Gemeinderat

Stadt Kehl unterstützt Beratungsstellen für Prostituierte

Autor: 
Klaus Körnich
Lesezeit 3 Minuten
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07. Februar 2019

Eine Prostituierte geht in Straßburg anschaffen. ©Archiv

Der Gemeinderat hat am Mittwochabend beschlossen, die Projekte »Freija« und »Pink« des Diakonischen Werkes im Evangelischen Kirchenbezirk Ortenau auch 2019 und 2020 mit insgesamt 11 000 Euro jährlich zu fördern. Die Beratungsstellen kümmern sich um Prostituierte und um Opfer von Menschenhandel.

Frauen in knappen Röckchen stehen an der Straße und warten, bis sie mitgenommen werden. Schnelles Geld gegen schnellen Sex: Prostitution ist seit vielen Jahren ein Thema – ganz besonders hier in der Grenzregion Kehl-Straßburg. Die Frauen überqueren täglich den Rhein, um ihre Dienste in Straßburg anzubieten.

 Die Projekte »Pink« (Prostitution, Integration, Neustart, Know-how) und »Freija« setzen sich für Frauen ein, die in der Prostitution gefangen sind, und sie beraten diese. Das Diakonische Werk im Evangelischen Kirchenbezirk Ortenau betreibt diese Fachberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel (Freija) in Kehl sowie die Fachberatungsstelle zur Beratung von Menschen in der Prostitution (Pink).

Wachsendes Gewerbe 

Letztere hat von 2009 bis 2014 im Rahmen eines Bundesmodellprojekts die Beratung für Prostituierte aufgebaut und etabliert. Nach Projektende wurde die Arbeit durch das Land Baden-Württemberg und andere Geldgeber, unter anderem seit 2015 von der Stadt Kehl mit jährlich 11 000 Euro, mitfinanziert. Prostitution ist durch die EU-Osterweiterung und die Zuwanderung ein wachsendes Gewerbe. Daher hat die Kehler Stadtverwaltung dem Gemeinderat auch empfohlen, das Projekt in den Haushaltsjahren 2019/2020 finanziell weiterhin zu unterstützen.

Im vergangenen Jahr beschäftigte die Fachberatungsstelle Freija vor allem die Situation von Frauen, die während oder nach ihrer Flucht in Deutschland Opfer von Menschenhandel wurden und im Asylverfahren sind. Die Beratung von Frauen aus Drittstaaten, vor allem westafrikanischen Ländern (darunter hauptsächlich aus Nigeria), hat nach Angaben der Stelle so weit zugenommen, dass sie fast die gesamte Einzelarbeit ausmacht.

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Mitte 2018 musste das Diakonische Werk einen Anstieg der beratenen Betroffenen von Menschenhandel verzeichnen, der die Ressourcen eines 50-Prozent-Fachkraftstelle sprengt. Es wird erwartet, dass auch 2019 ein großer  Beratungsbedarf besteht.

»Pink« in Kehl ist stark mit der Begleitung von Klientinnen aus Südosteuropa beschäftig, die in extrem schwierigen Lebenssituationen in Kehl leben. So liegt der Fokus auf Begleitung in sozialen Notlagen und bei der Gesundheitsberatung für Frauen in der Prostitution. Berufliche Umorientierung erweist sich oft als schwierig und erfordert in vielen Fällen weitere Maßnahmen und eine intensivere, langfristige Begleitung.

Verschärfte Situation

 Laut Eindruck des Diakonischen Werkes hat sich die Lage dieser Frauen verschärft, was eine konzeptionelle Weiterentwicklung der Arbeit erforderlich macht. Hieran soll 2019 gearbeitet werden.

Aufgrund der 2019 absehbaren noch größeren Notwendigkeit an Fachberatungen für Betroffene von Menschenhandel und für Menschen in der Prostitution hat das Diakonische Werk die Kehler Stadtverwaltung um eine weitere Unterstützung gebeten. Der Gemeinderat hat dafür am Mittwochabend »grünes Licht« gegeben.
 

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