Corona
Dossier: 

Wie Jugendliche in den Schulen über die Krise kommen

Autor: 
Redaktion
Lesezeit 4 Minuten
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01. Juni 2020

Flatterbänder an Kartenständern kennzeichnen die Laufwege im „Einstein“. Die Kinder haben aber weniger Probleme mit dem Virus selbst als mit den Begleiterscheinungen wie fehlender Kontakt oder mangelnde Selbstorganisation, berichtet Jugendsozialarbeiterin Lisa Irslinger. ©Stadt Kehl

Prüfungsstress, Kontaktarmut und Selbstorganisation: Jugendsozialarbeiterinnen helfen Schülerinnen und Schülern auf vielfältige Weise durch die Corona-Krise.

Ungewohnt ruhig und auch ein wenig komisch, so beschreiben die beiden Jugendsozialarbeiterinnen Nadine King und Lisa Irslinger die Zeit nach dem 16. März, als die Stadt sämtliche Schulen schließen ließ. Tags darauf veranlasste auch die Landesregierung die vorübergehende Schließung der Schulen. Inzwischen stehen auf dem Stundenplan der Tulla-Realschule und des Einstein-Gymnasiums Abschlussprüfungen und Präsenzunterricht. Und Nadine King und Lisa Irslinger sprechen nicht mehr nur am Telefon mit den Schülern darüber, was sie während der Corona-Pandemie belastet.

 „Die Virusausbreitung ist bei uns weniger Gesprächsthema. Es geht eher um die Begleiterscheinungen“, berichtet Lisa Irslinger, Jugendsozialarbeiterin am Einstein-Gymnasium, über die Sorgen und Nöte der Schüler. Der fehlende Kontakt zu den Mitschülern, die Isolation und die Selbstorganisation – all das sind Themen, die an Lisa Irslinger herangetragen werden. „Durch die Corona-Auflagen hatte sich bei einigen anfangs ein veränderter Tag-Nacht-Rhythmus eingestellt; sie haben bis in den Mittag geschlafen“, erzählt sie. 

Sehnsucht nach Austausch

Durch die Einführung von Videokonferenzen und den damit verbundenen festen Unterrichtszeiten hatte sich das wieder etwas eingependelt, berichtet sie. Dennoch bleibt die Frage, bei den Kindern und Jugendlichen wie bei Eltern, wann der reguläre Schulunterricht wieder losgeht. Lisa Irslinger erhält zahlreiche solcher Anfragen. „Die Schüler freuen sich auf die Schule und sehnen sich nach dem Austausch mit ihren Klassenkameraden“, erläutert sie. Zwar kommunizieren die Kinder und Jugendlichen über soziale Netzwerke – auch mit der Jugendsozialarbeiterin – ein persönliches Treffen könne dies jedoch nicht ersetzen. „Aber es ist alles noch im Rahmen“, sagt Lisa Irslinger über die Sorgen und Nöte ihrer Schützlinge. 

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Damit sich Kontaktarmut und Isolation leichter ertragen lassen, hat die Offene Jugendarbeit in Kehl ein digitales Jugendhaus auf die Beine gestellt, an dem sich auch die Jugendsozialarbeiterinnen beteiligen. „Wir haben eine Videoanleitung aufgenommen, wie die Schüler einen Anti-Stressball basteln können“, gibt Lisa Irslinger ein Beispiel. Der kurze Film erschien auf Instagram, dem sozialen Netzwerk, über das die Jugendsozialarbeiterinnen mit den Jugendlichen und Kindern in Kontakt treten. In einem weiteren Video bekamen die Schüler an den heimischen Bildschirmen einen Einblick ins Einstein-Gymnasium während der Corona-Krise und einige Lehrer richteten kurze Grußworte an sie. Für die Pfingstferien ist ein weiteres Video geplant, dieses Mal zusätzlich aus Schülersicht. 

Zudem bietet Lisa Irslinger Hilfe beim Bewerbungstraining an. Seit den Schulschließungen vor elf Wochen sind einige Lockerungen in Kraft getreten. Inzwischen kann Lisa Irslinger Termine in ihrem Büro ausmachen und dort mit den Schülern von Angesicht zu Angesicht sprechen. Allerdings: Im Schulhaus gilt Maskenpflicht, Desinfektionsspender im Eingangsbereich fordern zur Handhygiene auf und im Büro der Jugendsozialarbeiterin sind die Positionen der Couchsessel abgeklebt, um die Abstandsregeln einzuhalten. 

„Positiv überrascht“

 „Ich bin positiv überrascht, wie gut die Schüler die Corona-Krise meistern“, sagt Nadine King. Sie ist Jugendsozialarbeiterin an der Tulla-Realschule. „Beim Schulstart waren sie noch etwas schweigsam, aber das ist der aktuellen Situation geschuldet. Sie mussten sich erst einmal zurechtfinden.“ Neben den Prüflingen sind derzeit auch sogenannte Präsenzgruppen im Haus. „In Einzelfällen gibt es Haushalte, die nicht die technischen Voraussetzungen für Video-Unterricht und Online-Hausaufgaben erfüllen können, weil sie beispielsweise keinen Laptop haben“, berichtet Nadine King. Ein weiteres Kriterium ist der festgestellte Unterstützungsbedarf. In Gruppen von bis zu zehn Personen sitzen die Schüler aus den Klassenstufen fünf bis acht jeweils an zwei Tagen gemeinsam im Klassenzimmer und lösen ihre Online-Hausaufgaben. 

In seltenen Fällen klingelt Nadine King auch schon einmal an der Haustür der Kinder und Jugendlichen, um eine Einladung in die Präsenzgruppe persönlich zuzustellen. „Insgesamt kommen wir ganz gut an die Schüler ran, trotz Corona“, sagt sie. Auch ihr helfen dabei soziale Netzwerke wie Instagram, wo die Jugendsozialarbeiterin gelegentlich Beschäftigungs- und Anleitungsvideos hochlädt. Die Themen, über die sie mit Schülern am Telefon spricht, „sind nicht Corona-spezifisch“, berichtet sie. Gerade die Abschlussklassen beschäftigt derzeit vor allem die Mittlere Reife. „Die Prüfung als solche ist bereits eine Ausnahmesituation. Das allein sorgt für Nervosität“, sagt Nadine King. 

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