Naturschutz

Ziegen in Kehl im Einsatz für die Natur

Autor: 
Redaktion
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25. Juni 2019

Den Ziegen schmeckt der Sundheimer Grund. ©Stadt Kehl

Die Stadt Kehl hat neue Mitarbeiter: Ziegen und Rinder betreiben derzeit Landschaftspflege im Sundheimer Grund. 

Sie fressen mit Vorliebe stachelige Brombeerranken, alles überwuchernden Efeu oder nicht heimische Pflanzengattungen wie die Amerikanische Goldrute und tragen auf diese Weise zum Erhalt einer Kulturlandschaft bei: Eine Herde Ziegen und sieben Rinder, schreibt die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung, betreiben derzeit Landschaftspflege im Naturschutzgebiet Sundheimer Grund und halten die ehemalige Streuobstwiese auf natürliche Weise von verholzten Sträuchern und krautigem Dickicht frei. Seltene Pflanzen- und Tierarten bekommen dadurch die Möglichkeit, sich wieder auf den knapp zwei Hektar anzusiedeln.
25 Burenziegen, vier  Zwergzebus und drei Galloway-Rinder gehen im Sundheimer Grund seit zwei Wochen und noch bis mindestens Anfang Juli ihrer Arbeit nach.
 
Schonende Beweidung

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»Ungefähr 15 bis 20 Arten weist das Areal derzeit auf«, schätzt Landschaftsökologe Jochen Bresch. Ziel sei, dass sich diese Zahl mit der Zeit mindestens verdopple und auf der Streuobstwiese auch wieder seltene Orchideenarten wie das Helmknabenkraut oder Stauden wie die Wiesenflockenblume zu finden seien. Würde man die Fläche einfach mähen, könnten die dominanten Pflanzen schnell nach oben wuchern. 
Seltene Arten, die häufig konkurrenzschwach seien und viel Licht bräuchten, stünden dann wortwörtlich im Schatten der unerwünschten Gewächse und hätten keine Chance zu wachsen. Die Ziegen und Rinder dagegen hielten die Fläche frei, indem sie die unerwünschten Pflanzen schwächen. Gleichzeitig sei diese Form der Beweidung auch am schonendsten für die Tierwelt. 

»Die gewöhnliche Mahd schneidet alles auf einmal weg und beseitigt so beispielsweise auch Ameisenhaufen und kleine Wurzelstöcke, in denen Insekten leben«, bestätigt die städtische Umweltreferentin Sarah Koschnicke. Für die Tierwelt so wichtige Totholzstapel müssten zudem vorher weggeräumt werden, damit der Mäher durchkomme. Vögel und Insekten würden dadurch auf einen Schlag Nahrung und Rückzugsort genommen. Ganz im Gegensatz zur Beweidung. »Die Tiere fressen um die Holzstapel herum und zupfen praktischerweise sogar die Pflanzen im Inneren heraus«, sagt Bresch. Wolle man dort den gleichen naturschützerischen Wert halten, müsse man diese sonst aufwändig mit der Hand entfernen, damit sie das Holz nicht nach und nach komplett überwucherten. Außerdem ließen die Rinder und Ziegen überall kleine Weidereste stehen, sodass die Tierwelt ausreichend Ausweichfläche habe. Mit etwas Glück könnten sich in dem Naturschutzgebiet so auch wieder seltene Vogelarten wie der Wendehals oder der spektakulär aussehende Wiedehopf ansiedeln. »Der Gartenrotschwanz hat die Weide schon entdeckt und brütet in einem der Nistkästen«,sagt Bresch. Bei seinen Rundgängen über das Gelände hält der 53-Jährige regelmäßig Ausschau nach weiteren Neuankömmlingen, auch wenn er weiß, dass es noch einige Jahre dauern kann, bis sich die Tier- und Pflanzenwelt komplett regeneriert hat. »Ich muss mir die Fläche ja sowieso anschauen und überprüfen, wie lange die Weide noch Futter bietet«, erklärt er. Der passionierte Landschaftsökologe oder einer seiner Mitarbeiter sieht jeden Tag nach seinen Tieren, um sicherzugehen, dass es ihnen an nichts fehlt und alle wohlbehalten sind. »Als erstes zählen wir immer durch, die Ziegen sind ziemlich findig im Ausbüchsen«, lacht er.  

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