Kehl
Dossier: 

Straßburger Tram hält zum ersten Mal am Kehler Bahnhof

Autor: 
Michael Müller
Lesezeit 4 Minuten
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03. Februar 2017
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Bei ihrer Ankunft in Kehl wurden die Züge der Straßburger Tram von vielen Schaulustigen umringt. ©Michael Müller

Die Straßburger Tram hat einen weiteren Test problemlos gemeistert. Bei ihrer zweiten Probefahrt überquerte sie am Freitag die neue Tram-Brücke über den Rhein und hielt erstmals am Kehler Bahnhof.

»Ich bin so aufgeregt, als wenn’s meine Tram wär’.« Sibylle Schäfer aus Goldscheuer konnte es gestern Morgen kaum erwarten, live mit dabei zu sein. Sie ist einer von 37 Menschen, die sich als Tram-Botschafter zur Verfügung gestellt hatten und mit ihrem Gesicht auf Bannern und Plakaten für die Straßenbahnverbindung zwischen Straßburg und Kehl werben – »aus voller Überzeugung«, wie sie sagt. Und da wollte sie sich den Moment nicht entgehen lassen, wenn die Tram erstmals an der vorläufigen Endhaltestelle am Kehler Bahnhof Halt macht.

Drei Züge im Test

Gegen 9.30 Uhr setzte sich der erste von gleich drei Tram-Zügen aus dem Fuhrpark der Straßburger Verkehrsbetriebe CTS am Straßburger Ende der neuen Brücke in Bewegung und rollte gemächlich im Schritttempo über die neue Brücke. Dabei sollte unter anderem geprüft werden, ob die Stromversorgung über die Oberleitungen funktioniert, ob die Gleise fest liegen und die Weichen sich bewegen lassen und ob die Tram problemlos über die sogenannte »Schienenauszugsvorrichtung« hinüber kommt.

»Wenn es heiß ist, im Sommer etwa, dehnt sich die Brücke ja aus – um bis zu 20 Zentimeter«, erläutert Michael Knopf, verantwortlich für Bauoberleitung und -überwachung beim Büro Obermeyer, das für den ersten Bauabschnitt der Tram-Verlängerung von Straßburg nach Kehl zuständig ist. »Das müssen auch die Schienen mitmachen.« Einmal fuhren sogar zwei Tram-Züge parallel nach Kehl, um festzustellen, ob das Lichtraumprofil stimmt und zwei Tram-Züge problemlos aneinander vorbei kommen.

Geprüft wurde auch, ob die Maße am künftigen Bahnsteig so passen, dass auch Rollstuhlfahrer und Sehbehinderte problemlos und ohne fremde Hilfe in die Tram einsteigen können. Am Ende konnte Knopf zufrieden Bilanz ziehen: »Es läuft alles so, wie es geplant war.«

 

 

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Ries: »Ein großer Tag«

»Ein großer Tag«, fand Roland Ries. Für den Straßburger OB hatte der gestrige Tag auch eine historische Dimension: Schließlich ist es über 70 Jahren her, dass zuletzt eine Straßenbahn zwischen Kehl und Straßburg verkehrte. Doch das Projekt weise auch nach vorn – »zurück in die Zukunft«, zitierte er schmunzelnd einen Filmtitel. Es gebe heute immer mehr Menschen, die lieber Mauern bauen wollten als Brücken über die Grenzen hinweg zu schlagen.

Kehls Stadtplanerin Kora Herrmann erlebte die Einfahrt der Tram am Bahnhof im Führerstand eines Zuges mit. »Wenn man bedenkt, wie viele Jahre wir schon daran arbeiten, ist das ein unglaubliches Gefühl.« Und auch Baubürgermeister Harald Krapp fand es »toll, dass man an so etwas teilhaben kann«. 

Tests gehen weiter

Mit der erfolgreichen Probefahrt ist die Testphase für die Tram aber noch nicht abgeschlossen. In deren weiteren Verlauf werden zunächst auf französischer Seite und dann auch auf deutscher Seite das Signalsystem und die elektrischen Leitungen überprüft. Zwischen dem 20. Februar und dem 17. März wird dann die gesamte Strecke abgefahren. Ab dem 28. März und bis zum 28. April ist dann der letzte Teil der Testphase geplant. In dieser Zeit fährt die Tram quasi nach dem künftigen Fahrplan, jedoch immer noch  ohne Passagiere. 

Kommen Merkel und Hollande?

Das Datum für die offizielle Jungfernfahrt steht jedoch noch immer nicht fest. Zwar besteht laut Roland Ries eine prinzipielle Übereinkunft zwischen dem französischen Präsidenten François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel, dafür nach Kehl zu kommen. Doch ob das klappt? Die Antwort auf diese Frage steht weiterhin aus. 

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