Willstätt - Hesselhurst

„Waldseewichtel“ Hesselhurst stehen vor dem Aus

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26. März 2020

Die Großtagespflege „Waldseewichtel“ in Hesselhurst steht vor dem Aus. Ende April soll der Betrieb eingestellt werden. Grund: Die Nachfrage ist zu gering.

Mit viel Hoffnung war das Projekt „Großtagespflege Waldseewichtel“ im Sommer vergangenen Jahres an den Start gegangen. Schließlich sind Kita-Plätze, gerade auch solche für Kinder ab dem 1. Lebensjahr, auch in Willstätt knapp, und die Erweiterung bestehender Einrichtungen kostet Geld und ist nicht so ohne weiteres umsetzbar. Da sollte das Kindertagespflege-Projekt Entlastung bringen. Nach intensiver Suche fanden die Verantwortlichen des Tagesmüttervereins Kehl-Hanauerland und der Gemeinde Willstätt im Jugendtreff Hesselhurst, der damals nicht mehr genutzt wurde, eine passende Bleibe – und nach einigen Umbauarbeiten konnten die „Waldseewichtel“ Anfang Juli 2019 dort den Betrieb aufnehmen.

Doch nach nur einem Dreivierteljahr steht das Projekt nun vor dem Aus: Ende April soll Schluss sein. Grund: Die Nachfrage ist zu gering.

Maximal zu viert

Sieben Kinder von 1 bis 3 Jahren konnten in Hesselhurst montags bis freitags von 7.30 bis 15 Uhr betreut werden. Doch selbst in besten Zeiten waren es nicht mehr als vier, berichtet die Vorsitzende des Tagesmüttervereins, Margot Wohlbold-Melet. Derzeit sind es nur zwei oder drei – und das bei zwei Tagespflegekräften und einer zusätzlichen Urlaubs- und Krankheitsvertretung. Eine Schließung stand daher schon länger im Raum. Derzeit ist die Einrichtung wegen der Corona-Pandemie ohnehin geschlossen – aber damit hat das Aus nichts zu tun.

„Es tut uns unendlich leid“

„Es tut uns unendlich leid“, ist Wohlbold-Melet ratlos. „Ich habe nur positive Rückmeldungen von den Eltern der betreuten Kinder gehört.“ Außerdem habe man mit dem Kindergarten in Hesselhurst gut zusammengearbeitet. Und auch von der Gemeindeverwaltung gab’s keine Klagen.

Zu den Gründen für die fehlende Akzeptanz kann sie nur mutmaßen. Ob’s an den Öffnungszeiten lag? Die bestehende Regelung sei Wunsch der Gemeinde gewesen, sagt Wohlbold-Melet. Sie gibt aber auch zu, dass eine Stunde länger besser gewesen wäre. „Frauen, die voll arbeiten müssen, ist damit nicht gedient.“ Auch sei es Wunsch der Verwaltung gewesen, nur Kinder aus der Gemeinde Willstätt aufzunehmen – und das, obwohl Plätze frei waren. 

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Kompliziertes Abrechnungssystem

Ein weiterer Grund mag das komplizierte Abrechnungssystem gewesen sein, glaubt Willstätts Hauptamtsleiter Andreas Leupolz. Zwar gibt es für die Eltern auch Zuschüsse vom Kreis, deren Höhe ist aber teilweise einkommensabhängig. Zwar hat der Kreis die Tagespflege vor einigen Jahren finanziell besser ausgestattet, doch noch immer ist Kindertagespflege etwas teurer als ein Kita-Platz. Insgesamt seien die Kosten für die Betreuung „für die meisten Eltern schon verkraftbar“, glaubt Wohlbold-Melet. Die Tagespflege in Kehl sei ja auch ausgebucht. 

15 000 Euro für Personal 

Und schließlich hat der Tagespflegeverein auch Kosten. So waren die betreuenden Tagesmütter beim Verein fest angestellt. „Wir haben etwa 15 000 Euro Personalkosten pro Monat“, rechnet Wohlbold-Melet vor. „Das muss man erstmal stemmen.“

Die Gemeinde Willstätt trug nach Angaben von Andreas Leupolz die gesamten „Abmangel“-Kosten – also das Defizit, das beim Gegenrechnen von Einnahmen und laufenden Kosten übrig bleibt. Außerdem finanzierte sie den Umbau und trug die Kosten für Wasser, Heizung und Strom. „Wir haben das nicht zum Spaß gemacht“, so Leupolz. Aber „wir haben natürlich auch damit gerechnet, dass die Plätze ausgelastet sind“. Zuletzt betrug das Defizit laut Wohlbold-Melet rund 3500 Euro im Monat. Nun hat die Gemeinde die Reißleine gezogen.

Man habe alles getan, um für eine bessere Auslastung zu sorgen, beteuert Leupolz – doch das sei trotz gemeinsamer Anstrengungen nicht gelungen. Letztlich, so Leupolz, sei die Großtagespflege eine privat geführte Einrichtung, „und am Ende entscheiden die Eltern, wo sie ihre Kinder betreuen lassen“. 

Nun gelte es erst einmal, für die zuletzt noch betreuten Kinder eine Lösung zu finden. Da sei man auch im Gespräch mit anderen Einrichtungen. Da sei aber noch nichts spruchreif, so Leupolz. 
Dem Tagesmütterverein bleibt nun nichts anderes übrig als den Eltern der betreuten Kinder und auch den beiden angestellten Tagesmüttern zu kündigen. Aber „wenn jetzt noch vier Kinder kämen, könnten wir weitermachen“.

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