Kehl

»Schildgerechte« Wirtshäuser

Autor: 
Redaktion
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08. März 2014

Viele Wirtshausschilder sind mit den Jahren verrottet, doch in Kork entstehen heute wieder neue Schilder. Hier: Das Wirtshausschild vom Korker Landgasthof »Schwanen«. ©Hans-Ulrich Müller-Russell

Mit einem Vortrag von Helmut Schneider machte der Historische Verein Kehl am Donnerstag in der Stadthalle eine Reise durch die Kulturgeschichte der Wirtshausbilder. Viele dieser Aushängeschilder existieren heute nicht mehr. In Kork entstehen aber noch immer neue.

Kehl. Gute Gaststätten und Beherbungsbetriebe waren im 18. und 19. Jahrhundert an ihren Schildern zu erkennen. Der Wirt zeigte damit an, dass die Obrigkeit ihm nach gründlicher Prüfung die »Schildgerechtigkeit« verliehen hatte – also das Recht, Gäste zu beköstigen und zu beherbergen.
Heute braucht der Wirt eine schriftliche Gaststättenerlaubnis, die er auf Antrag erhält, wenn er nicht »dem Trunke ergeben ist oder befürchten lässt, dass er Unerfahrene, Leichtsinnige oder Willensschwache ausbeuten wird« (Gaststättengesetz). Und er braucht noch viel mehr, nur kein Schild.
Das wurde bei einer Veranstaltung des Historischen Vereins Kehl am Donnerstag allgemein bedauert, nachdem Helmut Schneider in die Kulturgeschichte der Wirtshausschilder eingeführt und zahlreiche Schilder präsentiert hatte. Es gilt als sicher, dass Wandmalereien, Tafel- und Aushängeschilder zu den ältesten Bildsymbolen gehören, berichtete Schneider.
An den Ausgrabungen von Pompeji sei zu erkennen, dass viele Gewerbe schon damals ein Emblem gehabt hätten, auch die Schenken, Tavernen, Garküchen, Logierhäuser und sogar die Häuser der Liebesdienerinnen. Das Schild zeigte laut Schneider nicht nur die Art des Gewerbes an, sondern bald auch den Namen des Betriebs, etwa »Wilder Mann«, »Riesen«, »Krone« oder »Adler«. Da man bis Ende des 18. Jahrhunderts keine Straßennamen und Hausnummern gehabt habe, seien die Schilder zugleich Wegweiser und Orientierungspunkte für Ortsfremde gewesen.
Leider haben viele Schilder die Jahrhunderte nicht überdauert. Sie waren bunt aus Holz gefertigt. Auf Gemälden, in Buchillustrationen und Holz- und Kupferstichen wurden sie überliefert. Dauerhaft beständig sind die Schilder erst, seit Schmiedeeisen als Werkstoff verwendet wird.

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Kork und seine Schilder
Mit dem Schmiedeeisen war Helmut Schneider Zeit seines Berufslebens in seinem Element, denn auf dem Weg zum Meister hat er auch die Schmiedekunst erlernt sowie deren zeichnerischen Entwurf und die notwendige Stilistik, passend zum jeweiligen Baustil. Sein erstes Objekt war der »Ochsen« in Kork, das alte Schild war verrottet.
Heute ist Kork ein Dorf der Wirtshausschilder, neun an der Zahl. Und immer wieder entstehen neue Schilder, hergestellt nach Helmut Schneiders Entwürfen – in Klaus Boscherts Kunstschmiede. Es sind beeindruckende Unikate. Die Tragstangen sind oftmals s-förmig gebogen. An ihren Enden hängt das Wahrzeichen der Wirtschaft, manchmal von einem Vogelkopf getragen, wie am Korker »Schwanen«.
In der Regel wird Blattgold verwendet. Und so gilt auch heute wie in den Zeiten der Schildgerechtigkeit: Ein originelles, künstlerisch gut gelungenes Wirtshausschild lässt den Gast unbewusst auf Qualität, Solidität und gepflegte Gastlichkeit der Gaststätte schließen.

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