Diamantene Hochzeit

Seit 60 Jahren verheiratet: Max und Helga Zorn de Bulach

Autor: 
Gerd Birsner
Lesezeit 5 Minuten
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21. Juli 2019

(Bild 1/2) Halten seit 60 Jahren zusammen, »de Monsieur Max us Strooßburi« und seine Helga, die ihm einst im elterliche Café etwas Warmes servierte. ©Gerd Birsner

Das Fest der diamantenen Hochzeit feiern heute Max und Helga Zorn de Bulach. Ihr Erfolgsrezept: Man muss zusammenhalten können - "dann hebbt‘s halt grad e Lebe lang".

Brrr! Am 28. Februar 1956 war es saukalt in Kehl. Und nicht nur da. Es war der kälteste Februar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Der Rhein soll zugefroren gewesen sein – zumindest laut Internet in Mainz und Bingen.

In derlei frostigen Zeiten erwärmte Glühwein oder  Tee, serviert im Café Markert in der Kehler Hauptstraße nicht nur gestresste Handballerseelen. Dachte sich auch ein sportiver »Baron« aus Osthouse im Elsass, de »Monsieur Max«, der mit seinen Handballern just aus Baiersbronn zurückgekehrt war und einen Einkehrschwung ins Café Markert im Schilde führte.

Geplättet war er, als er die hochgewachsene Konditorentochter erblickte, die ihm das heiß ersehnte Heißgetränk servierte.

Klar, dass dies nicht der letzte Besuch des »Monsieur Max« in jenem legendären Kehler Café war. Und auch klar, dass es irgendwann dann endlich auch geschnackelt hat. Und wenn etwas so tiefgefroren ist wie das damalige Februarwetter, dann »hebbt‘s au länger«. 

Februar-Liebe

Sieh an, sieh an! Bis heute hat diese Februar-Liebe gehalten. Max, inzwischen 91, ist nicht mehr ganz der Alte, der ehemalige 60-fache elsässische und sechsfache französische Meister in etlichen Disziplinen, der in Paris geboxt und in Baden Handball gespielt und gelehrt hat. Der Zahn der Zeit hat etwas an ihm geknabbert, aber seinem Charme, dem ihm eigenen Humor, konnte der nichts anhaben.

Die Hochzeit am 21. Juli 1959 war ein großes Spektakel. Ganz Kehl war auf den Beinen, was die Hochzeitsfotos in Helgas Album belegen. Dass ein echter Baron die flotte Helga ehelichen wollte, lockte die komplette Kehler Damenwelt vor die Friedenskirche. Etliche waren neidisch auf die Helga: Sie  hätten sich vom gut durchtrainierten Max gerne zum Altar führen lassen.  

Der »Baron« jedoch war bescheiden. Es gingen etliche Monate ins Land, bis Helga per Zufall überhaupt spitz bekam, was für einen Blaublüter sie sich da an Land gezogen hatte. 

Als »de Monsieur Max us Strooßburi« hatte er ihr sich damals im Februar im Café vorgestellt – und »Monsieur Max« blieb er auch lange Zeit.

Auch dann noch, als Helgas Eltern ihn mal so richtig unter die Lupe nahmen. Mama Markert war spontan begeistert vom Jungathleten Max. Und das war auch gut so, denn damals lag die Grenze zum eigenständigen Erwachsensein bei 21, also musste zum Heiraten das Plazet der Eltern her.

Erst ein knappes Jahr vor dem Gang zum Standesamt kam es dann aber doch ans Tageslicht, als einer seiner Freunde mal in Maxens Ausweis schaute. Ein Zorn de Bulach! Da fiel die Markert-Helga aus allen Sahnewölkchen…

Immer am Ball

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Max blieb immer am Ball. Als Erzieher in einem Straßburger »Böse-Buben-Heim«  lernte er den schnittigen Umgang mit Jugendlichen – natürlich gerade auch beim Sport.

»Mit de Junge het er immer gut könne. Und des war au sinner Erfolg bim Sport«, bestätigt Helga. Noch mit 85 Jahren hat Maximilien Ernest –so sein korrekte Name – die Jugend-Handballer der Kehler Turnerschaft trainiert. 

Davor waren auch Meißenheim, Altenheim, Teningen oder Köndringen Stationen, und satte zwölf Jahre hatte er die erste Mannschaft der Willstätter Handballer im sportiven Griff. 

Es waren aber nicht allein die Pokale – der eigentliche Lohn für seine sportliche Arbeit sind die daraus entstandenen Freundschaften, die bis heute halten und dem Allroundsportler extrem wichtig waren und sind.

»Dadurch isch er sehr jung geblieben«, weiß die um zehn Jahre jüngere Helga. Und die zehn Jahre Altersunterschied? War das Segen oder gar Fluch? »Och Gott, des hemma eigentlich nie gemerkt«, sagt sie, und er nickt wohlwollend. 

Heiraten hatten sie nicht müssen. Erst 1961 kam Sohn Nicolas auf die Welt. Zahnarzt ist er geworden (dem Kehler Volksmunkeln nach wäre er wohl lieber Sportreporter geworden?!), verheiratet mit der Zahnärztin Carola.

Und da wären noch die beiden Enkelkinder Valeria Tami und Vladislav Maximilian, (der mit Hilfe seines Zweitnamens vielleicht später auch mal »Monsieur Max« werden könnte, gell…?)

Und das geheime Erfolgsrezept für 60 Jahre glückliche Ehe?

»Wenn ich net da war, dann het er mich gesucht, und ohne ihn bin ich halt nirgends hingegangen«, sagt sie, blickt wohlig seufzend zurück und kommt dann letztendlich auf den Punkt: »In jeder Ehe gibt es Hochs und Tiefs. Mal raucht‘s gewaltig, aber dann gibt‘s halt e reinigendes Gewitter. Kurzum – ma muss in der Ehe zusammenhalten können. Und wenn ma des hinkriegt, dann hebbt‘s halt grad e Lebe lang«. Max nickt. Totale Zustimmung!

Und wenn jetzt noch einmal 1956 wäre? Sie: »Oh! Also ich däät ihn nochemol nemme!«

»Hoppla! ,Des hab i jetzt noch gar net gewisst«, tönt es da stolz und auf gut elsässisch vom Bulach‘schen Nebenstuhl.

Und es ist wahrlich keine Zornesröte, die es dem guten alten Max Zorn de Bulach dabei ins Gesicht treibt.

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