Kehl
Dossier: 

Tram-Brücke heißt offiziell "Beatus-Rhenanus-Brücke"

Autor: 
Klaus Körnich
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
06. April 2017
Verknüpfte Artikel ansehen

Die Tram-Brücke über den Rhein. ©Sven Kimmig

Die Tram-Brücke trägt künftig den Namen »Beatus-Rhenanus-Brücke«. Das hat der Gemeinderat am Mittwochabend mit 15 Ja-Stimmen, sechs Nein-Stimmen und einer Enthaltung beschlossen.

Oberbürgermeister Toni Vetrano (CDU) warb im Gemeinderat zum wiederholten Mal für Beatus Rhenanus als Namenpatron für die Tram-Brücke. Rhenanus war ein deutscher Humanist und Philologe. Der Vorschlag, die Tram-Brücke nach ihm zu benennen, sei von Historikerin Ute Scherb, Leiterin des Hanauer Museums, gekommen. »Wir finden den Vorschlag nach wie vor gut«, sagte der Kehler Oberbürgermeister– trotz aller öffentlichen Kritik an dem Namen in den vergangenen Tagen. 

Straßburgs OB begeistert

Als Argument gegen Beatus Rhenanus sei häufig sein geringer Bekanntsgrad genannt worden. »Wenn wir nach dem Bekanntheitsgrad gehen, dann müssten wir 80 Prozent aller Namensschilder für Straßen und Gebäude wieder abhängen, denn die Namen kennt auch niemand«, sagte der Kehler Rathaus-Chef. Auch die »französischen Freunde« im Straßburger Rathaus seien sehr begeistert über den Namen. 

Außerdem sei der Name auch eine »Chance«, Beatus Rhenanus bekannter zu machen und ihn und seine Bedeutung – auch im Hinblick auf die deutsch-französische Freundschaft und grenzüberschreitende Zusammenarbeit – zu würdigen. 

- Anzeige -

Wolfgang Maelger, Sprecher der Fraktion Grüne/Frauen/Jugend, sagte, dass ihm der Name schwer über die Lippen gehe. Der historische Bezug des Namens sei für Historiker sicher nachvollziehbar, meinte er, allerdings könne er keinen Zusammenhang mit den Städten Kehl und Straßburg herstellen. Deshalb werde er dem Namen nicht zustimmen. Es wäre auch möglich gewesen, der Brücke später, in einem Jahr etwa, einen Namen zu geben. Vor dem Hintergrund der Debatte über die Gestaltung der Tram-Haltestelle und der Zukunft des Hallenbades werde die Diskussion über einen Namen, »der ungewöhnlich ist«, so ausgelegt: »Es ist ihnen nichts Besseres eingefallen.« Maelgers Fraktion stimmte dann auch gegen den Namen.

Europäische Dimension

CDU-Stadtrat Heinz Rith sagte, dass die »französischen Freunde« darauf hingewiesen hätten, dass sie dieses Mal bei der Namensgebung einem Deutschen den Vortritt lassen, nachdem die Pierre-Pflimlin-Brücke nach einem Franzosen benannt worden war. Zudem hätten die »französischen Freunde« gut gefunden, dass der Grundgedanke des Humanismus (Beatus Rhenanus gehört dieser geistigen Strömung an), sich mit Frieden zu beschäftigen, auch die Gründungsväter Europas nach dem Zweiten Weltkrieg »beflügelt« habe. Demnach sei mit dem Namen auch eine europäische Dimension gegeben, so Rith.  

Horst Körkel (FDP) fragte nach, wie man den Namen ausspreche. So wie er geschrieben steht, wurde ihm geantwortet, denn es handelt sich um einen lateinischen Namen. Bei der Tram-Jungfernfahrt Ende April soll eine Tafel mit dem neuen, mit großer Mehrheit im Rat beschlossenen Namen für die Brücke enthüllt werden.
 

Zur Person

Wer war Beatus Rhenanus?

Humanist, Historiker und Philologe im Übergang von Mittelalter und früher Neuzeit – das war Beatus Rhenanus. Eigentlich hieß er Beat Bild, geboren am 22. August 1485 in Schlettstadt, dem heutigen Sélestat, 40 Kilometer südwestlich von Straßburg. Gestorben ist er am 20. Juli 1547 in Straßburg. Sohn des Metzgermeisters Antonius Bild († 1520) und Barbara Kegel († 1487). Heirat mit der Witwe Anna Braun erst wenige Jahre vor seinem Tod.

Die Familie von Beatus Rhenanus stammte aus dem linksrheinischen Rhinau im Unterelsass. Antonius Bild wanderte von Rhinau nach Sélestat aus, hieß dort Rheinauer (=Rhenanus). Typisch für die Humanisten der Renaissance, latinisierte Beat Bild seinen Namen, passend zu seiner Heimatregion, zu Beatus Rhenanus. In Sélestat besuchte er die seinerzeit berühmte Lateinschule, die erste Schule humanistischer Prägung am Oberrhein. Darauf folgte ein Studium in Paris (1503–1507), unter anderem bei Jacques Lefèvre d’Etaples (1455–1536), der die erste vollständige französische Bibelübersetzung verfasste.

Eine in Paris begonnene Buchdruckerlehre setzte er in Straßburg bei Lazarus Schürer fort. Ab 1507 lebte er in Straßburg, ab 1511 in Basel, wo er bei Johannes Cuno (1462–1513) Griechisch erlernte. Beatus Rhenanus war ein Freund  von Erasmus von Rotterdam (1467–1536), unter anderem in Basel, wo er in humanistischen Kreisen verkehrte. 1523 wurde er von Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, in den Adelsstand erhoben. 1527 kehrte er nach Sélestat zurück, wo er im vom Vater ererbten Haus ein Gelehrtenleben führte und neben (humanistischen) Buchdrucken historische sowie philologische Studien betrieb.
Über seine Tätigkeit als Drucker und Redakteur hinaus war Beatus Rhenanus Verfasser von philologischen Editionen der lateinischen Kirchenväter sowie der antiken Klassiker. Auch historische Studien zur Vor- und Frühgeschichte Deutschlands hat er verfasst. Als verbreitestes seiner Werke gilt »Rerum Germanicarum libri tres« von 1531, das als Anfang einer kritischen Geschichtsschreibung in Abgrenzung zur bloßen Chronistik gilt. Beatus Rhenanus setzte sich für ein Quellenstudium unter Beachtung der zur Entstehungszeit herrschenden Voraussetzungen ein und gilt somit als kritischer Historiker. Seine bedeutende Privatbibliothek, die seit 2011 auf der Liste des Weltdokumentenerbes der Unesco steht, ging nach seinem Tod in die Lateinschule seines Geburtsorts über. 
Im Jahre seines Todes 1547 umfasste seine Sammlung etwa 670 in Leder gebundene Werke, die er an seinen Wirkungsstätten in Basel, Straßburg und Paris erworben hatte. Bereits damals hatte diese Sammlung einen unschätzbaren Wert, da in der Frühzeit des Buchdrucks Bücher und Handschriften selten und sehr kostspielig waren. Die Bibliothek des Beatus Rhenanus ist eine der wenigen fast vollständig erhaltenen Humanistensammlungen (zum Beispiel zerstreute sich diejenige Erasmus von Rotterdams nach seinem Tod). Unter anderem enthält sie ein Originalwerk Martin Luthers (1483–1546): dessen berühmtes »Von der Freiheit eines Christenmenschen« aus dem Jahre 1520 mitsamt Luthers handschriftlichen Eintragungen. Die heutige Humanistenbibliothek in Sélestat, die aus der dortigen Lateinschule hervorging, enthält unter anderem die Privatsammlung des Beatus Rhenanus und gilt als einer der bedeutendsten Kulturschätze des Elsass.

Aufgrund eines schweren Leidens suchte Beatus Rhenanus, Humanist und Philologe aus der sogenannten Schlettstädter Schule, 1547 Heilquellen in Baden-Baden auf. Während der Rückreise von dort verstarb Beatus Rhenanus am 20. Juli 1547 in Straßburg.
 

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kehl

Kirchenmusik
vor 4 Stunden
Ein fröhliches und berührendes Gospelkonzert erlebten die Besucher am Sonntag in der Kehler Friedenskirche. Jo’s Voice machte zusammen mit Calvin Bridges die frohe Botschaft spürbar.
Kommunalpolitik
vor 7 Stunden
Wird der Kehler Wald nachhaltig bewirtschaftet? Ortschaftsrat Reiner Monschau zweifelt daran. Und solange diese Frage nicht geklärt ist, will er dem Forstbetriebsplan 2019 seine Zustimmung nicht geben.  
Kirchenleben Kehl
vor 11 Stunden
Am Sonntag hielt Claudia Baumann in der Christuskirche ihre letzte Predigt in Kehl. Viele waren gekommen, um sich von der engagierten Pfarrerin zu verabschieden.
Angestellte mit Pistole bedroht
vor 13 Stunden
Die Polizei fahndet nach einem Mann, der am Sonntagmorgen in Kehl eine Tankstelle überfallen hat. Der Unbekannte soll eine Angestellte mit einer Pistole bedroht und so mehrere Hundert Euro erbeutet haben. Dann verschwand er unerkannt.
Kirchenleben
vor 14 Stunden
In Kehls Straßburger Nachbarviertel Port du Rhin entsteht gerade die erste deutsch-französische Kirche. Alles über die Hintergründe lesen Sie hier.  
Kehl
vor 16 Stunden
Fernreisen und Expeditionsreisen sind offenbar immer mehr im Kommen. Dies zeigte sich auf der Derpart-Reisemesse am Sonntag in der Kehler Stadthalle.
Willstätt
vor 19 Stunden
Die Ganztags-Grundschule stößt bei den Willstätter Eltern offenbar auf wenig Gegenliebe. Das ist das Ergebnis des Workshops zum Thema »Entwicklung der Grundschulbetreuung in Willstätt«, zu dem die Gemeindeverwaltung am Freitag in die Sander Halle eingeladen hatte. 
Kehl - Kehl/Straßburg
18.11.2018
Roland Ries war der Hauptredner bei der zentralen Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Kehl. Am Ehrenmal für die Toten der beiden Weltkriege erinnerte Straßburgs Oberbürgermeister an die Vergangenheit, blickte aber auch in die Zukunft.
Kehl
18.11.2018
Viele kennen den Mann, der in schwarzen Kleidern am Marktplatz bettelt und gelegentlich einen Handstand vorführt. Was die meisten nicht wissen: Erst seit kurzem schläft der 58-Jährige Claudio seit vier Jahren erstmals wieder im eigenen Bett. Nun schmiedet er neue Pläne.
Kehl - Auenheim
18.11.2018
Ferienspaß-Organisatorin Claudia Heidt berichtete am Donnerstag auf der Auenheimer Ortschaftsratsitzung von den gelungenen Betreuungsangeboten diesen Sommer, brachte aber auch Unmut und Unverständnis über vorgebrachte Kritik zum Ausdruck.
Kehl
18.11.2018
Am Donnerstag hatte der Verein »Courage« zu seinem alljährlichen Präventionsabend in die Villa Riwa geladen. Über die Hintergründe von #me too referierte Claudia Winker vom Freiburger Verein Frauenhorizonte – Gegen sexuelle Gewalt.
Willstätt
17.11.2018
Willstätt bekommt einen Eigenbetrieb »Baulandentwickung«. Der Gemeinderat fasste am Mittwoch den entsprechenden Grundsatzbeschluss. 

Das könnte Sie auch interessieren

Nachts Auto zu fahren strengt die Augen an – für Brillenträger kommen oft noch weitere Sichteinschränkungen dazu. Dagegen gibt es jetzt aber spezielle Gläser.
Dunkle Jahreszeit
15.11.2018
Im Herbst und Winter kann es für Autofahrer auch mal ungemütlich werden, denn Wetter- und Lichtverhältnisse sorgen für eine schlechte Sicht. Besonders für Brillenträger wird das unter Umständen zum Problem. Spezielle Autofahr-Brillengläser schaffen hier aber Abhilfe.
Anzeige
Weltgrößtes Adventskalenderhaus
14.11.2018
Bereits seit mehr als 20 Jahren erweist sich das Gengenbacher Rathaus in der Adventszeit als magischer Anziehungspunkt: Es verwandelt sich mit seinen 24 Fenstern in das weltgrößte Adventskalenderhaus. Diesmal werden erneut Bilder von Andy Warhol präsentiert. 
Anzeige
Café Räpple in Bad Peterstal-Griesbach
09.11.2018
Ob im Stehen oder im Sitzen, mit Bier oder Wein – Tapas sind leckere Häppchen, die in gemütlicher Atmosphäre am besten schmecken. Genau das bietet das Café Räpple am 21. November mit einem ganz besonderen Schwarzwald-Tapas-Abend mit Gerichten aus eigener Herstellung.
Anzeige
Fachgeschäft in Offenburg
07.11.2018
Ob in der Arbeit oder zu Hause - einen Großteil des Tages verbringen viele Menschen mit Sitzen. Doch Sitzen ist nicht das Gesündeste für den Rücken. Rückenschmerzen sind die Folge. Und so ist es besonders wichtig, auf eine möglichst rückengerechte Haltung zu achten. "Rückengerecht leben" bietet als...
Anzeige