Kehl

Wie es dem Kehler Wald geht

Autor: 
Silke Keil
Lesezeit 4 Minuten
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07. Mai 2021
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Kehler Revierleiter Markus Gutmann bei der Wurzel einer umgefallenen Roteiche im Korker Wald.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Kehler Revierleiter Markus Gutmann bei der Wurzel einer umgefallenen Roteiche im Korker Wald. ©Silke Keil

Hitze und Trockenheit - der Klimawandel macht in Deutschland dem Wald zu schaffen. Auch dem Kehler Wald? Wir haben mit Förster Markus Gutmann gesprochen.

Landauf landab stöhnen die Waldbesitzer: Die Bäume sterben – und sie sterben vielerorts schneller, als man sie aus dem Wald transportieren kann. Dabei trifft es alle Arten, die in Deutschland heimisch sind: Buchen, Eichen, Tannen, Edel- und Rosskastanie, Erlen, Linden oder Ahorn, ganz besonders aber die Fichte, die weder Hitze noch Trockenheit verträgt. Nach drei Dürrejahren zeigt sich deutlich: Der deutsche Wald ist an seine Grenzen gestoßen.

„Der aktive Waldumbau ist in aller Munde“, sagt Markus Gutmann, Revierleiter in Kehl. Die meisten verständen darunter aber etwas Falsches: „Sie glauben, dass man die Bäume einfach durch trockenresistentere ersetzen muss und alles wäre gut.“ Ganz nach dem Motto: Baum raus, neuer rein, wie bei Blumen im heimischen Garten. Doch erstens ist das nicht so einfach wie bei Blumen, zweitens geht die Rechnung auch nicht auf.

Erschwerte Anpassung

Der Förster zeigt es am Beispiel einer umgestürzten Rot-eiche. Die Gastbaumart aus Nordamerika mit ihrem farbenfrohen Herbstlaub wurde vor über 400 Jahren in Deutschland eingeführt. Sie wächst schnell, ist sturmfest und stressresistent, auch gegen Trockenperioden. Perfekt angepasst an den Klimawandel, möchte man meinen – doch nur bedingt im Korker Wald.

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„Einzelne ihrer Wurzeln sind abgefault“, stellt Markus Gutmann fest. Das trifft auch andere Exemplare. „Die Rotbuche wurzelt auf vernässenden Böden flach, da sich ihre Wurzeln nicht durch nasse Bodenschichten entwickeln. Nur wenige Stränge sind in die Tiefe vorgedrungen, zu wenige, um den großen Baum zu verankern und ausreichend mit Wasser zu versorgen. Abgefault – das klingt widersprüchlich nach dem dritten Jahrhundertsommer, dem ein niederschlagsarmer Herbst und Winter gefolgt ist. Auch die Kehler Wälder sind zu trocken. Zu sehen ist das an den leeren Senken, in denen im April üblicherweise das Wasser steht. Doch die Situation ist komplizierter. „Dadurch, dass es sich hier um Flussauenwälder handelt, kommt es auch immer wieder zu Staunässe“, erläutert der Förster. Und diese vertragen viele Baumarten nicht. Es ist sogar so, dass es innerhalb einer Art Pflanzen gibt, die nasse Füße akzeptieren, während andere in Stress geraten. Um den Wald insgesamt zu erhalten, braucht es daher eine genetische Vielfalt.

Kälte ist vorteilhaft

Jetzt im Frühling sieht der Korker Wald gesund aus. Alte Bäume schenken den jungen das rechte Maß an Schatten. Und allerorts sprießt es. „Der kalte Frühling wirkt sich positiv aus“, erklärt Gutmann. Die Bäume brauchen weniger Wasser und die erste Generation der blattfressenden Insekten, wie Frostspanner oder Eichenwickler, sei geschwächt. Auf den einst kahlen Flächen, auf denen die Eschen seit 2002 durch das „Falsche Weiße Stängelbecherchen“ eingegangen sind, kommt jetzt Mischwald hoch. Selbst die Ulme breitet sich wieder aus. „Für Insekten und Vögel ist sie ein wertvoller Baum“, erklärt der Förster. Er bietet Spinnen und Insekten Schutz und den Vögeln Nahrung.

Aus Naturschutzgründen bleiben auch tote Bäume stehen sowie Kronentotholz liegen. „Die Ökologie hat in den Kehler Wäldern Priorität“, freut sich Markus Gutmann. Und das nicht erst seit den Hitzejahren. Schon früh wurde der Waldumbau umgesetzt, jedoch mehr passiv als aktiv. „Wir greifen nur schonend ein“, erklärt Markus Gutmann. „Auf die Weise wird der Wald widerstands- und auch anpassungsfähiger.“
Es ist Hilfe zur Selbsthilfe. „Am widerstandsfähigsten“, so ist der Revierleiter überzeugt, „ist ein artenreicher und standortangepasster Mischwald natürlicher Verjüngung mit freier Wurzelentwicklung und hoher genetischer Vielfalt.“ Natürlich gewachsene Bäume wurzeln tiefer als gepflanzte. Zudem brauchen sie weniger Licht, sodass alte Bäume stehen bleiben können.

Wenig Bepflanzung

Ist der Waldboden schattig, so trocknet er nicht so schnell aus. Das ist mit ein Grund, warum die Waldarbeiter Totholz mittlerweile liegen lassen. Ein weiterer Grund: Totholz ist Lebensraum und unterstützt die Selbstregulation des Waldes. „Mäuse, die darin Unterschlupf finden, tragen zum Beispiel zur Vermehrung der Eichen bei.“ Sie graben die Eicheln an Plätzen ein, wo sie in Ruhe keimen und wachsen können, dort, wo die Rehe nicht drankommen. Auch an exponierteren Orten sind Wildschäden vergleichsweise niedrig. Gutmann lobend: „Die Jagdpächter kooperieren mit uns und auch untereinander, sodass der Verbiss gering ist. Das ist ein Schlüssel zum Erfolg.“

Info

Neue Baumarten

Der Klimawandel macht vielen heimischen Baum-arten zu schaffen. Um den Wald zu erhalten, werden daher vielerorts Gewächse aus trockenen Regionen gepflanzt. Auch in der Ortenau finden Exoten eine neue Heimat, darunter Atlas- und Libanonzedern, Tulpenbäume, Hybridlärchen, Lindenblättrige Birken, verschiedene Nussarten und Leyland-Zypressen. Auch im Korker Wald experimentiert man mit Gastbaumarten – jedoch nur mit mäßigen Erfolg. So vertragen zum Beispiel Nüsse und Tulpenbäume die Staunässe nicht. Der Schwerpunkt bei der Klimastabilisierung der Wälder liegt daher nach wie vor auf heimischen Baumarten.

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