Kehl

Was Straßburg am Rhein vorhat

Autor: 
Elina Weil
Lesezeit 4 Minuten
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02. Oktober 2010
Das Rheinhafenviertel Straßburgs, das lange Zeit als das Armenviertel der Stadt galt, wird komplett umstrukturiert und völlig erneuert. Auch die Weiterführung der Tramlinie D über den Rhein ist vorgesehen.
Straßburg. In dem vom Nato-Gipfel gezeichneten Rheinhafenviertel Straßburgs haben vor kurzem die Bauarbeiten begonnen, die von den Bewohnern des Viertels so sehr erwartet waren. Anfang September gab die Stadtverwaltung Straßburg den ersten Bauabschnitt der Verlegung der »Route du Rhin« in Richtung Süden frei. Seitdem rollt der Verkehr von Kehl Richtung Straßburg und umgekehrt nach der Europabrücke nicht mehr durch das Straßburger Rheinhafenviertel, sondern links daran vorbei. (Wir berichteten am 4. September.) Ein weiteres aktuelles Thema ist auch das Ibis-Hotel, dessen Abriss, wie ebenfalls berichtet, Mitte September begonnen hat. Aber das ist bei weitem noch nicht alles, was sich in den kommenden Jahren im Rheinhafenviertel verändern wird. Auf der Grundlage des von der CUS, der Stadt Kehl und des Straßburger Hafens »Port Autonome« ausgearbeiteten »Zwei-Ufer-Beschlusses«, der die künftige Entwicklung in diesem Gebiet beschreibt, sollen eine ganze Reihe von neuen Anlagen und Projekten im Rheinviertel entstehen. Im Zeitraum der Jahre 2010 bis 2015 werden dort kurz-, mittel- und langfristige Projekte in Angriff genommen. Bereits im Bau sind der Hat-Trick-Fußballplatz, ein renoviertes Lebensmittelgeschäft, ein Sozialprojekt (Insertionsrestaurant), das das ehemalige Hotel »Le Rhin Français« ersetzen wird. Alle diese Projekte werden bereits im Oktober fertiggestellt sein. Gegenüber, auf der anderen Seite der Rheinstraße, ist für das Jahr 2013 die Wiedereröffnung des neu gestalteten und erweiterten »Groupe scolaire du Rhin« (Schule) vorgesehen. Die Bauarbeiten dafür sollen im Jahre 2012 beginnen. In dem selben Gebiet und nach dem selben Zeitplan ist der Neubau eines grenzüberschreitenden »Hauses der frühen Kindheit« geplant. In dieser von den Städten Kehl und Straßburg zweisprachig gewünschten neuen Einrichtung sollen jeweils etwa 30 Plätze für die Kinder aus Kehl und Straßburg zur Verfügung gestellt werden. Außerdem ist dort auch ein Gesundheits- und Dienstleistungszentrum für 2012 geplant. In diesem werden sich Büros sowie ein Sozial- und Ärzte-Zentrum, ein städtisches Gesundheitshaus und die Apotheke »Pont de l’Europe« befinden. Die Apotheke war (wie berichtet) nach dem Brand beim Nato-Gipfel vorübergehend am alten Standort wieder aufgebaut worden. Wie der neue »große« Platz verkehrsfrei gestaltet werden kann, darüber wird derzeit noch beraten. Dazu kommt noch das für 2013 geplante Projekt »Mercure« an der Stelle, wo sich früher das gleichnamige Hotel befand: etwa 350 Wohnungen, davon etwa 80 Sozialwohnungen, 113 Wohnungen in einem Seniorenheim, und weitere Wohnungen, die zum Kauf angeboten werden. Im Erdgeschoss der Anlage sind darüber hinaus etwa 200 Quadratmeter Geschäftsräume vorgesehen. Weitere Tram-Pläne Zu allen diesen Baustellen kommt noch die Erweiterung der Tram-Linie D, die im Jahr 2014 in Dienst gestellt sein soll. Der 2,9 Kilometer lange Trassenverlauf von der aktuellen Endstation Aristide Briand bis Kehl ist nach einer Untersuchung zur Stadtentwicklung im Rahmen des »Zwei-Ufer-Beschlusses« geändert worden. Nun soll die Tram nicht mehr wie ursprünglich vorgesehen entlang der ehemaligen Nationalstraße 4, sondern von Aristide Briand aus über die »Môle de la Citadelle«, das ehemalige »Starlette«-Gelände, das frühere »Coopérative«-Areal im Straßburger Hafen mitten durch das Rheinhafenviertel und über eine neue Rheinbrücke bis zum Kehler Bahnhof als Endstation führen. Zusätzlich zu diesen feststehenden Projekten, zu denen aus Kehler Sicht die Tramverbindung über den Rhein derzeit nicht gehört, wird in Straßburg auch noch über andere Projekte diskutiert. So sind etwa 100 moderne Wohnungen und ein kleinerer Supermarkt nördlich von der Sainte Jeanne d’Arc-Kirche im Gespräch. Es ist auch die Rede von grenzüberschreitenden Projekten wie eine Schwimmhalle, deren Standort noch unsicher ist, und sehr langfristig sogar über eine grenzüberschreitende Oper, die die nicht zu renovierende Rheinoper am Broglie-Platz in Straßburg ersetzen könnte. Bei einem weiteren Diskussionsforum, das am Samstag, 16. Oktober, von 9 Uhr bis 14.30 Uhr in der Rheinschule im Rheinhafenviertel stattfinden wird, haben die Einwohner des Viertels, aber auch andere Interessierte die Möglichkeit, mit den Gewählten und Verantwortlichen des Viertels über die Zukunft des Quartiers zu diskutieren und eine erste Bilanz zu ziehen. Unsicher ist noch, ob es dort eine Übersetzung ins Deutsche geben wird. Stichwort Verkehrsfragen Voraussichtlich am Freitag, 26. November, wird der zweite Abschnitt der Straße fertiggestellt sein, die den Nord- und Südhafen Straßburgs verbindet. Dadurch wird der Verkehr von der Europabrücke in Richtung Straßburg wieder einfacher. Um die Rheinstraße noch mehr von Lkws zu entlasten und diese auf die neue Route zu leiten, möchte die Stadt Straßburg den Transitverkehr von Gefahrgut-Fahrzeugen und solchen mit mehr als 7,5 Tonnen verbieten. (Diese Maßnahme ist derzeit allerdings noch Thema von Gesprächen mit der Präfektur).

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