Willstätt

Willstätterin kämpft für Petition gegen neue Antibabypillen

Autor: 
Klaus Körnich
Lesezeit 3 Minuten
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17. März 2016
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Felicitas Rohrer sagt: "Die Antibabypille von Bayer hat mein Leben zerstört." ©Antonia Höft

In einer Petition an den Bundestag wird gefordert, Verhütungspillen der neuen Generation vom Markt zu nehmen. Felicitas Rohrer kämpft für diese Petition. Denn 2009 hat sie eine Lungenembolie erlitten, an der sie fast gestorben wäre. Die Willstätterin sagt, dass die Antibabypille schuld war. 
 

Felicitas Rohrer war kerngesund und sportlich. Die junge Frau (damals 25) genoss ihr junges Leben in vollen Zügen. Bis zu jenem 11. Juli 2009, der ihr Leben für immer verändert: Die Willstätterin wird plötzlich ohnmächtig. Eine doppelte Lungenembolie. Herzstillstand. 20 Minuten lang. 16 Ärzte kämpfen um ihr junges Leben. Sie schneiden ihr den Brustkorb auf. Ein Arzt hält ihr Herz in den Händen und versucht es zu pumpen. Die Notoperation dauert viereinhalb Stunden. Ein Kampf gegen den Tod. Doch irgendwie schaffen die Ärzte es doch noch, die junge Frau zurück ins Leben zu holen.

Ein Leiden, ein Leben lang

Mit den Folgen des  Beinahe-Tods kämpft die Willstätterin bis heute: Sie ist körperlich nicht mehr so belastbar wie früher, kann deshalb ihren Beruf als Tierärztin nicht mehr ausüben. Sie kann keine Kinder mehr bekommen,  muss zweimal die Woche zur Lymphdrainage, und sie muss einen Kompressionsstrumpf tragen.

Schuld daran ist die Antibabypille von Yasminelle, sagt Felicitas Rohrer.  Hersteller: Bayer. »Bayer hat mein Leben zerstört«, sagt sie. Ein tragischer Einzelfall? Nein, meint die Willstätterin. Die Pillen der neuen Generationen beschäftigen Gerichte in den USA schon lange:  Zuletzt hatte der Bayer-Konzern mitgeteilt, dass er rund 9 000 Vergleiche in Höhe von 1,9 Milliarden Dollar abgeschlossen hat.

Zudem hat Felicitas Rohrer eine Selbsthilfegruppe gegründet, der ihren Angaben zufolge in Deutschland rund 300 Frauen angehören. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hatte vor zwei Jahren verkündet, dass von einigen Antibabypillen ein erhöhtes Thrombose-Risiko ausgehe und die Hersteller darauf aufmerksam machen müssten.   Dies ist inzwischen geschehen. Vor allem der Wirkstoff Drospirenon sei für das erhöhte Risiko verantwortlich, heißt es. Dies betrifft nicht nur Bayer, sondern auch andere Hersteller. Vom Markt genommen werden müssen Pillen nach Einschätzung des Bundesinstituts allerdings nicht.

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Risiko-Pillen vom Markt nehmen

Da ist Felicitas Rohrer anderer Meinung. Sie fordert, dass die riskanten Pillen der neuen Generation vom Markt verschwinden müssen. Die Pharmakonzerne sollten endlich Verantwortung übernehmen. Doch nicht nur die: »Auch die Politik muss angesichts der stetig wachsenden Zahlen der Betroffenen- und Todesfälle tätig werden.« Denn die Nebenwirkungen dieser Pillen seien mitunter lebensbedrohlich oder sogar tödlich. 

»Das unnötige Sterben muss ein Ende haben!«, verlangt sie. »Die Antibabypillen mit höherem Thromboserisiko müssen vom Markt!« Deshalb unterstützt sie die vor wenigen Tagen ins Leben gerufene Petition an den Deutschen Bundestag, die bisher mehr als 1300 Unterstützer gefunden hat. 

Es geht um Gerechtigkeit

In ihrem eigenen Fall läuft derzeit vor dem Landgericht in Waldshut-Tiengen ihr Zivilrechtsprozess gegen Bayer. Im Dezember war Prozess-Auftakt. Felicitas Rohrer kämpft hier um mindestens 200 000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld. Aber um Geld gehe es ihr nicht, versichert sie im Gespräch mit der Kehler Zeitung, sondern um Gerechtigkeit. »Es darf nicht sein, dass Bayer ungeschoren davon kommt, weil sie mir mein altes Leben genommen haben. Und weil Bayer verantwortlich ist für das Leiden von vielen Frauen und ihren Familien.« Ein Termin für die Fortsetzung ihres Pillen-Prozesses steht bislang noch nicht fest. 

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