Serie "Ehrensache"

Ralf Kraemer, Vorstand Sport der Spielvereinigung Sundheim

Autor: 
Karin Bürk
Lesezeit 5 Minuten
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29. Juli 2020

Ralf Kraemer mit seiner dreijährigen Enkelin. ©privat

Die Spielvereinigung Kehl-Sundheim wurde 1946 in der Sundheimer Mühle gegründet, da der KFV vorübergehend nicht mehr existierte. Im Juli 2016 konnte mit einem großen Sportfest das 70-jährige Bestehen der Spielvereinigung gefeiert werden. 
 

Ralf Kraemer ist Vorstand Sport bei dem Sundheimer Verein und zuständig für den Spielbetrieb Fußball. Kraemer ist 56 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Von Beruf ist er Goldschmied. Er hat ein kleines Geschäft in Kehl und ist in Vollzeit als Goldschmied bei dem Juweliergeschäft Thüm in Kehl angestellt. Zu seinem Amt als Vorstand ist er nach seiner aktiven Zeit als Spieler gekommen. Zuvor hatte er in der Jugend mitgeholfen, dann hat er als Trainer die E-Jugend übernommen und parallel noch die C- und B- Trainer-Lizenz in Steinbach erworben. 

Wie lange machen Sie das Ehrenamt in Ihrem Verein schon und möchten es noch gerne machen?
Ralf Krämer: Ich bin jetzt seit vier Jahren Vorstand Sport, davor habe ich bei unserer Jugend-Gemeinschaft – mit vier Vereinen – das Amt als Jugendtrainer und gleichzeitig hatte ich den Vorsitz in unserer Spielvereinigung  mit vier Vereinen.
So lange wie ich gesund bin und mir es meine Zeit ein klein wenig erlaubt, werde ich dem Ehrenamt die Stange halten.

Was treibt Sie an?
Ein kleiner Verein wie der unsere (knapp 500 Mitglieder) kann ohne die ehrenamtlichen Kollegen nicht überleben und mir persönlich macht es Spaß, mein Wissen, den jungen Spielern und Mitstreiter weiterzu- geben und sehe mich durch die Akzeptanz der Leute bestätigt.

Was bringt Ihnen das außergewöhnliche Engagement für diesen Verein persönlich?
Mir persönlich bringt dieses Amt sehr viel; die Akzeptanz und das kollektive Verhalten meiner Mitstreiter und der jungen Spieler macht Spaß und man merkt, dass die Arbeit gewürdigt wird.

Wie kann man Menschen fürs Ehrenamt gewinnen?
Das ist heute leider sehr schwer, da die heutige Zeit sehr kurzlebig und stressig ist. Ich versuche meine jungen Spieler oder Kollegen immer wieder zu vermitteln, dass das Ehrenamt eigentlich viel mehr gibt, als es nimmt. Man gewinnt viel neue Freunde und kann sein Wissen weitergeben sowie von den anderen lernen, und ich glaube, dass es viel wichtiger ist, abends mit Freunden und Kollegen ein paar schöne Stunden zu verbringen, als ein paar Euro zu bekommen und es als Muss anzusehen.

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Warum fällt es vielen Menschen schwer, sich ehrenamtlich zu engagieren?
Heute wird schon von den Kleinsten sehr viel verlangt und die freie Zeit wird immer weniger, deswegen ist es heute sehr schwer, Schule, Beruf, Familie, unter einen Hut zu bekommen, deswegen bleibt eigentlich für das Ehrenamt keine oder nur wenig Zeit.

Wie motivieren Sie sich in ihrem  Amt?
Ich für meine Person motiviere mich immer am besten durch die Anerkennung und Akzeptanz, natürlich auch durch die Erfolge, die wir erzielen. Natürlich ist der 3. Platz in der untersten Staffel eigentlich nicht als Erfolg zu werten, aber wenn in dieser Mannschaft fünf bis sechs Spieler aus der eigenen Jugend stammen, dann motiviert es wiederum ungemein, und man sieht es, dass die geleistete Arbeit auch Früchte trägt.

Wünschen Sie sich mehr Unterstützung und wie könnte das aussehen?
 Ja, klar wünscht man sich immer mehr Hilfe und Unterstützung, aber ich weiß auch, dass es durch die oben genannten Punkte sehr schwer ist, geeignete Leute zu finden, aber ich habe auch gemerkt, dass bei langsamer Heranführung an das Ehrenamt immer wieder junge Leute Interesse haben und dann auch hängen bleiben und mithelfen. Selbstverständlich versuche ich auch immer wieder, mit einer tollen Kameradschaft Werbung zu machen, da das manchmal mehr Wert ist, als alles andere.

Welches war Ihr schönstes Erlebnis in Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit und warum würden Sie empfehlen, gerade im Verein oder einer Gruppe mitzumachen?
Da die Vereine in Sundheim sehr eng zusammenarbeiten und ich auch noch der Vorstand der Sundheimer-Hexen bin, haben wir schon einige Projekte zusammen gemeistert. Zum Beispiel der Sportplatzbau Ende der 90er Jahre, Anfang 2000 der Küchenbau der Niedereichhalle in Sundheim, 1999 der große Fasnachtsumzug, anlässlich  von 44 Jahre Hexen, oder elf Jahre später 55 Jahre mit großem Umzug in Kehl. Auch heute helfen sich die Vereine noch an Fasnacht und bei Sportfesten gegenseitig. Das ist prägend und wird mir als Vorstand von beiden Vereinen immer im Gedenken bleiben.

Gibt es in dem Verein auch junge Menschen, die sich engagieren?
Ein klares ja, viele junge Leute konnten wir in den letzten Jahren an uns binden und ihnen auch vertrauen und Ämter übergeben. Ich hoffe, dass es so weiter geht, wenn ich auch weiß, dass es immer schwerer wird, die jungen Leute davon zu überzeugen, dass sie im Ehrenamt viel mehr verdienen, als sie mit Geld kaufen können.

Wir haben es auch jetzt in der schlimmen Zeit von Corona gesehen, alle Leute sind zu ihrem Wort gestanden und möchten den Verein weiter nach vorne bringen und sind auch trotz bestimmt lukrativen Angeboten von anderen Vereinen in Sundheim geblieben.
 

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