Kehl/Straßburg

Tiefengeothermie: Strenge Kontrollen in Straßburg

Autor: 
Michael Müller
Lesezeit 3 Minuten
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09. Februar 2015

Die Experten, darunter auch der Kehler Stadtrat der Freien Wähler, Claus-Dieter Seufert aus Kehl (kl. Bild, 2. von vorn), blickten beim Geothermie-Seminar im Centre Administratif auf ein gut gefülltes Auditorium. ©Michael Müller

Erfahrungen, Chancen und Risiken der Tiefen-Geothermie waren am vergangenen Donnerstag Thema eines rheinübergreifenden Seminars in Straßburg.  Dabei wurden auch kritische Stimmen laut. Es wurden aber auch Wege aufgezeigt, wie man die Bürger »mitnehmen« kann.

Tiefen-Geothermie ist auch in Straßburg aktuell ein großes Thema. Anlass genug für das Ständige Umwelt-Sekretariat in Straßburg, die vor allem auf Kehler Seite umstrittene Technologie zum Thema eines rheinübergreifenden Seminars zu machen und Behördenvertretern, Politikern, Wissenschaftlern und Bohr-Unternehmern im Centre Administratif die Chancen und Risiken darlegen zu lassen.

Gleich an mehreren Standorten sind in Straßburg Geothermie-Kraftwerke geplant – unter anderem im Hafen, in Mittelhausbergen und Illkirch-Graffenstaden. Die Energiewende sei ein »Imperativ für die Zukunft«, so Straßburgs Bürgermeister Alain Jund zu Beginn des Hearings. Die Eurométropole Straßburg will bis zum Jahr 2030 eine positive Energie-Bilanz erzielen. Auf keinen Fall jedoch dürfe man dabei die Zukunft in Gefahr bringen. Transparenz sei daher ein Gebot der Stunde.

Xavier Arnoult von der Direction Régionale de l’Envi-ronnement, de l’Aménagement et du Logement (DREAL), der französischen Aufsichtsbehörde, wies auf die strengen Kontrollvorschriften in Frankreich hin – etwa dass die Prüfbehörde 48 Stunden vor der Zementierung der Bohrung zu informieren ist und hinterher eine Nachkontrolle erfolgen muss, oder dass ein Netz zur Messung seismischer Aktivitäten schon vorher in Betrieb sein muss.

Darüber hinaus seien im Vorfeld eine Vielzahl von Fachbehörden zu hören und auch die betroffene Gemeinde, was nach deutschem Bergrecht zumindest im Erlaubnisverfahren nicht vorgesehen ist.
Und schließlich finde vor der Entscheidung eine öffentliche Anhörung statt, und Inspektionsberichte und seismische Daten sind online zugänglich, hieß es.

Doch über die Staatsgrenze dringen solche Informationen meist nicht, klagte FWV-Stadtrat Claus-Dieter Seufert, der den Standpunkt der Stadt Kehl darlegte. Seismische Ereignisse und Grundwasserverunreinigungen halten sich nicht an Ländergrenzen – doch das werde in der Kontroverse komplett ausgeblendet. Er forderte denn auch, die Probleme gemeinsam zu lösen.

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Seufert erläuterte auch die Gründe, weshalb die Stadt gegen die Genehmigung für die Probebohrungen bei Goldscheuer Klage eingereicht hat – nicht zuletzt wegen der ungelösten haftungsrechtlichen Fragen, sollte es doch zu Schäden an Gebäuden oder öffentlichen Infrastruktureinrichtungen kommen. Immerhin: In dieser Frage scheinen die Bürger in Frankreich besser abgesichert. Dort übernimmt laut Xavier Arnoult der Staat die Entschädigung, wenn der Betreiber ausfällt.

Was Schäden angeht, gaben sich Jean-Jacques Graff (Electricité de Strasbourg) und Jean-Philippe Soulé (Fonroche) als Vertreter der Bohrfirmen optimistisch. Nicht zuletzt habe man viel aus den Erfahrungen einer Experimental-Anlage in Soultz-sous-Forêt gelernt, betonten sie.

Es gab jedoch auch kritische Stimmen. UMP-Stadtrat Yves Le Tallec wies darauf hin, dass gerade im Straßburger Ölhafen gefährliche Substanzen lagern, die nach der Seveso-Richtlinie klassifiziert sind. »Wenn Sie Schadensfreiheit nicht garantieren können, werden Sie Probleme bekommen«, meinte er. Man dürfe das Vertrauen der Menschen nicht verspielen. Vertreter der Bürgerinitiative in der Robertsau äußerten Zweifel, ob das Verfahren, das angewandt werden soll, technisch ausgereift und der Untergrund ausreichend untersucht ist.

Bürger einbinden

Es sei daher wichtig, schon in den frühen Phasen eines Großprojekts die Bürger einzubinden – und nicht erst, wenn es »um die Wurst geht«, so Matthias Holenstein von der Stiftung Risiko-Dialog aus St. Gallen (Schweiz). Partizipation schärfe das Bewusstsein der Bürger, schaffe Vertrauen und Fairness und sorge letztlich für »robuste Projektentscheidungen«. Voraussetzungen seien jedoch Transparenz und das Vorhandensein von Verhandlungsspielräumen.

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