Kehl

Sie ist schön, verträumt und sexy

Autor: 
Sabine Schafbauer
Lesezeit 4 Minuten
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13. August 2005
Immerhin schon 100 Jahre ist sie jetzt der Mittelpunkt: Seit 1905 erinnert das Denkmal der Mutter Kinzig auf dem Kehler Marktplatz an die Teilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71.
Kehl. Vor 1905 zierte die Figur der Mutter Kinzig neun Jahre zusammen mit Vater Rhein das Eingangsportal der im neugotischen Stil erbauten Eisenbahnbrücke zwischen Kehl und Straßburg. 1870 wurde die Brücke im Krieg gesprengt. Mutter Kinzig versank im Rhein. Erst viele Jahre später wurde sie gefunden. Seit 1905, also seit 100 Jahren, ist das Denkmal der Mutter Kinzig ein fester Bestandteil des Stadtbildes von Kehl. Wie selbstverständlich steht sie mitten auf dem Marktplatz. So selbstverständlich, dass sie von vielen nicht mehr bewusst wahrgenommen wird. Zwar wissen die meisten Kehler, dass Mutter Kinzig ein Denkmal auf dem Marktplatz ist. Doch einen näheren Bezug zu der Figur haben nur wenige. Für Bäckermeister Georg Hornung, 68 Jahre, ist die Statue ein unverzichtbares Kleinod: »Die Mutter Kinzig gehört zu Kehl wie jeder Kehler auch. Ich könnte mir den Marktplatz ohne Mutter Kinzig nicht vorstellen. Falls sie versetzt werden muss, dann an einen würdigen Platz und keinesfalls in einen Hinterhof.« Die Kinder lieben die Figur – vor allem wegen der kleinen Wasserbecken und dem Sockel, auf dem man so schön herumklettern kann. Und viele wissen auch, dass diese Frau die Mutter Kinzig ist. Einige Kehler würden die Figur lieber an einem anderen Platz sehen und nicht gerade mitten auf dem Marktplatz. Dazu gehört auch der Kehler Kinobetreiber Joachim Junghans: »Die Mutter Kinzig hat sicherlich ihre Daseinsberechtigung in Kehl«, sagt der 49-Jährige. »Ich persönlich würde mir für den Marktplatz etwas Moderneres wünschen. Das Denkmal mit der Mutter Kinzig könnte ich mir gut im Rosengarten vorstellen. Dort käme sie optisch besser zur Geltung.« Würde es denn auffallen, wenn Mutter Kinzig plötzlich nicht mehr an ihrem Platze stünde? Viele Leute, die über den Marktplatz gehen schenken ihr keine Beachtung. Auf die Frage, was sie denn von der Figur halten, gibt es Antworten wie »Die steht halt da« oder »Dazu hab ich keine Meinung«. Kaum jemandem ist bekannt, dass Mutter Kinzig seit genau 100 Jahren die Kehler Stadtmitte ziert. Symbol für Eintracht Einer, der die historische Figur auf jeden Fall vermissen würde, ist Hugo Rinkel: »Es ist gut, dass die Mutter Kinzig auf unserem Marktplatz steht«, findet der 56-jährige Kaufmann. »Sie muss unbedingt erhalten bleiben. Sie gehört einfach zum Kehler Stadtbild.« Auf jeden Fall ist die Mutter Kinzig ein Stück Kehler Geschichte. Sie ist ein Symbol für Eintracht und ein friedliches Miteinander mit dem Nachbarland Frankreich. Einen anerkennenden Blick anlässlich ihrer 100 Jahre im Zentrum der Stadt hat sie sich sicherlich verdient. Historie Die am 6. und 7. April 1861 eingeweihte Eisenbahnbrücke zwischen Kehl und Straßburg war ein Kunstwerk. Die beiden neugotischen Eingangsportale waren 17 Meter hoch. In den Nischen der oberen Turmgeschosse standen sich auf deutscher Seite die Eisengussfiguren von Mutter Kinzig und Vater Rhein gegenüber. Auf der französischen Seite stand neben Vater Rhein die Mutter Ill. Die Mütter Kinzig (links) und Ill wurden von dem Hüfinger Bildhauer Franz Xaver Reich (1815-1881) entworfen. Vater Rhein (rechts) wurde von Hans Baur aus Konstanz geschaffen. Die neue Brücke trug den Namen »Eintrachtsbrücke« – doch die Eintracht hielt nicht lange. Am 22. Juli 1870 wurde das deutschseitige Portal gesprengt. Die Statuen von Mutter Kinzig und Vater Rhein versanken im Fluss. Über eine hölzerne Notbrücke konnte der Eisenbahnverkehr über den Rhein am 19. November 1870 wieder aufgenommen werden. Die beiden Figuren blieben verschwunden. Jahre später wurde Mutter Kinzig bei Baggerarbeiten im Rhein gefunden. Seit 1905 steht sie im Kehler Stadtzentrum als Denkmal an den Krieg von 1870/71. Vater Rhein ist dagegen bis heute verschollen.

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