Goldene Zwanziger

Tanz-Workshop: Kehler lernen den Charleston

Autor: 
Redaktion
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09. Oktober 2019

Während der Besatzungszeit war das kulturelle Leben in Kehl von Baden und dem übrigen Deutschland fast hermetisch abgeschnitten und auf sich selbst gestellt. Um die Abgeschlossenheit weniger folgenschwer zu machen, wurde 1919 ein Theater- und Konzertverein gegründet, den Landrat Schindele von 1923 bis 1930 leitete. Infolge Streichung des Staatszuschusses ging der Verein ein. Bilder und Plakate von Einladungen zu Fastnachtsveranstaltungen 1928 und 1930 im Gasthaus „Schiff“ sind noch erhalten und zeigen, dass man auch in schweren Zeiten in Kehl gefeiert hat. ©Sammlung Karl Theodor Bender, Kehl

Im Rahmen der „Goldene Zwanziger“-Ausstellung im Kehler Hanauer Museum veranstaltet die Einrichtung einen „Charleston“-Tanz-Workshop. Er findet an den Freitagen 11. Oktober und 29. November statt. 

Ausgelassen tanzende Menschen in rauchgeschwängerten Lokalen, Frauen mit Bubikopf und Paillettenmützchen sind fast so etwas wie das Sinnbild der sogenannten Goldenen Zwanziger. Während diese Lokalitäten in Filmen meist in Berlin verortet sind, wurde auch in Kehl getanzt und Bubikopf getragen. Tagebuchschreiber Mathias Nückles notiert, wie seine Töchter Liesel und Lenel an solchen Veranstaltungen teilgenommen haben und erst zu später Stunde zurück nach Hause kamen und auch die Kehler Zeitung berichtet damals über solche Veranstaltungen. Wer – ergänzend zur Ausstellung „Goldene Zwanziger? – Kehl in der Weimarer Republik“ – versuchen möchte, zu tanzen, wie damals getanzt wurde, der kann sich noch zum Tanzworkshop Charleston anmelden, der an den Freitagen 11. Oktober und 29. November stattfindet.

Lebensgefühl

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Die Tanzveranstaltungen in den Musikkaffeehäusern und Gaststätten waren Ausdruck des ambivalenten Lebensgefühls der Menschen zwischen den beiden Weltkriegen, bildeten eine Art Gegengewicht zu den drückenden Sorgen des Alltags: Wirtschaftskrise, Hyperinflation, Arbeitslosigkeit. Von der Presse wurde diese neue Art der Abendveranstaltungen eher kritisch begleitet: So bedauert das Offenburger Tageblatt in seiner Ausgabe vom 29. April 1921 den Umstand, dass die Salonorchester mit acht bis zwölf Musikern selbst in der Millionenstadt Berlin von Jazz-Trios und –Quartetten abgelöst würden. „Das Haupt- und Nebenprogramm des Abends besteht aus den Modetänzen und ihr Vortrag allein verbürgt dem Wirt, verbürgt der Kapelle die Zufriedenheit des Publikums“, ist dort zu lesen. Die schwüle Stimmung heiße nun „Gemütlichkeit“ und „die deutsche Volksmusik besteht aus Foxtrotts, Shimmy, One-Steps und Paso doblo“.
Zugleich waren diese Veranstaltungen Ausdruck des beginnenden Wandels der Rolle der Frau und des Frauenbilds. Auf der Seite „Die Frau und ihre Welt“ der Kehler Zeitung vom 30. Juni 1930 erhält die Frau nicht nur Tipps zur Pflege des Kühlschranks, der Aufmacher beschäftigt sich mit der Frage: „Soll die Frau sich um die Geschäfte ihres Mannes kümmern?“. Autorin Eva Frank-Wittgenstein vertritt darin die Auffassung, dass alle Angelegenheiten des Mannes, die eine Auswirkung auf die wirtschaftliche Lage des Ehepaares oder der Familie haben, die Frauen durchaus etwas angehen. 

Grundschritte lernen

Beim Tanzworkshop, der sowohl am Freitag, 11. Oktober, als auch am Freitag, 29. November, jeweils um 17.30 Uhr stattfindet, gibt die Tanz- und Sportpädagogin Birgit Dehmer einen Einblick in die Welt und den Zeitgeist des Charleston. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können dem Lebensgefühl in den Goldenen Zwanzigern etwas nachspüren. Über das Erlernen der Grundschritte wird gemeinsam eine kleine Choreographie erarbeitet. Mitzubringen sind Freude und Begeisterung am Tanzen, bequeme Schuhe und Durchhaltevermögen, denn der Charleston verlangt flotte und flinke Beine.
Der Workshop dauert zwei Stunden und kostet zehn Euro, ermäßigt sieben Euro. Interessierte können sich unter • 0 78 51/88 26 50 oder per E-Mail unter hanauer-museum@stadt-kehl.de anmelden.

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