Kinzigtal

18 ehemalige Flak-Helfer auf Spurensuche in Hausach

Autor: 
Claudia Ramsteiner
Lesezeit 3 Minuten
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25. November 2006
Freiburger Gymnasiasten waren 1944 dazu verdonnert, feindliche Jagdbomber abschießen zu müssen. Der amerikanische Pilot Albert W Pines wurde am 2. Februar 1945 abgeschossen. Seit gestern erinnert eine Gedenktafel am Feldweg oberhalb des Stadions an diesen mörderischen Unsinn.
Hausach. Sie waren 16 oder 17 Jahre alt, als sie die Schulbank an der Rotteck-Oberrealschule verlassen mussten, um für ein mörderisches Regime feindliche Jagdbomber abzuschießen. Wenn die 18 ehemaligen Flakhelfer, die sich gestern um die neue Gedenktafel am »Tannenwald« scharten, von ihrem Einsatz erzählen, denkt man unwillkürlich an den Antikriegsfilm »Die Brücke«. »2. 2. 45 1 Thunderbolt bei Hausach 2 Punkte« steht auf der Abschussliste des Luftwaffen-Ober-Helfers Fritz Grafmüller, die für die Verleihung des Flieger-Kampfabzeichens bestimmt war. Fritz Grafmüllerwar einer der 18 alten Herren um die 80, die vor über 60 Jahren für den Einsatz in Hausach verpflichtet wurden und gestern freiwillig dorthin zurückkehrten – um des amerikanischen Piloten Albert Pines zu gedenken, der in jener »Thunderbolt« gesessen hatte. Aber auch, um sich der Kameraden zu erinnern, die an ihrer Seite das Leben verloren, bevor es richtig begonnen hatte. Die Gruppe, die sich seit Jahren um die Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Hausach bemüht, hat eine Gedenktafel erarbeitet, die an die Geschehnisse im Februar 1945 erinnert. Die Finanzierung der Tafel hatte die Stadt Hausach übernommen. »Sie haben Ihr Leben guten Glaubens für ein menschenverachtendes System eingesetzt«, begrüßte Manfred Schoch die ehemaligen Flakhelfer, sichtbar ergriffen, dass diese die Einladung in so großer Zahl angenommen hatten. Der Haslacher Ottmar Erber, der die Kriegszeit im Kinzigtal erforscht, hatte die Kontakte hergestellt. »Ein mörderischer, ja vorsätzlich inszenierter Krieg und eine von den Großmächten beschwichtigende Politik sorgten dafür, dass sich die Wege völlig fremder Menschen kreuzten, sich zu einem kompromisslosen ‘Du oder Ich’ steigerten, für Führer, Volk und Vaterland – was für eine Täuschung der Menschen«, zitierte Schoch aus dem Brief Fritz Grafmüllers, die dieser nach einer »Spurensuche« 1999 in Hausach an seine ehemaligen Klassen- und Kriegskameraden geschrieben hatte. Nun waren sie alle zu einer Spurensuche zurückgekehrt. Die Übergabe der Gedenktafel an die Öffentlichkeit verstehe man als »Zeichen der Versöhnung über alle Grenzen hinweg, als mahnendes Bekenntnis zur Humanität«, sagte Manfred Schoch. In Zeiten, in denen der Rechtsradikalismus nicht nur an den politischen Rändern Fuß zu fassen scheint, sei jeder gefordert, den Anfängen zu wehren. Voraussetzung dafür jedoch ein fundiertes Geschichtsbewusstsein. »Diese Notwendigkeit werden wir weiterhin nicht aus den Augen verlieren«, versprach Schoch im Namen der Gruppe. Um die Tafel herum standen keine Kriegsveteranen, die mit leuchtenden Augen von ihren Heldentaten berichteten – sondern sehr berührte alte Herren, die sich ihrer Tränen nicht schämten. Erich Jäger aus Bad Säckingen betonte, dass die jugendlichen Flakhelfer damals keinesfalls nur »Helfer« waren, sondern wie Soldaten an der Front mit der Waffe Kriegsdienst im Heimatgebiet leisten mussten. »Wie war es überhaupt möglich, dass wir das in diesem Alter haben bewältigen können?«, fragt er sich heute und schloss eine Rede mit den lateinischen Worten »Dona nobis pacem« (Gib Frieden Herr). Die Gedenktafel sollte auch dazu dienen, dass solche Dinge nie mehr vorkommen, sagte Bürgermeister Manfred Wöhrle: »Wir müssen die Versöhnung im Herzen tragen, nicht nur die Erinnerung«, mahnte er. »Was wir hier machen, hat einen Sinn«, dankte Bernd Schmid der Gruppe, die derzeit versucht, die NS-Zeit in Hausach aufzuarbeiten. Der Vorsitzende des Historischen Vereins will als Rektor der Graf-Heinrich-Schule beim nächsten Besuch auch die Kinder der Partnerstadt Arbois zu dieser Gedenktafel führen, um deutlich zu machen, dass »Krieg, in welcher Form auch immer, sinnlos ist«.

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