Schweizer Autorin Simone Lappert

Lesung in Kehl: Selbstmord und Sensationslust

Autor: 
Sabine Schafbauer
Lesezeit 3 Minuten
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18. Februar 2020

Mucksmäuschenstill war es in der Buchhandlung, als Simone Lappert ihren Roman vorstellte, der auf einer wahren Begebenheit beruht, die sie selbst miterlebt hat. ©Sabine Schafbauer

Einen beklemmenden Eindruck von den Gefühlen und Gedanken ihrer Protagonisten vermittelte Simone Lappert bei ihrer Lesung am Freitag in der Buchhandlung Baumgärtner. Im Zentrum ihres Romans „Der Sprung“ stehen Schaulustige.

Eine Frau steht auf einem Dach und droht zu springen. Unten sammeln sich die Gaffer, wer will sich schon eine Sensation entgehen lassen. Einige werden wütend, Rufe wie „Spring endlich“ und „Solche Leute sollte man erschießen“ werden laut.

Eine fiktive Romangeschichte? Nein, eine Begebenheit, die Simone Lappert vor Jahren miterlebt hat und die sie nicht mehr loslässt. 

Was geht in solchen Menschen vor? Was sagt das über unsere Gesellschaft aus? Aus diesen Gedanken heraus entstand der Roman „Der Sprung“.

Auch hier steht zu Beginn eine junge Frau, Manu, auf einem Hausdach und bewegt sich langsam Richtung Abgrund. Die Schaulustigen lassen nicht lange auf sich warten, ebensowenig die Presse und ein Großaufgebot an Polizei und Rettungskräften.

Die Autorin richtet ihr Augenmerk hauptsächlich auf die Zuschauer, auf zehn Menschen, die Manu mehr oder weniger kannten.

Jeden von ihnen bringt die junge Frau auf dem Dach aus dem Tritt, reißt innere Abgründe und alte Wunden auf, so wie bei Manus Schwester Astrid, die es lange Zeit nicht schafft, aus ihrem Auto auszusteigen und mit Manu zu reden. Aus ihren Kindheitserinnerungen bekommt der Leser auch einige Informationen über Manu.

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Auch Manus Freund Finn steuert mit seinen Gedanken etwas dazu bei, dass der Leser ein Bild von dieser Frau auf dem Dach bekommt. Nichts davon erzeugt den Eindruck, dass Manu suizidgefährdet wäre. Auch bei anderen Beobachtern der Szene löst der drohende Selbstmord Erinnerungen und Reaktionen aus, die eigentlich gar nichts mit dem aktuellen Vorfall zu tun haben. 

Mit detailverliebten Beschreibungen und einer ausgesuchten, einzigartigen Wortwahl schafft es Lappert, die beschriebenen Menschen und ihre Umgebung bildhaft vor den Augen des Lesers erscheinen zu lassen.

Durch den gekonnten Wechsel zwischen langen und kurzen Sätzen wird der Leser darüber hinaus in den Gemütszustand des jeweiligen Protagonisten versetzt. Emotionen wie Verzweiflung, Resignation und Panik werden nicht einfach beschrieben, sondern fühlbar gemacht. 

Während der Lesung ist es mucksmäuschenstill in der Buchhandlung und erst mit dem begeisterten Applaus am Ende der Lesung atmen die Gäste die durchgehende Anspannung und Spannung aus. 

„Der Sprung“ ist nach „Wurfschatten“ der zweite Roman der Schweizer Autorin. Von der Idee bis zum fertigen Werk hat Lappert viel recherchiert, sowohl über die Berufe ihrer Figuren als auch über die Arbeit der Polizei bei solchen Einsätzen.

Neben sehr eindrücklichen Charakterdarstellungen wirft der Roman auch grundsätzliche Fragen zu unserer Gesellschaft und unserem menschlichen Miteinander auf. Ist Manu am Schluss wirklich gesprungen? Das hat die Autorin natürlich nicht verraten.

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