Geschichte

Vor 100 Jahren: Besuch des französischen Ministerpräsidenten

Autor: 
Patrick Schlenz
Lesezeit 3 Minuten
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06. November 2019

(Bild 1/2) Am 5. November 1919 überquerte der damalige französische Ministerpräsident Georges Clemenceau (Mitte, mit Schlapphut und Schnauzbart) zu Fuß mit seiner Delegation die Rheinbrücke, auf der aufgrund der französischen Besetzung der badische Greif dem gallischen Hahn hatte weichen müssen. ©Archiv Patrick Schlenz

Georges Clemenceau, 1919 französischer Ministerpräsident, besuchte das von Frankreich besetzte Kehl am 5. November 1919. Er wollte sich bei diesem Besuch anscheinend einen Überblick über die Situation des Brückenkopfes in Kehl verschaffen. Dabei besichtigte er auch die Verteidigungsanlagen rund um Kehl.

Über den Besuch von Clemenceau gibt es nur wenige Quellen. Die amerikanische Zeitung „The evening independent“ berichtet, dass Clemenceau die Rheinbrücke zu Fuß überquerte und dabei auf den neuen Gallischen Hahn auf der Brücke verwies, der den Badischen Greif ersetzt hatte.

Zu den anwesenden Journalisten soll er laut dieses Artikels gesagt haben, dass sie nun Bilder machen sollen, die ihn und den „alten Vogel“ auf den Fotos zeigen. 

Als Clemenceau beim Herunterschauen von der Brücke auf die Kehler Eisenbahnschienen sah, dass dort voll beladene Eisenbahnwaggons mit Kohle standen, sagte er zum mitgereisten französischen Minister für öffentlichen Verkehr und Transport, Albert-André Claveille: „Ich möchte keine Beschwerden der Pariser Bevölkerung mehr hören, wenn es um die Kohleversorgung geht!“

Als der Minister nicht antwortete, sagte Clemenceau zu den Journalisten: „Schicken Sie ein Telegramm an Ihre Zeitungen nach Paris und informieren Sie die Leser, dass in Kehl Unmengen von Kohle stünden und Minister Claveille diese nicht transportieren möchte!“

Eine Kehler Begrüßungs-Delegation, bestehend aus Amtsvorstand Wilhelm Schindele, Bürgermeister Gustav Weis und einem Gemeinderat, behandelte er sehr schroff. Schließlich winkte er die Delegation zu sich. Er bedankte sich sehr förmlich für die überbrachten Wünsche und gab den Herren, die sich tief verneigten, schließlich die Hand.

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Die Badische Regierung wurde über diesen Besuch von Geheimrat Holderer telefonisch informiert.

Das Offenburger Tageblatt berichtete am 15. November 1919 ergänzend, dass die Bevölkerung des Hanauerlands dem Besuch fern geblieben sei. Weiter heißt es in dem Bericht: „Auf die Fragen Clemenceaus, ob die Girlanden und Willkommengrüße ihm gälten, wurde dem Tiger von Frankreich bedeutet, dass diese den aus Gefangenschaft heimkehrenden Kriegern gewidmet seien. Ein Bravo unsern edlen und deutschdenkenden Hanauern!“

Die rund um Kehl angelegten Forts wurden bis zum Abzug der französischen Besatzungsmacht 1930 zerstört. Im Jahre 1926 begannen die Sprengungen der Forts. Grundlage dafür war Artikel 180 des Versailler Vertrags.

Während der Friedenskonferenz in Versailles trat Georges Clemenceau als unversöhnlicher Gegner der Deutschen auf. Ihm war daran gelegen, Frankreich durch eine größtmögliche Schwächung Deutschlands zu schützen. Dabei forderte er die Abtretung des Saarlands, des Rheinlands sowie Elsass-Lothringens.

Außerdem warb er für umfangreiche Reparationen, die Deutschland erbringen sollte: „L’Allemagne paiera“, „Deutschland wird bezahlen“, war sein Credo.

Bei seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem Deutschen Reich muss man berücksichtigen, dass Clemenceau bereits den Krieg 1870/1871 erlebt hatte und seitdem von Revanche-Gedanken geprägt war. Mit seiner Friedenspolitik wollte er Deutschland als Aggressor gegen Frankreich für immer ausschalten, was jedoch durch englische und amerikanische Interessen untergraben wurde.

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