"Das wilde Määäh"

Theatergruppe aus Darmstadt begeistert Kinder mit Märchen in Kehl

Simona Ciubotaru
Lesezeit 4 Minuten
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05. Dezember 2023
Lustig und expressiv, das Theater Lakritz aus Darmstadt (von links): Sie zauberten Groß und Klein nicht nur ein Lächeln ins Gesicht, sondern faszinierten mit ihrer Vorführung: Wolfgang Vetter, Vivien van Deventer, Julia und Anna Lehn.

Lustig und expressiv, das Theater Lakritz aus Darmstadt (von links): Sie zauberten Groß und Klein nicht nur ein Lächeln ins Gesicht, sondern faszinierten mit ihrer Vorführung: Wolfgang Vetter, Vivien van Deventer, Julia und Anna Lehn. ©Simona Ciubotaru

Über Identitätsfindung, Liebe und vieles mehr: In der Stadthalle bot die Darmstädter Theatergruppe „Lakritz“ eine Märchenvorführung mit Tiefgang.

Kehl. Um die 150 Kinder aus Kehl und aus Straßburg, in Begleitung ihrer Pädagogen, zudem auch ein paar Bewohner mit Behinderung aus dem Bereich „Betreutes Wohnen“ der Diakonie Kork, zusammen mit ihren Pflegern, erschienen am vergangenen Donnerstag zur herrlichen Märchenvorführung „Das wilde Määäh“.

Vierköpfige Besetzung

Geboten hatte es das freie Kindertheater „Lakritz“ aus Darmstadt, mit einer vierköpfigen Besetzung: Mitgründerinnen Julia und Anna Lehn, zudem Vivien van Deventer und Wolfgang Vetter – der musikalisch die Charade auch umrahmte. Das Theater Lakritz besteht aus einem multiprofessionellen Team, das seit 2000 in wechselnden Konstellationen Projekte im Bereich Kinder- und Jugendtheater und Kulturelle Bildung umsetzt.

Das Ensemble faszinierte Jung und Alt auf der Kehler Bühne: die Künstler schlüpften aus einer Rolle in die andere hinein und schöpften aus einem vielseitigen Fundus schauspielerischer Ausdrucksmöglichkeiten. Die Tanzelemente waren postmodern – frei, expressiv.

Der Gesang mit Klavierbegleitung umrahmten und trugen zugleich die Geschichte, fast wie Filmmusik oder eher in einem Musical. Vetter hat in Frankfurt Gesang studiert und vermag nicht nur sehr schön Klavier zu spielen, sondern besitzt eine überaus helle Tenorstimme, die er vielseitig einsetzt.

Die Geschichte wirkt wie ein postmodernes Pendant von „ The Jungle Book“, nur dass der kleine Held ein schwarzes Schaf ist – Ham, ein Lämmchen, das von einer Wolfsrudeln adoptiert wird. Die Handlung findet im Wald, auf Wiesen und Bauernhöfen statt.

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Ham wächst wie ein Wolf auf, aber mit der Zeit machen sich die Unterschiede zwischen ihm und seiner Wolfsfamilie immer mehr bemerkbar: er sieht anders aus, er macht nicht „Auuu!“, sondern „Määäh!“, ist nachts müde, wenn seine Rudel jagt, er „frisst den Boden“ („Pfui!“) und die kleinen Tiere haben keine Angst vor ihm, denn er greift sie nie an. Der Kuckuck (Vetter) allein weißt es Bescheid: Ham ist ein Lamm. Und setzt es ihm ins Ohr, so dass Ham eine Identitätskrise durchmacht. Mama Wolf liebt ihn sehr und lässt deshalb los.

Die Freundschaften, die Ham (von Julia Lehn als starken Charakter gestaltet – mit seiner Verwirrung, der Suche nach Antworten, Mut, Loyalität und großem Freiheitsdrang) schließt, stammen dann aus den Reihen der Beute für die Karnivoren. Zum Beispiel, das Rehlein Flöckchen – von van Deventer tänzerisch inszeniert, herrlich die Selbstgefälligkeit und die Naivität der „zukünftigen Waldkönigin“ nachahmend, die alles nachplappert („meine Mama sagt, dass...“).

Für die Freiheit

Dann der junge Bulle, der sich für die Freiheit entscheidet und den sie aus dem Stall befreien. Aber auch die Katze (von Vetter ausdrucksstark und lustig gespielt – sehr ... katzenhaft seine Gliedmaßen bewegend), die ihn anfänglich falsch lotst, in der Annahme, Ham sei eine Kuh, wird ihm zum Freund.

Ohne Masken und Verkleidung, ist die Verwandlungsfähigkeit der Künstler faszinierend: Anna Lehn ist Erzähler, Mime, der Bulle, ahmt Geräuschen nach. Van Deventer wird witzigerweise  zum missmutigen Schäferhund, Vetter brachte den ganzen Saal zum Lachen als Hahn und Kuckuck.

Das schwarze, „wilde“ Lämmchen findet nach ein paar Abenteuern seine wirkliche Mama, mag aber überhaupt nicht, ein Schaf zu sein. Denn „die Menschen beuten uns aus“. „Lieber in der Wildnis gefressen werden, als auf der Weide mit den Schafen zu fressen“. Und er geht wieder zu den Wölfen zurück, begleitet von den neuen Freuden.

Das Märchen entpuppt sich somit als Allegorie, mit subtilem politischem Touch: Widerspiegelung des Freiheitsdranges der Menschen. Das sei unser stärkstes Bestreben, heißt es. Die Geschichte macht nachdenklich – Märchen seien eigentlich nicht für Kinder erfunden worden, besagt die Ethnologie.

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