Kehl

Straßburger Forscher zählt Kehler Schildkröten

Martin Egg
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21. Juni 2016

(Bild 1/5) ©Martin Egg

Wie viele Schildkröten tummeln sich im Kehler Altrhein, und werden es womöglich mehr? Das ist nur eine Frage, die der Biologe Carsten Schradin und sechs Teilnehmer der Hector-Kinderakademie beantworten möchten. Über Wochen hinweg werden die Tiere nun gezählt.

Zum Kehler Altrhein gehören nicht nur Fische, Enten und Schwäne, sondern – seit etlichen Jahren – auch Schmuckschildkröten. Die bei vielen Spaziergängern beliebten gepanzerten Reptilien mit ihren je nach Unterart roten oder gelben Wangen bevölkern insbesondere den Abschnitt zwischen Rosengarten und Weißtannenturm und sonnen sich an warmen Tagen zu Dutzenden auf im Wasser liegendem Totholz.
Dieser Umstand ist auch dem in Kehl lebenden promovierten Verhaltensforscher und Ökophysiologen Carsten Schradin nicht verborgen geblieben: Unterstützt von zwei weiteren Kollegen des Straßburger wissenschaftlichen Instituts CNRS geht er mit sechs  hochbegabten, an der Hector-Kinderakademie eingeschriebenen Grundschülern dem Schildkrötenphänomen auf den Grund. 

Im Rahmen eines zunächst auf acht Wochen angelegten Forschungsprojekts lernen die Jungen und Mädchen viel Wissenswertes über die Reptilien: etwa, dass die ursprünglich aus Nordamerika stammenden und inzwischen einem Einfuhrverbot unterliegenden Reptilien vor Jahren von ihren Haltern im Altrhein ausgesetzt wurden und hier eigentlich nichts verloren haben; denn als sogenannte Invasoren treten sie grundsätzlich in Konkurrenz mit der heimischen Fauna. 
Wie viele Schildkröten leben im Altrhein? Dieser Frage geht Schradin mit seinen Kindern derzeit nach: An sechs aufeinander folgenden Montagen dreht das Forscherteam dort seine Runden, um an ausgewählten Stellen immer wieder Strichlisten zu führen. Auch die ungefähre Größe der Tiere wird notiert.

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Außerdem hat Schradin mit seinen Straßburger Kollegen Jean Yves Georges und Pierre Ulrich eine für das Einfangen von Schildkröten konzipierte Falle unterhalb der Krankenhausbrücke mit Seilen fixiert. Schradins Hoffnung, die sich bislang allerdings nicht erfüllt hat: Einige der Reptilien mögen bei der Suche nach einem Platz zum Sonnen der Falle auf den Leim gehen, um sich anschließend zu Zwecken der späteren Identifizierbarkeit eine Farbmarkierung verpassen zu lassen. Die Zahl der in die Falle gegangenen und mit Hilfe von Ferngläsern erspähten Tiere soll Rückschlüsse auf die Gesamtpopulation ermöglichen, die Schradin im Moment nur grob auf eine Zahl irgendwo zwischen 100 und 200 Exemplaren schätzen kann. »Die Faustregel ist, dass man nur zehn Prozent der Population sieht«, sagt der Biologe. Ob diese Regel auch für den Altrhein gelte, da sei er sich nicht sicher.

Auch in den kommenden Jahren sollen die Zählungen weitergehen. Ein Erkenntnisinteresse ist es, festzustellen, ob sich die Zahl der Schildkröten verändert. Dass sie sich auf natürliche Art und Weise vermehren und aus Eiern Junge schlüpfen, hält der Biologe aufgrund der in unseren Breiten herrschenden Temperaturen für eher unwahrscheinlich. 

Info

Info-Veranstaltung

Wer sich für die Arbeit der Kehler Schildkrötenforscher interessiert, den laden Carsten Schradin und die Jungen und Mädchen der Hector-Kinderakademie für Montag, 18. Juli, 15.30 Uhr, zu einer Informationsveranstaltung vor Ort ein. Darauf macht ein Hinweisschild aufmerksam, das Schradin vorsorglich am Geländer der Krankenhausbrücke angebracht hat und auf dem schon einige Fragen, die er von Passanten immer wieder gestellt bekommt, beantwortet werden.

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