Theater

Theater gegen Rechtsruck in Kehl

Autor: 
Ellen Matzat
Lesezeit 3 Minuten
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15. Oktober 2019

Lesung gegen Rechts im „Theater der 2 Ufer“ (von links): Horst Kiss, Gabi Jecho, Herbert Leidenheimer und Axel Hille. ©Ellen Matzat

Das „Theater der 2 Ufer“ veranstaltete am Sonntagmorgen in der alten Kaffee-Rösterei eine Lesung gegen Rechts. Sie wurde musikalisch begleitet.

Nicht ganz leichte Kost bekamen die Gäste des „Theaters der 2 Ufer“ in der Alten Kaffeerösterei bei freiem Eintritt am Sonntagmorgen serviert: Das Polittheater „Alles kann passieren“  von Doron Rabinovici und Florian Klenk positionierte sich eindrücklich gegen rechte Strömungen.

In der szenischen Lesung trugen Gabi Jecho, Herbert Leidenheimer und Axel Hille sehr ausdrucksstark die öffentlich ausgesprochenen, rassistischen und menschenverachtenden Originalzitate unter anderem von Matteo Salvini, Herbert Kickl, Viktor Orbán, Jaroslaw Kaczynski, Mateusz Morawiecki und Milos Zeman vor, die teilweise im Europaparlament in Straßburg ausgesprochen wurden. Durch die Statements der neuen starken Männer wurden anhand ihrer Sprache die bewusst moderat gehaltenen bis offen reaktionär-rassistischen Inhalte ihres politischen Programms und deren erschreckenden Ziele deutlich. Dazu gehören die Zerstörung der EU, Einführung der illiberalen Demokratie, Einschränkung der Menschenrechte und Medienfreiheit sowie das Ende der Währungsunion. Ihre Worte ließen dabei unwillkürlich Erinnerungen an das Dritte Reich aufkommen.

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Kästner-Zitat 

Auf allgemeine Zustimmung des Publikums stieß eine von Horst Kiss zitierte Aussage von Erich Kästner, nachdem die Ereignisse zwischen 1933 und 1945 spätestens 1928 hätten bekämpft werden müssen. Später war es zu spät.
Im Anschluss äußerten einige Gäste bei der anschließenden regen Diskussionsrunde ihre Ängste angesichts der aktuellen Entwicklung, gerade auch im Hinblick auf den antisemitischen Terrorakt von  Halle. Da dieser Entwicklung nur mit Bildung und Aufklärung entgegen getreten werden könne, hatte Ruth Dilles, Intendantin des Theaters, die Idee, nach der Auftaktveranstaltung am Sonntag die Lesung auch in Schulen zu bringen. Nur so könne verhindert werden, dass noch mehr Menschen in die Fänge der AfD gerieten, pflichteten die Besucher ihr bei. 

Um alle Schüler erreichen zu können, wurden vom Publikum allerdings eine Vereinfachung der Texte sowie deutsche Beispiele vorgeschlagen. Wichtig war dem Publikum auch deutlich zu machen, dass der Faschismus der AfD sich nicht nur auf die Flüchtlinge beschränke, sondern sich auch in einer Einschränkung der Frauenrechte, Homophobie und Antisemitismus ausdrücke. Weiter wünschte man eine offenere und ehrlichere Politik, um das Spiel der AfD mit den Ängsten der Menschen einzudämmen. Enttäuscht waren die Anwesenden, dass sich niemand aus der Kommunalpolitik oder aus dem Kehler Gemeinderates berufen fühlte, zu der Veranstaltung gegen Rechts zu kommen.
Vor der Lesung gaben Jasmin Zang am Klavier, Lea Balzar an der Violine und Daniel Klein am Cello mit dem ersten Trio von Mendelssohn einen schönen musikalischen Einstieg.

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