Offenes Werkstor

Zu Besuch beim Wohnmobil-Hersteller Bürstner

Nina Saam
Lesezeit 3 Minuten
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02. August 2018
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(Bild 1/5) Einblick: Bei der Besichtigung der Produktionshallen musste Fertigungsleiter Tom Kühl (weißes Hemd) buchstäblich so manche Plane lüften, um Einblick in die Betriebsabläufe zu gewähren. Nur eine Handvoll Mitarbeiter sind noch mit Wartungsarbeiten beschäftigt, der Rest der 155 Beschäftigten weilt im Sommerurlaub – Bürstner hat Betriebsferien. ©Christoph Breithaupt

Unerwartet ruhig war es in den großen Produktionshallen von Bürstner, als die Teilnehmer der Aktion Offenes Werkstor zu Besuch waren. Kein Wunder: Gerade haben die fünfwöchigen Betriebsferien begonnen. So konnte man zwar nicht die laufende Produktion sehen, dafür aber überall ganz nah rangehen.

Die meisten Kehler kennen den Bürstner-Stammsitz in Neumühl und die langen Reihen der Wohnmobile an der Hafenzufahrt Ost, die unter Hagelschutznetzen auf ihre Abholung warten. Gefertigt werden die »Womos« made in Kehl aber in der Weststraße. Das dortige Werksgelände, auf dem früher das Holzwerk Danzer ansässig war, umfasst 84 000 Quadratmeter. Vor kurzem erst hat Bürstner die Produktionsabläufe umgestellt und neue, moderne Fertigungsstraßen installiert. 155 Mitarbeiter haben in der Saison 2016/17 knapp 7800 Fahrzeuge hergestellt.
Herzstück der Produktion ist das Fertigungsband, das aus vier Plattenbändern mit drei Übergangsstationen besteht. An insgesamt 18 Stationen werden immer neue Elemente zu dem von Fiat stammenden Chassis hinzugefügt, bevor das fertige Wohnmobil den Argusaugen der Endkontrolle standhalten muss. Dahinter steckt eine ausgeklügelte Logistik: Alle 30 Minuten rückt das Fahrzeug eine Station weiter, weshalb die Arbeitsabläufe so optimiert wurden, dass jede Station in einer halben Stunde zu bewältigen ist. »Jeder Mitarbeiter hat einen Knopf, den er betätigen muss«, erläuterte Fertigungsleiter Tom Kühl bei dem Rundgang durch die Produktionshalle. »Erst wenn alle gedrückt haben, rücken die Fahrzeuge jeweils um eine Station weiter.« 

Alles, was länger als eine halbe Stunde dauert, kommt in eine separate Fertigungslinie. Hier und in der Vormontage werden die einzelnen Elemente der Wohnmobile zusammengebaut, zum Beispiel der Unterboden mit allen Rohren und Kabeln oder der Küchenblock mit Elektrogeräten und den Anschlüssen für Strom und Wasser. »Wir haben viel in die Vorfertigung gelegt, damit so wenig Mitarbeiter wie möglich am Fahrzeug direkt arbeiten müssen«, erklärte Tom Kühl. Der Grund ist einfach: Je mehr Leute am Fahrzeug herumwerkeln, desto größer ist die Gefahr, dass bei der Montage etwas beschädigt werden kann – zum Beispiel durch herunterfallendes Werkzeug oder auch nur ein Steinchen im Profil der Schuhsohle.  

20 Leser

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Damit an jedem Arbeitsplatz die richtigen Bauteile in ausreichender Menge vorhanden sind, zirkulieren unablässig zwei Routenzüge durch die Produktionshallen und tauschen leere gegen volle Bauteil-Wagen aus, von denen es jeweils einen aktiven und einen passiven gibt. Aus dem aktiven Wagen entnehmen die Mitarbeiter das Material, der dahinterstehende passive ist die Reserve. Sobald dieser nach vorne rutscht, wird ein neuer voller Wagen angeliefert. 

Im Planungsbüro, das auf den ersten Blick wie ein Spielzimmer aussieht, konnten sich die 20 KEZ-Leser eine Vorstellung davon machen, welch eine Tüftelei hinter den neuen Fertigungsabläufen steckt. Mittels Playmobil-Männchen und -Wohnmobilen sind auf einem riesigen Tisch alle Produktionsschritte dargestellt: »Wenn Sie damals ein Playmobil-Wohnmobil für ihre Enkel kaufen wollten, hatten Sie Pech«, lachte der Fertigungsleiter. »Wir haben alles aufgekauft.« Jedes Männchen steht für einen Mitarbeiter, der nach einem genauen Zeitplan seine Arbeit zu erledigen hat. Rund neun Monate hat es gedauert, die Abläufe auszuarbeiten – mit Erfolg: Manche Fahrzeugmodelle können nun in der Hälfte der Zeit gefertigt werden. 

Rund 3500 Teile, vom Abwassertank bis zur kleinsten Schraube, stecken in einem Bürstner-Wohnmobil. Die Möbelteile – fertig zugeschnittene und vorgebohrte Platten – kommen aus dem Bürstner-Werk Wissenbourg und werden in der Vorfertigung mit vielen kleinen nummerierten Verbindungsteilen zusammengebaut. Da kommt IKEA-Feeling auf. Nach der Zusammenpuzzelei an den 18 Stationen und der Endkontrolle wird jedes Wohnmobil noch ausgiebig geduscht – um zu sehen, ob es dicht hält.
 

Hintergrund

Historie

  1924: Der knapp 30-jährige Schreinermeister Jakob Bürstner eröffnet in Neumühl eine Bau- und Möbelschreinerei.
  1955: Der Schwerpunkt wird auf Innenausbauten und Möbelfertigung gelegt. Jakob Bürstner bekommt viele Aufträge von der Deutschen Bahn, um Bahnhöfe und Dienstwohnungen auszustatten.
  1958: Jakob Bürstners Sohn Gerhart entwickelt den ersten Wohnwagen.
  1973: Bürstner wird eine GmbH.
  1976: Produktionserweiterung durch Zukauf des Werkes in Wissenbourg, das fortan die Möbel für die Wohnwagen herstellt.
  1985: Mit 17 000 Einheiten ist Bürstner der größte Wohnwagen-Hersteller in Europa.
  1986: Bürstner steigt in den Bau von Wohnmobilen auf der Basis von Fiat-Modellen ein.
  1998: Die Bürstner GmbH wird von der Hymer-Firmengruppe übernommen.
  2004: Das neue Service-Center in Neumühl mit Ausstellungshalle und Kundendienst-Werkstatt wird eingeweiht.

Info

Wussten Sie, ....

  ...dass Bürstner an seinen drei Kehler Standorten 694 Mitarbeiter hat, aber nur 155 in der direkten Produktion arbeiten?
  ...dass früher an kontinuierlich laufenden Fließbändern gearbeitet wurde und die Arbeiter während der Montage mitlaufen mussten?
  ...dass sämtliche Polster von nur vier Mitarbeiterinnen bezogen werden, und zwar auf individuellen Kundenwunsch?
  ...dass Bürstner Wohnmobile in 27 Länder verkauft, darunter auch nach China, Japan und Neuseeland?
  ...dass etwa 50 Prozent aller Mitarbeiter in der Produktion aus Frankreich kommen?
  ...dass die Wohnmobile und Wohnwagen nicht direkt an den Endkunden abgegeben, sondern über ein Netz von 350 Händlern vertrieben werden?

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