"Oase"-Areal in Kehl

Anwohner der Bierkellerstraße protestieren gegen Bauvorhaben

Martin Egg
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29. September 2016
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(Bild 1/4) Knapp zwei Dutzend Männer und Frauen sagten gestern Morgen »Nein« zu den Kehler Oase-Plänen. ©Martin Egg

Der Protest gegen die Neubebauung des Kehler Oase-Areals nimmt zu: Am Donnerstagmorgen haben Anwohner der Bierkellerstraße ihrer Wut auf die Stadtverwaltung mit Plakaten Luft verschafft. 

Donnerstagmorgen um acht, in der Bierkellerstraße herrscht Berufsverkehr. Außerdem bevölkern knapp zwei Dutzend Männer und Frauen den Kreuzungsbereich zur Kanzmattstraße. Mit Kabelbindern befestigt Veronica Gerstle-Brunn Plakate aus weißem Leintuch an einem verwitterten Jägerzaun: »Zubetonierung nein danke« steht auf einem, »Grünflächen für uns Bürger« auf einem anderen. Die 52-Jährige ist die Wortführerin eines Anwohnerprotests, der sich gegen die Pläne zur Neubebauung des Oase-Areals einsetzt. 

Gerstle-Brunn und ihre Mitstreiter kritisieren in erster Linie eine ihrer Meinung nach fehlende Transparenz während des gesamten Prozesses: Der Gemeinderat hatte sich am 25. Juli dafür ausgesprochen, mit dem Zell am Harmersbacher Bauunternehmen Orbau in Verkaufsverhandlungen über das sich seit zehn Jahren in städtischem Eigentum befindende Oase-Gelände zu treten. Ein entsprechender Investorenwettbewerb war vom Gemeinderat nach nicht-öffentlicher Sitzung am 27. Januar ausgeschrieben worden, der Siegerentwurf wurde am 18. Juli von einem »Experten«-Gremium ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit gekürt. 
»Die Oase ist ein ganz schlechtes Beispiel für Bürgerbeteiligung«, findet deshalb Werner Unger, der dem Arbeitskreis Stadtentwicklung Kehl angehört und früher als Professor für Zivilrecht an der Kehler Hochschule für öffentliche Verwaltung lehrte.

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Resignation spürbar 
»Die im Rathaus« – der Oberbürgermeister, der Baubürgermeister, die Gemeinderäte, raunen einige der Anwesenden resigniert – die würden sich einfach nicht für die Belange der Kehler Bürger interessieren. Auf Kritik bei den Anwohnern stößt vielleicht auch deshalb das Bauvorhaben als solches: Sechs viergeschossige Gebäude mit insgesamt 66 Wohneinheiten sollen auf dem derzeit verwilderten Gelände des denkmalgeschützten Bierkellers entstehen, wo viele Jahre lang Minigolf-Spieler ihrem Freizeitsport gefrönt hatten. Die Anwohner fürchten nun zu viel Verdichtung und den Verlust ihrer grünen Lunge: »Es geht uns einfach darum, dieses Grünareal zu retten. Es war bis 2008 ein Teil von uns Menschen hier in dieser Stadt, und es soll auch nach wie vor ein Teil bleiben«, fordert Gerstle-Brunn, »man sollte in einer modernen Stadtplanung solche Grünflächen erhalten und nicht zerstören.«

Unterschriftensammlung 
Bereits im Juli, unmittelbar vor der entscheidenden Gemeinderatssitzung, hatte Gerstle-Brunn in kurzer Zeit 40 Unterschriften von Anwohnern des Oase-Areals gesammelt und sie Oberbürgermeister Toni Vetrano (CDU) übergeben. Gestern haben die Bierkellersträßler eine neue »Petition zur Rettung des Oase Grünareals« in die Wege geleitet. Ziel sei es, 100 Unterschriften zu sammeln, heißt es darin. Außerdem haben die Anwohner einen Naturschutzverband  damit beauftragt, das Oase-Areal nach möglicherweise schützenswerten Bewohnern wie Eidechsen und Fledermäusen zu durchkämmen. Ein endgültiges Ergebnis dieser Prüfung stehe aber noch aus.
Ihre Kritik können Veronica Gerstle-Brunn und die anderen Petenten am 7. November übrigens der Kehler Stadtverwaltung persönlich vortragen. Dann nämlich, kündigte Baubürgermeister Harald Krapp bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats am Mittwochabend an, soll es in der Stadthalle den gewünschten Bürgerinformationsabend zum Thema geben.  

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