Schließung in vier Jahren

Schlachthof-Neubau bei Kehl?

Autor: 
Klaus Körnich
Lesezeit 3 Minuten
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21. Mai 2015
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Der Pachtvertrag für den Offenburger Schlachthof läuft 2019 aus und wird nicht verlängert. Deshalb wird schon seit Jahren nach einem alternativen Standort für einen Schlachthof in der Ortenau gesucht. Jetzt ist ein Standort in der Nähe von Kehl ins Gespräch gebracht worden.

Der Pachtvertrag für den Offenburger Schlachthof läuft 2019 aus und wird nicht verlängert. Deshalb wird schon seit Jahren nach einem alternativen Standort für einen Schlachthof in der Ortenau gesucht. Jetzt ist ein Standort in der Nähe von Kehl ins Gespräch gebracht worden. ©Iris Rothe

CDU-Fraktionschef Richard Schüler hat das Thema am Mittwochabend im Gemeinderat auf die Agenda gesetzt: Offensichtlich gibt es Überlegungen, einen Schlachthof für die Ortenau bei Kehl, auf Neurieder Gemarkung, zu bauen. Hintergrund: Der Schlachthof in Offenburg soll in vier Jahren für immer schließen.

Der Neurieder Bürgermeister Jochen Fischer bestätigte am Donnerstag der Kehler Zeitung, dass es Gespräche über einen Schlachthof-Neubau auf Neurieder Gemarkung gegeben hat: »Wir als Gemeinde Neuried könnten uns das vorstellen«, sagte er.
»Wir könnten damit leben.« Allerdings sollten auch die »Nachbarn« Goldscheuer und Kittersburg damit leben können.

Grund: Der mögliche Standort des Schlachthofs liegt beim interkommunalen Gewerbegebiet Basic Kehl/Neuried und bei der Biogasanlage in Neuried. CDU-Fraktionsvorsitzen der Richard Schüler befürchtet deshalb Lärm- und Geruchsbelästigungen für die Umgebung. Wenn ein Schlachthof in der Nähe von Basic gebaut würde, sagte er im Gemeinderat, »dann glaubt doch niemand, dass sich dort noch jemand ansiedelt.«

Auch Basic-Geschäftsführer Jörg Armbruster sieht den in die Diskussion gebrachten Standort in Neuried kritisch. »Meine Erfahrung von früher ist, dass durch Schlachthöfe immer wieder Faulprozesse im Abwasser auftreten.« Sie könnten zu Gestank führen, meint Armbruster und verweist dabei auch auf den langen Weg, den das Abwasser bis zur Kehler Kläranlage zurückzulegen hätte – inklusive einer Vielzahl von Hebewerken.

Jörg Armbruster ist Abwasser-Experte: Denn er war lange Zeit Leiter des Wasserwirtschaftsamts in Offenburg und hatte als solcher die technische Aufsicht über die Kläranlagen der Ortenau. Kritisch sieht Armbruster auch »direkte Belastungen« durch den Schlachthof, wie die Geräusche dort und den Geruch der Tiere.

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Im Gespräch mit der Kehler Zeitung macht er jedoch deutlich, dass er nicht grundsätzlich gegen einen Schlachthof-Neubau ist. Es gebe jedoch bessere Standorte als Neuried, so Armbruster. Statt in ein bestehendes Gewerbegebiet zu gehen, meint er, wäre es besser, ein Gewerbegebiet um einen Schlachthof herum zu bilden.

Nachdem diese Bedenken geäußert worden seien, sagt Bürgermeister Fischer, habe er das Thema nicht mehr weiter verfolgt. Er habe deshalb auch nicht vor, die Sache auf die Tagesordnung des Neurieder Gemeinderats zu setzen. Das findet Gerd Baumer schade. Der Kehler GrünenPolitiker war viele Jahre als Berufsschullehrer im Fachbereich Fleischerei tätig, gilt als Experte. Deshalb berät er den früheren Ortenauer Landrat Klaus Brodbeck bei der Suche nach einem neuen Schlachthof-Standort. Brodbeck ist von der Betreibergesellschaft des Offenburger Schlachthofs mit der Suche beauftragt worden. »Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir diesen Schlachthof brauchen«, sagt Baumer. Doch die Suche in der Ortenau ist schwer.

Die Offenburger denken über einen Neubau nach, doch die Standortsuche dort ist mit vielen Unwägbarkeiten verbunden. Der bestehende Standort in Offenburg soll 2019 geschlossen werden – wegen der zunehmenden Wohnbebauung im dortigen Stadtquartier.
Doch wohin mit dem Schlachthof? Gengenbach hat abgewunken, die Stadt Bühl zeigt hingegen großes Interesse.

Allerdings, so Baumer, habe der Schlachthof dort bisher im Vergleich zu Offenburg relativ wenige Tiere geschlachtet. Er würde sich einen »gläsernen Schlachthof« in der Region wünschen, der auch für Ausbildungszwecke genutzt werden soll. Baumer: »Alle Leute wollen regionale Produkte auf dem Teller.« Aber wenn es um eine regionale Infrastruktur dafür geht, würden die Gemeinden lieber nichts damit zu tun haben wollen, kritisiert der frühere Grünen-Kreisrat.

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