Kehl

Zu Hause Gemeinschaft spüren

Autor: 
Jürgen Lorey
Lesezeit 4 Minuten
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31. Dezember 2013
Bei Plätzchen und Tee kommt man sich näher: Wenn Fabienne Lorey und ihre vier Gäste Maria, Lotta, Malin und Nora abends noch zusammensitzen, wird viel gelacht.

Bei Plätzchen und Tee kommt man sich näher: Wenn Fabienne Lorey und ihre vier Gäste Maria, Lotta, Malin und Nora abends noch zusammensitzen, wird viel gelacht. ©Jürgen Lorey

Viele Menschen in und um Kehl haben derzeit Teilnehmer des Taizé-Jugendtreffens bei sich zu Gast. Auch unser Mitarbeiter Jürgen Lorey. Seine Gäste standen ihm Rede und Antwort: Wie denken sie über »Gott und die Welt«? Und was erhoffen sie sich vom neuen Jahr?

Gastgeber für junge Pilger aus ganz Europa gesucht!« Für meine Frau Fabienne und mich war schon lange vor der Ende September gestarteten Quartiersuch-Kampagne für das Taizé-Treffen hier in der Region klar, dass wir zwei oder drei junge Christen fünf Tage aufnehmen wollen. Wir beide haben Taizé vor fast 30 Jahren kennengelernt: Meine Frau war  während ihres Studiums in Caen mehrere Male in der ökumenischen Brüdergemeinschaft in dem kleinen Dorf in Burgund; ich war einmal mit der Katholischen Jugend aus meinem Heimatort in Unterfranken als Gymnasiast dort und ein weiteres Mal zusammen mit meiner Frau. Die Gemeinschaft, das Miteinander von jungen Christen ganz unterschiedlicher Nationen hat uns so gut gefallen, dass wir nun jungen Leuten ebenfalls diese Gelegenheit zum Kennenlernen mit unserem Quartier bieten wollten.

Da wir beide im Vorbereitungsteam für die Empfangsgemeinde St. Maria in Kehl mitarbeiten, hatten wir uns auf junge Gäste aus Polen, der Ukraine oder Rumänien eingestellt. Schließlich jedoch haben wir am Samstag bei der Quartierverteilung drei Schwedinnen aufgenommen: Maria (20), Lotta (16) und Malin (16). Sie gehören zu einer zehnköpfigen Gruppe aus einer evangelisch-lutherischen Gemeinde in Mora (Mittelschweden). Da Lotta und Malin auf ihrem Flug von Stockholm über Berlin bis zum Baden-Airport in Söllingen ihr ganzes Gepäck verloren hatten, trifft es sich gut, dass wir im Zimmer unseres ältesten Sohnes, der in Freiburg studiert, ein Bett frei haben und zwei Matratzen dazulegen können.

Die Verständigung mit den drei Schwedinnen läuft anfangs noch etwas zögerlich; die Mädchen sind von der langen Reise müde und noch etwas schüchtern. Meine Frau redet mit Lotta auf Deutsch: Lottas Mutter stammt aus dem Odenwald. Ich hingegen versuche mit den Mädchen auf Englisch zu reden, stoße aber schnell an Grenzen: Was heißt Kräutertee auf Englisch? Topfdeckel? Socken? Irgendwie verstehen die drei dann aber doch, was ich ihnen sagen will. Zur Not schlage ich im Wörterbuch nach.

Am Sonntagabend ist das Eis dann gebrochen. Nachdem Maria, Lotta und Malin mit dem Bus vom Abendgebet in Straßburg zurückgekommen sind, unterhalten wir uns noch eine Weile im Wohnzimmer, lachen viel. Begeisterung lösen bei den Schwedinnen die selbst gebackenen Plätzchen von Fabienne aus, ebenso wie die Nutella-Creme, die es zum Frühstück gibt.

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Zu den Schwedinnen haben wir noch als Nachzüglerin Nora (35) aus Frankfurt aufgenommen, die im Gästezimmer schläft. Nora war noch nie in Taizé, sie ist durch eine Freundin auf das Jugendtreffen aufmerksam gemacht worden, die ebenfalls in der Gemeinde St. Maria untergebracht ist. Maria, Lotta und Malin dagegen waren diesen Sommer mit der Jugendgruppe aus ihrer Pfarrgemeinde in Taizé gewesen und beschlossen dann, auch zum Jugendtreffen zu kommen. »Mir hat die Gemeinschaft gefallen, neue Leute aus anderen Ländern kennenzulernen, die den selben Glauben haben, ihn aber unterschiedlich leben«, sagt Maria. »Bei uns in Schweden sind die Menschen viel verschlossener als ich es in Taizé erlebt habe. Dort kann ich Energie tanken, die ein ganzes Jahr lang hält.«

Die Schwedinnen erzählen an diesem Sonntagabend von ihrer Heimat: Mora besteht aus vielen weit verzweigten Ortschaften. Katholiken gibt es nur sehr wenige in Schweden; die meisten sind evangelisch-lutherischen Glaubens. Die Zahl der Gläubigen hat aber auch dort in den letzten Jahren spürbar abgenommen. Als Fabienne Lotta eine Hose anbieten will, weil diese nur eine Legginghose anhat und noch auf ihr Fluggepäck wartet, lehnt Lotta ab: »Mir ist nicht kalt, ich ziehe bei uns bei diesen Temperaturen auch nicht mehr an.«

Und welche Neujahrswünsche haben unsere Gäste?

Nora wünscht sich mehr friedliches Miteinander in ihrer Familie und mehr gemeinschaftliche Erfahrungen wie hier beim Taizé-Jugendtreffen. Maria hofft auf eine Vollzeitstelle. Bisher arbeitet sie in Teilzeit als Floristin und macht eine Ausbildung zur Holzschuhmacherin. Außerdem wünscht sie sich, dass es in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis 2014 zu keinem Unglück kommt. In jüngster Zeit hätten ein Bruder von ihr, sie und eine Freundin jeweils einen Autounfall gehabt, eine weitere Freundin sei nach einem Unfall einige Sekunden klinisch tot gewesen.

Das Gepäck von Lotta und Malin sollte übrigens noch gestern Nachmittag (Montag) per Kurierdienst aus Straßburg geliefert werden.

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