Ortschaftsrat Querbach

Weiter Ärger um Schülerbeförderung

Autor: 
Nina Saam
Lesezeit 3 Minuten
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25. November 2020

Querbachs Eltern halten eine Wartezeit von 37 Minuten auf den Linienbus für Grundschüler für viel zu lang und fordern Abhilfe. ©Erwin Lang

Querbachs Eltern sind sauer: Maximal 8000 Euro würden zusätzliche Fahrten für die Grundschüler kosten, um lange Bus-Wartezeiten zu vermeiden. Die Stadt sieht sich bislang nicht in der Pflicht.

Die Frage der Schülerbeförderung treibt Querbach seit Monaten um. Das private Busunternehmen, das bisher die Schulfahrten für die Grundschüler des Ortes nach Kork übernommen hatte, hat seine Geschäftstätigkeit im Frühjahr beendet. Seitdem müssen die kleinen Querbacher mit den Linienbussen fahren, was allerdings zum Teil mit sehr langen Wartezeiten nach Schulschluss verbunden ist. 

Mehrfach sind sowohl Ortsvorsteher Heinz Haag als auch Eltern bei der Stadt vorstellig geworden. Ende September wurde ein Teilerfolg erzielt: Da die Wartezeit nach der sechsten Stunde mit 52 Minuten über der vom Kreis als zumutbar geltenden Grenze von 45 Minuten liegt, hat das Landratsamt einen zusätzlichen Bus zugestanden. 

Anders sieht es nach der 5. Stunde aus: Hier sind es derzeit 37 Minuten, die die Sechs- bis Zehnjährigen ohne Aufsicht an der Bushaltestelle an der viel befahrenen Herrenstraße warten müssen – zumutbar laut Richtlinie des Kreises. Damit liegt es an der Stadt, ob sie hier Abhilfe schaffen will. 

Stadt hält sich bedeckt

Bisher jedoch hält man sich bedeckt, was die Querbacher ziemlich wütend macht. „In Bodersweier gibt man 770 000 Euro für die Außenanlagen des Kindergartens aus und hier hat man nicht einmal 8000 Euro für die sichere Beförderung unserer Kinder übrig“, sagte Ortschaftsrat Stefan Greth auf der Sitzung am Montag.

Da die Eltern um die Sicherheit ihres Nachwuchses fürchteten, pendelten nun zum Ende der 5. Stunde gleich mehrere Eltern- und Opa-Taxis nach Kork: „Wegen Corona darf man ja nicht mal mehr drei oder vier Kinder auf einmal mitnehmen“, sagte er.

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Als „umwelt- und verkehrspolitisch völlig daneben“ bezeichnete das auch ein Vater aus den Reihen der zahlreich erschienenen Zuhörer. Er verwies darauf, dass es den Präzedenzfall, den der OB vermeiden möchte, schon längst gebe.

Damit spielte er auf eine Äußerung von OB Toni Vetrano in der September-Sitzung des Gemeinderats an, dass eine Entscheidung über die erträgliche Wartezeit für alle Ortsteile gelten müsse. „Die Kinder, die die verlässliche Grundschule in Leutesheim besuchen, werden nach Schulschluss nach Auenheim gefahren“, sagte er. „Das zahlt auch die Stadt, obwohl da halbstündlich ein Linienbus fährt.“ 

Als eine „Frechheit“ bezeichnete er die Aussage des OB, dass es bisher keine Anträge zu dem Thema gegeben habe, weshalb es auch noch nicht auf der Tagesordnung des Gemeinderats stehen konnte.

„Der Gemeinderat muss endlich Farbe bekennen, er kann sich nicht ständig raushalten“, sagte auch Ortsvorsteher Heinz Haag. „Die Frage ist doch: Was sind uns unsere Kinder wert?“ Zumal auch die Frage nach der Sicherheit und der Haftung im Raum stehe. „Wer ist verantwortlich, wenn etwas passiert?“

Auf die Tagesordnung

Einstimmig plädierte der Ortschaftsrat dafür, dass die Grundschüler nicht länger als 20 Minuten in Kork auf den Bus warten sollten – zumal der Linienbus wegen der vielen Baustellen oft unpünktlich sei. Das Gremium will nun den Antrag stellen, dass die Stadt die Kosten für einen zusätzlichen Bus nach der fünften Stunde übernimmt – und dass das Thema im Gemeinderat endlich offiziell behandelt wird. 

Unabhängig davon solle die Diskussion um die Schülerbeförderung auch auf Kreisebene angestoßen werden. „Wir preschen vor in einem Thema, das auch andere Orte in der Ortenau betrifft“, sagte Heinz Haag. „Die 45 Minuten, die der Kreis als Grenze angibt, müssen überprüft werden.“

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