Kehl

"Theater der 2 Ufer" erzählt das Märchen vom Rotkäppchen neu

Autor: 
Heidi Ast
Lesezeit 3 Minuten
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25. März 2019

Karin Jäckel in der Alten Kaffeerösterei. ©Heidi Ast

Immer wieder überrascht das »Theater der 2 Ufer« mit neuen Programmen. Letzten Samstag unternahm man einen Ausflug in die Welt unbekannter und neu erzählter Märchen.

Wenn Brigitta Neidig Sätze sagt wie »da hett sich der Wolf ins Bett gelupft« oder »s' Rotköpfle is aus'm Buch g'wuselt« hört man Altvertrautes, nämlich das Märchen vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf in einem sprachlich neuen Gewand. Diese Version klingt um einiges niedlicher und weniger brutal als das Original. So sind an diesem Samstag der Elsässer Serge Rieger, der in Bühl lebende Helmut Hannig, die Autorinnen Karin Jäckel, Ute Ruth Hausmann und Brigitta Neidig als Vertreter des Autorennetzwerks in der Alten Kaffeerösterei zusammengekommen, um Märchen neu oder anders zu erzählen.

Nachdem Neidig den Anfang mit ihrer im badischen Dialekt erzählten Rotkäppchen-Fassung gemacht hat, entert Serge Rieger, ein elsässischer Dichter, Musiker und Liedermacher, die kleine Bühne. Laute, Gitarre und ein selbst geschriebenes Märchen um das Ermöglichen einer unmöglichen Liebe zwischen einem Regenwurm und einer Sonnenblume: Alles, was man dazu braucht, ist ein Wetterfrosch, einen Sonnen- und einen Regenschirm. Oder »Raijnschirm« – wie es Rieger auf das Goldigste zum Besten gibt.

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Nach einem kleinen Instrumentensolo von Rieger übernimmt Helmut Hannig. Er erzählt dem gespannten Publikum in wohlgesetzten Worten, wie seiner Meinung nach die Geschichte des Rumpelstilzchens und der Müllerstochter weitergeht. Das Stilzchen wird erwachsen und zum Rumpelstilz, er ist ein Wanderer zwischen den Welten und grübelt, warum sein Plan, das Erstgeborene der Königin als Preis für das gesponnene Gold zu erhalten, nicht funktioniert hat. Bei Hannig verwandelt sich das Gold wieder in Stroh und verbrennt mit goldenem Schein. Die Königin wird wieder zur Müllerstochter degradiert und ihr Sohn schließt im Wald Freundschaft mit dem Gnom. Er erhält kleine Edelsteine von seinem neuen Freund und so bekommt doch noch jeder, was er verdient.

Ute Ruth Hausmann versuchte sich an diesem Abend mit ihrer Geschichte von Amasia, die gemeinsam mit Hilfe eines Katers den Schatten hinter dem Schwarzwaldhaus auf einem ihrer Lieblingsbilder vertreibt, zum ersten Mal im Genre Märchen. Ein einsamer Riese wird in die Wüste gebracht, wo man seinen Schatten zu schätzen weiß und er Liebe und Anerkennung erfährt. Hausmann hat mit ihrer poetischen Kreation das Thema Märchen perfekt erfasst. 

Und bevor zum Abschluss Karin Jäckel ein fulminantes Mahl in einem Elsässer Gourmettempel im Stile eines Edgar Alan Poe beschreibt, führt Rieger die Anwesenden mit einem elsässischen Kinderlied in die Zeit der Einfachheit und des Zaubers. Wer vielleicht geglaubt hat, er oder sie wisse schon alles über Märchen, wurde an diesem Abend auf das Angenehmste vom Gegenteil überzeugt.

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