Kabarett

Wiener Schmäh im Kehler Hafen

Autor: 
Ellen Matzat
Lesezeit 4 Minuten
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21. Oktober 2019

Gabi Jecho stammt aus Wien, wohnt in Straßburg. ©Ellen Matzat

Alles dreht sich um Wien beim Kabarett-Solo-Programm, das Gabi Jecho, begleitet von der Pianistin Corinna Schneider, am Samstagabend im „Theater der 2 Ufer“ zum Besten gab.

Der waschechten Wienerin und glühenden Patriotin Gabi Jecho ist am Samstagabend vor vollem Haus beim „Theater der 2 Ufer“ in der Alten Kaffeerösterei ein äußerst heiteres und charmantes Debüt mit ihrem ersten Kabarett-Soloprogramm „Der Novak lässt mich nicht verkommen“ gelungen. In einem amüsanten Streifzug führte sie die Gäste mit Wiener G’schichten und Schmankerl, Besonderheiten sowie wundervoll gesungenen Chansons durch Österreichs Hauptstadt. 
Mit dabei hatte sie die virtuose Pianistin Corinna Schneider, die ihre heiteren, aber auch nachdenklichen Chansons begleitete und immer wieder witzig aber bestimmt Einhalt gebot, wenn sie der Meinung war, dass zum Verständnis der Gäste eine Erklärung oder Übersetzung des Wiener Dialektes von Nöten war. So half sie die „Sprachbarrieren“ zu überwinden. Die theater- und gesangserfahrene Gabi Jecho, die seit 2000 im benachbarten Elsass lebt, sammelte ihre Ideen, Geschichten, Anekdoten und Lieder schon seit vielen Jahren und präsentierte dem begeisterten Publikum die Perlen aus ihrem großen Fundus. 
Kurzweilig und unbeschwert, dabei mit viel Humor und trotzdem informativ spannte Jecho den Bogen der Wiener Seele vom Ende der Kaiserzeit bis heute. Mit köstlichen Anekdoten und persönlichen Geschichten erlaubte sie tiefe Einblicke in die Wiener Seele. Sie verstand es, Informatives und Amüsantes zu einer Tour de Force durch die neuere Geschichte ihrer Heimat zu verbinden und dabei den Humor, den Wiener Schmäh, nie zu kurz kommen zu lassen. 

Österreicher lieben Titel 

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Neben der bekannten Titelsucht der Österreicher („jeder zweite ist ein Professor“) berichtete sie von den bekannten Kaffeehäusern, dem ganzen Stolz der Wiener und zitierte Alfred Polgar („Im Kaffeehaus sitzen Leute, die allein sein wollen, aber dafür Gesellschaft brauchen“). 
Außerdem sei es der Tummelplatz der Intellektuellen und Talente, die dort oft so dicht sitzen, dass sie sich gegenseitig an der Entfaltung hindern. Wenn der Wiener nicht im Kaffeehaus seine „Melange“ trinkt, sitzt er im „Heurigen“, indem sogar er zum sozialen Wesen mutiert. 

Als „Hauptstadt des Todes“, in der nicht nur das Sterben, sondern auch das Feiern im Trauerfall derart zelebriert wird wie in keiner anderen Stadt, durfte auch der Wiener Zentralfriedhof nicht fehlen, der mit seinen 2,5 Quadratkilometren doppelt so groß ist wie Zürich, aber dafür auch zweimal so lustig. 1998 wurde dort Falco (Johann Hölzel) im Beisein 10 000 Leuten von der Rockergruppe „Outsider MC“ zu Grabe getragen. 
Auch das typisch österreichische Winterwochenende, bei dem die Familie „g’schneuzt und g’kampelt“ schon morgens zum „Hirscher schaun“ (alpiner Skirennläufer) vor dem Fernseher sitzt, wurde den Gästen nicht vorenthalten. Für einen Österreicher in Deutschland sei es nur sehr schwer erträglich, sich mit einer Zusammenfassung zu begnügen, erklärte Jecho und imitierte zur Höchstform auflaufend einen in einen Norwegerpulli gekleideten Reporter, der Hirschers Lauf ins Mikro brüllt. Die musikalische Untermalung reichte von Hermann Leopoldi vom Anfang des 20. Jahrhunderts über Cissy Kraner und Hugo Wiener aus den 60er-Jahren bis in die jüngste Vergangenheit mit Georg Kreisler und Ludwig Hirsch. 
Mit einem Zitat von Gustav Mahler („wenn die Welt einmal untergehen sollte, dann ziehe ich nach Wien, denn dort passiert alles 50 Jahre später…“) endete der gelungene Abend. Allerdings rangen die Gäste den beiden Künstlerinnen durch ihren nicht enden  wollenden Applaus noch zwei Zugaben ab. Aufnahmen aus Wien rundeten medial den kabarettistischen Ausflug in die Hauptstadt der Alpenrepublik ab. 

◼ Eine weitere Vorstellung findet am Samstag, 26. Oktober, um 20 Uhr in der Alten Kaffeerösterei (Oststraße 13) im Kehler Hafen statt. Karten gibt es im Vorverkauf für 15 Euro unter anderem bei der Tourist-Info in Kehl, • 0 78 51/88 15 55. Online sind sie bestellbar über info@theater-der-zwei-Ufer.de.  An der Abendkasse kostet der Eintritt 18 Euro.

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