Wolfacher Amtsgericht

81-Jährige angeklagt: Bestatter bleibt auf Urnenkosten sitzen

Autor: 
Andreas Buchta
Lesezeit 2 Minuten
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07. Dezember 2018

©Archivfoto: Mittelbadische Presse

Betrug lautete der Vorwurf gegen eine 81-jährige Rentnerin, der am Freitag am Wolfacher Amtsgericht verhandelt wurde. Die Frau hatte im April 2017 ein Bestattungsunternehmen mit der Urnenbestattung ihres Lebensgefährten beauftragt, ohne jedoch in der Lage zu sein, die Kosten von 2467 Euro zu bezahlen.

Weil die 81-Jährige Rentnerin gegen einen Strafbefehl mit Vorwurf Betrug fristgemäß im Oktober Einspruch eingelegt hatte, kam es nun zur Verhandlung vor Gericht. Die Angeklagte habe ihren Lebenspartner, in dessen Haus sie mit ihm zusammenlebte, bis zuletzt gepflegt. Als dieser verstarb, habe sie sich an das Bestattungsinstitut gewandt. »Er sollte doch eine anständige Beerdigung bekommen«, sagte sie in der Verhandlung.

Sie unterzeichnete den Auftrag zur Bestattung. »Ich hab’ alles unterschrieben, gelesen hab’ ich nichts«, erklärte die 81-Jährige. Unter den unterzeichneten Papieren war offensichtlich auch eine Kostenübernahmeerklärung, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Besprochen worden sei nur die Gestaltung der Beerdigung, beteuerte die Angeklagte. über alles Weitere sei sie vom Bestatter nicht aufgeklärt worden.

Lediglich der Preis der Urne, die 147 Euro kosten sollte, sei besprochen worden. Die Rechnung für die ganze Beerdigung, so ihre Vorstellung, sollte an die Tochter des Verstorbenen gehen. Die hätte sich schon vorher bereiterklärt, alle Kosten zu übernehmen. »Die hat immerhin das ganze Haus geerbt, in dem wir gewohnt haben«, machte die Beschuldigte auf die Zahlungsfähigkeit der Tochter aufmerksam.

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"Ich habe nur eine kleine Rente"

»Ich habe nur eine kleine Rente. Ich bin froh, wenn ich so klarkomme«, erklärte die Angeklagte. Sie habe den Verstorbenen bis zuletzt gepflegt. Dessen Tochter habe sich um nichts gekümmert. Der Verteidiger stellte klar, dass seine Mandantin gar nicht bestattungspflichtig sei. Man könne ihr lediglich einen Irrtum vorwerfen. Bestattungspflichtig sei eindeutig die Tochter des Verstorbenen.

Sie könne sich eine Einstellung des Verfahrens wegen Geringfügigkeit vorstellen, erklärte Richterin Ina Roser. Dem wollte jedoch die Staatsanwaltschaft nicht zustimmen. Deshalb setzte das Gericht die Verhandlung aus. In einem Folgetermin im Januar sollen die Tochter des Verstorbenen und der Bestattungsunternehmer als Zeugen vernommen werden.

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