07.12.2018
Smart Home vernetzt das eigene Zuhause und spart Zeit und senkt Energiekosten. Es sorgt aber vor allem für mehr Sicherheit – wenn man die passende Ausrüstung hat. Der Einstieg ist mit dem richtigen Fachmann aber gar nicht schwierig.
Netzwerk Fortbildung
06.12.2018
Die Weiterbildung boomt – und immer mehr Arbeitgeber und Arbeitnehmer erkennen, wie wichtig es ist, sich durch eine Weiterqualifizierung sicher in der Welt zurecht zu finden. Wer eine geeignete Weiterbildung sucht, ist beim „Netzwerk Fortbildung“, dem Weiterbildungsportal des Landes Baden-...
Bodyscan bei Möbel Singler in Lahr
05.12.2018
Der Schlaf ist für den Menschen besonders wichtig. Wer nicht gut schläft, ist morgens müde und nicht fit für den Alltag. Im schlimmsten Fall entstehen sogar dauerhafte Rückenschmerzen. Matratzen mit dem Bodyscan-Liegesystem ändern das, denn sie sind perfekt auf den eigenen Körper abgestimmt.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kehl

Willstätt - Legelshurst
vor 3 Stunden
Der Ortschaftsrat Legelshurst hat den Haushaltsentwurf der Gemeinde Willstätt für 2019 gebilligt. Größter Posten ist der Neubau des Feuerwehrgerätehauses.
3. Advent
vor 5 Stunden
Der Neumühler Weihnachtsmarkt findet am Samstag von 11 Uhr bis 18 Uhr in der Aula der Hector-Kinderakademie und im Schulhof statt.  Er wird gegen 11:30 Uhr durch Oberbürgermeister Toni Vetrano und Ortsvorsteher Fritz Vogt eröffnet.
Kehl
vor 12 Stunden
Ehemalige Mittel- und Langstrecken-Asse des Kehler FV trafen sich kürzlich im KFV-Vereinsheim im Rheinstadion, um Wiedersehen zu feiern und in Erinnerungen an »alte Zeiten« zu schwelgen.
Gemeinderat
vor 15 Stunden
Der Kehler Gemeinderat hat bei seiner Sitzung am Mittwochabend bei zwei Gegenstimmen einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan (B-Plan) »Schlossergasse« in Marlen gefasst. Es handelt sich um einen 2,4 Hektar großen Bereich südlich der Schlossergasse und westlich der Hauptstraße. 
Kehler Hallenbad
vor 18 Stunden
Ein externes Büro soll die Stadtverwaltung bei der Realisierung eines Planungswettbewerbs für das künftige Kehler Kombibad unterstützen. Über die Vergabe an diesen Dienstleister entscheidet am Montag der Gemeinderat.
Soziales Engagement
vor 22 Stunden
Sowohl das »Stoff-Wechsel« als auch die Bahnhofsmission sind auf Spenden angewiesen, um bedürftigen Menschen helfen zu können. Nun hat das Sozialkaufhaus durch den Verkauf gebrauchter Kleidung einen Überschuss erwirtschaftet, den es an die Bahnhofsmission weitergibt. 
Willstätt
13.12.2018
Mit einem wunderschönen Adventskonzert erfreute die Chorgemeinschaft »Teutonia« das Publikum am Sonntag in der Willstätter Kirche.
Kehl - Leutesheim
13.12.2018
Für die Leutesheimer Mühle gibt es offenbar neue Überlegungen. Ziel ist es, den Plauelbach für Wanderfische durchgängig zu machen. Nun denkt man beim Zweckverband »Hochwasserschutz Hanauerland« über eine Verlegung des Bachbetts um die Mühle herum nach – ohne »raue Rampe«.
Kehl - Goldscheuer
12.12.2018
Am dritten Advents-Wochenende ist der Platz rund um die »Kulturfabrik« zum 14. Mal Schauplatz des Goldscheuerer Weihnachtsmarktes. Im Dachgeschoss wird es diesmal wieder eine Ausstellung mit Werken einheimischer Künstler geben.
Serie: Geschichte des ÖPNV in Kehl (3)
12.12.2018
»Bahn frei bis zum Rathaus« heißt es seit dem 23. November: Die Straßburger Tram hat nun auch das Zentrum Kehls erreicht. Aus diesem Anlass erinnert die Kehler Zeitung in einer Serie an die Meilensteine des öffentlichen Nahverkehrs in der Grenzstadt. Heute: Erinnerungen von Kehler Zeitzeugen an den...
Im Krisenmodus
12.12.2018
Grenzkontrollen durch die Bundespolizei, der Marktplatz wie leergefegt: Nach dem Terroranschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt am Dienstagabend steht einen Tag später auch Kehl wie unter Schockstarre.
Der Kehler Pfarrer und Dekan Günter Ihle und die Straßburger Pfarrerin Roos Van de Keere stehen hinter dem Projekt »Kapelle der Begegnung« im Straßburger Grenzviertel Port du Rhin.
Sanierungsstau
12.12.2018
Veraltete Toiletten. Marode Klassenzimmer. IT-Anlagen? Fehlanzeige. Der Sanierungsstau an den Kehler Schulen ist für die Betroffenen  unerträglich geworden. Deshalb hat der Gesamtelternbeirat der Kehler Schulen eine Petition »Schulsanierungen« ins Leben gerufen. Was darin gefordert wird, lesen Sie...