Mehrnousch Zaeri-Esfahani erzählt

Vortrag: Vertrieben aus dem Paradies der Kindheit

Autor: 
Uli Hillenbrand
Lesezeit 3 Minuten
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17. Februar 2020

Die iranische Autorin Mehrnousch Zaeri-Esfahani hat am Einstein-Gymnasium vergangene Woche von ihrer Kindheit und ihrem Weg von Iran nach Deutschland erzählt. ©Uli Hillenbrand

Mehrnousch Zaeri-Esfahani braucht keine Kamera, um Eindrücke ihrer Kindheit zu zeigen. Alleine mit ihren Worten und Erzählungen malt sie Bilder aus der Erinnerung, die eine große Zuhörerschaft bannen können. 

Geboren 1974 im Iran hat Mehrnousch Zaeri-Esfahani sowohl die Herrschaft des Schahs als auch die islamische Revolution als Kind erlebt. Vor den Achtklässlern des „Einsteins“ stehend, die ihre autobiografische Erzählung „33 Bogen und ein Teehaus“ im Unterricht gelesen haben, erzählt Zaeri-Esfahani vom Königreich ihrer Kindheit.

Ihr Familienname weist bereits auf ihren Geburtsort hin: In Isfahan besucht Zaeri-Esfahani aufgrund der aufziehenden politischen Unruhen keinen Kindergarten. 

„Königin des Gartens“

Stattdessen kann sie im milden Klima fast ganzjährig als „Königin des Gartens“ herrschen. Zu ihrem Reich gehören damals riesige Gottesanbeterinnen in einem Dach aus Trauben, die so groß sind, dass sie dem Mädchen wie „richtige Tiere“ erscheinen. Zu den Bewohnern des kleinen Paradieses gesellen sich auch zahlreiche Katzen, die hier Asyl finden vor wilden Hunderudeln.

Im Iran selbst klammert sich derweil der Schah, der „Herrscher der Herrscher“, mit seiner Familie an den Pfauenthron, bewundert von dem Mädchen: „Die Paläste, die Kronen, die Kleider habe ich so gerne gemalt.“

Zaeri-Esfahanis Vater, ein wohlhabender Arzt und Chirurg, bekommt dagegen durch seine Arbeit in der Armenpraxis am Abend ein düsteres Bild zu sehen.

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Die aufflammenden Proteste gegen den Schah wirken auf das Kind wie Sommerferien, denn plötzlich sind die Brüder nicht mehr in der Schule und der Vater nicht mehr bei der Arbeit. Die Menschen versammeln sich in Isfahan auf dem zentralen „Königsplatz“. 

Unter ihnen auch die junge Mehrnousch Zaeri-Esfahani: „Ich habe die Revolution auf den Schultern meines Vaters erlebt und gesehen. Ein Menschenmeer ohne Ende, nur ein Horizont.“ Nachts steigen die Demonstranten auf die flachen Dächer Isfahans: „Chomeini zum Führer“, brüllen auch die Kinder. Für Zaeri-Esfahani ist der Revolutionsführer zunächst ein liebenswerter alter Mann, „so eine Art Dumbledore als Orientale“. 

Zeit der Verbote

Bald jedoch verwandelt sich auch dieses Bild. In der Phantasie des Mädchens färben sich seine Augen gelb und sein Bart blutrot. Es beginnt eine neue Zeit, die für das Kind geprägt ist von zahllosen Verboten, von Unfreiheit und Ängsten. Neue Hunderudel streifen durch die Straßen in Form von Revolutionswächtern, denen man nicht mehr in die Augen sehen darf.

Kindlicher Blickwinkel

Mehrnousch Zaeri-Esfahani erzählt an diesem Morgen auch von den weiteren Stationen ihres Weges, der schwierigen Ausreise 1985 in die Türkei und über die DDR in die Bundesrepublik.

Wie in ihrer Erzählung versteht es die Autorin so, ihren Zuhörern eindrucksvoll die damaligen Erlebnisse aus dem kindlichen Blickwinkel nahezubringen, mit allen Schrecken und Freuden und der kindlichen Kraft, sich auf Neues einzulassen und die Bilder in sich zu bewahren.

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