Sicherheit nicht zu gewährleisten

Weihnachtsmarkt Goldscheuer abgesagt

Autor: 
Michael Müller
Lesezeit 3 Minuten
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23. Oktober 2020

Dichtgedrängt bei Bratwurst und Glühwein – das wird es in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie bei der alten Kulturfabrik in Goldscheuer nicht geben. Der Weihnachtsmarkt wurde abgesagt. ©Matthias Rosa

In Goldscheuer wird es in diesem Jahr keinen Weihnachtsmarkt geben. Dies wurde auf dem jüngsten Treffen der Ortsverwaltung mit Vertretern der Vereine bekannt.

Der Weihnachtsmarkt in Goldscheuer, der traditionsgemäß immer am dritten Adventswochenende auf dem Areal rund um die „Kulturfabrik“ stattfindet, gilt als einer der schönsten Weihnachtsmärkte in der Region Kehl. In diesem Jahr jedoch werden die Menschen im Kehler Süden und von außerhalb auf das vorweihnachtliche Vergnügen verzichten müssen. 

Schuld sind die aufgrund der Corona-Pandemie vom Land erlassenen Infektionsschutzbestimmungen, so Ortsvorsteher Richard Schüler. Dies gilt erst recht, nachdem das Land aufgrund der rasant steigenden Zahl positiv Getesteter und des „diffusen Infektionsgeschehens“ die dritte und höchste Corona-Warnstufe beschlossen hat. „Wir haben damit gerechnet, dass die Bestimmungen verschärft werden“, so Schüler. 

Demnach gilt für Veranstaltungen eine Obergrenze von 100, für Kulturveranstaltungen von 500 Teilnehmern. Wo der Abstand von 1,50 Metern nicht sicher eingehalten werden kann, sind Alltagsmasken zu tragen. „Der Platz ist schlicht zu klein“, sagt Hans Roser, Vorsitzender des Vereins für Heimatpflege Goldscheuer. „Und Masken zu tragen ist ja auch keine Option. Die Leute wollen ja schließlich auch was essen und trinken.“ Auch müssten Veranstalter ein mit dem zuständigen Gesundheitsamt abgestimmtes Hygienekonzept vorlegen, und die Kontaktnachverfolgung müsste sichergestellt sein. „Wie soll das gehen?“, fragt Roser. „Die Vereine müssten ja sozusagen Ordnungshüter spielen. Die Leute bleiben ja nicht an einem Ort stehen, sondern sie wechseln hin und her. Wie soll man da feststellen, wer wann mit wem Kontakt hatte?“ Das alles sei für die Vereine, die ja die einzelnen Verkaufshütten und Verpflegungsstände betreuen, nicht leistbar. „Die Risiken für Veranstalter sind einfach zu groß“, resümiert Schüler. 

„Lohnt sich nicht“

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Es habe auch schon vereinzelt Absagen gegeben, berichtet Schüler weiter. Beispiel Musikverein: Der bewirtet traditionell im Gebäude der „Kulturfabrik“ selbst. Er könnte nur einen kleinen Teil der sonst üblichen Tische aufstellen. Unter diesen Umständen lohnt sich für ihn eine Teilnahme schlichtweg nicht. Und auch das Rote Kreuz sah sich laut Schüler nicht in der Lage, unter den gegebenen Umständen für die Sicherheit der Besucher zu sorgen. 

Für die Absage hätten die Vereinsvertreter bei der jüngsten Besprechung mit der Ortsverwaltung in der „Kulturfabrik“ denn auch Verständnis gezeigt, so Schüler. Auch Alternativen, etwa weniger Verkaufsbuden, seien unrealistisch.

Und letztendlich, so Hans Roser, „machen“ die Besucher ja sozusagen nicht zuletzt auch selbst den Markt: Sie bringen sich allein durch ihr Kommen ein und sorgen so für die harmonische und heimelige Atmosphäre, für die der Goldscheuerer Markt bekannt ist. Aber man könnte den Leuten in diesem Jahr nicht den Markt bieten, den sie gewohnt sind. „Wer weiß, ob unter diesen Umständen überhaupt Leute kommen würden?“

Stattdessen wird es diesmal nur am Weihnachtsmarkt-Sonntag, 13. Dezember, einen Christbaumverkauf geben. Dazu wird der Musikverein Goldscheuer Weihnachtslieder spielen. Auch sollen die Kinder wieder ein kleines Weihnachtsgeschenk bekommen. Allerdings: Der Nikolaus wird es ihnen nicht persönlich überreichen können.

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