Haslacher gestorben

Albert Göppert war ein Gärtner aus Leidenschaft

Autor: 
Claudia Ramsteiner
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
19. November 2020

Immer gut drauf, und immer eins mit seinen Pflanzen – so werden viele den Haslacher Gärtnermeister Albert Göppert in Erinnerung behalten. ©Privatfoto

Albert Göppert erlag im Alter von 61 Jahren seiner schweren Krankheit. Der Haslacher Gärtnermeister starb am Montagabend im Kreis seiner Familie.

Albert Göppert bekam schon mit sechs Jahren sein eigenes Beet. Er hatte seinen Vater früh verloren, half in der kleinen Landwirtschaft seiner Mutter mit, erlebte, wie sein Opa mit Liebe Rosen veredelte und freute sich an allem, was wuchs.

In der Schulzeit hatte der Junge bereits sein erstes Gewächshaus, verkaufte die Jungpflanzen in der Nachbarschaft und verbrachte die Nachmittage lieber arbeitend in den Gärtnereien der Stadt als über den Hausaufgaben.

1985 selbstständig gemacht

Als er strahlend seiner Mutter den Lehrvertrag für eine Gärtnerlehre zeigte, meinte diese: „Lern doch ebbes Rechts!“ Doch für Albert Göppert gab es nichts, was richtiger gewesen wäre. 1985 machte er sich auf den Feldern seiner Familie an dem Sommerhalde selbstständig und zog Biogemüse, das er auf dem Markt verkaufte. 

1989 legte er die Meisterprüfung ab, heiratete seine Frau Stefanie, und zwei Jahre später betrieben die beiden das erste Blumenfachgeschäft in der Stadt. Weitere zwei Jahre später war das auch schon zu klein geworden, die Göpperts bauten eine neue Gärtnerei am jetzigen Standort in Bollenbach.

Dass diese immer größer wurde, lag weniger an der Geschäftstüchtigkeit des jungen Gärtnermeisters, sondern vielmehr daran, dass er mit großer Leidenschaft gärtnerte und immer wieder neue Felder erschloss – und irgendwie mussten die Erzeugnisse dann ja auch verkauft werden. 

Schicksalsschlag im März 2018

- Anzeige -

„Wenn sich mein Vater für etwas begeistert hat, dann war er wie im Rausch, er machte alles ganz oder gar nicht“, erzählt Tochter Elisa. So plante er die jüngste große Erweiterung der Gärtnerei mit Gastronomie. Und dann der Schicksalsschlag im März 2018: ALS, eine unheilbare Muskelerkrankung. Drei Tage nach dieser niederschmetternden Diagnose kam der Förderbescheid für seine Betriebserweiterung, an die nun niemand mehr denken mochte. 

Aber nach Monaten der Verzweiflung und des Handerns mit dem Schicksal war es plötzlich, „als hätte unser Vater einen Schalter umgelegt“, beschreiben die Kinder. Er wollte sein letztes Lebenswerk noch fertig sehen. Und er hatte entschieden, ein „guter Patient zu sein.“ Patientia heißt Geduld. Eine Eigenschaft, die ihm in den ersten 59 Jahren seines Lebens völlig abging.    

Seither habe er nie mehr geklagt, sagt Ehefrau Stefanie. Sie und die drei Kinder Elisa, Katrin und Lukas pflegten ihren Vater gemeinsam mit „den wundervollen Frauen des Intensivpflegedienstes“. Und nicht nur ihnen ist Stefanie Göppert unendlich dankbar.

Harte und schöne Zeit

Auch ihrer gesamten Belegschaft, der nichts zuviel war, die immer einsprang, wenn Not am Mann und an der Frau war. Alle gemeinsam feierten im vergangenen Mai den 60. Geburtstag von Albert Göppert, von dem er noch lange zehrte.

Der Gärtnermeister war immer ein politischer und gesellschaftlich sehr interessierter Mensch. Er engagierte sich früher in der katholischen Jugend, gründete die Haslacher Ortsgruppe der Grünen mit, und bis kurz vor seinem Tod las er täglich intensiv Zeitung und schaute im Fernsehen Politsendungen, Dokumentationen und Geschichtliches. Der Rechtsruck und die Trumpisierung der Gesellschaft bereitete ihm große Sorgen – und als die Laufschrift „Biden gewinnt die Wahl“ über den Bildschirm flimmerte, hieß er seine Familie eine Flasche Sekt köpfen.  

Die Zeit war für die ganze Familie hart, „aber auch schön“. Ihr Vater sei zufrieden und dankbar gewesen, oft lustiger als früher, „und unsere Sorge um ihn läuft nun ins Leere.“ Albert Göppert starb am Montagabend im Kreis seiner Lieben. Er wird im engsten Familien- und Freundeskreis beerdigt. Und irgendwo im Jenseits wird sich nun jemand intensiv um die Blumen kümmern. 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

vor 49 Minuten
Hausach
Über dem Eingang des Museums von Gunungsitoli, das Pater Johannes Hämmerle (links)leitet, hängt ein Transparent mit der Aufschrift „25-jähriges Jubiläum des Museums auf steil abfallendem Weg“. Die Coronakrise setzt der Einrichtung ordentlich zu.
vor 3 Stunden
Belohnung
Die Stadt Haslach hat nach Schmierereien am Bahnhof Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Zudem setzt sie eine Belohnung für Hinweise, die zur Ergreifung führen, in Höhe von 500 Euro aus.
vor 18 Stunden
Gemeinderat
Schiltachs Rat beschloss am Mittwoch eine drastische Erhöhung von Wasser- und Abwassergebühr. Um den Sprung nicht zu hoch werden zu lassen, wird 2021 ein Verlust in Kauf genommen.
28.11.2020
Hornberg
Der Hornberger Jose Schloss richtete sich einen Raum zum Arbeiten und für Treffen mit Kunstfreunden ein. Drucke und weitere Arbeit bringen 500 Euro fürs „Bärenkind“.
28.11.2020
Wolfach
Kirche auf neuen Wegen: Berufung heißt der Instagram-Account, auf dem Wolfachs Pfarrer Hannes Rümmele mit vier ­anderen Akteuren aus ganz Deutschland im wöchentlichen Wechsel einen hautnahen Einblick in Leben und Arbeit in der Kirche gibt.
28.11.2020
Wolfach
Zum ersten Advent fällt der Startschuss für die Schaufenster-Ausstellung zum Kuchenmarkt – und die bietet einige besondere Einblicke. Für die nächsten Jahre soll es weitere Neuerungen geben.
28.11.2020
Statt Nikolausfeier
Der TV Steinach will trotz der Absage der Nikolausfeier mit zwei Aktionen vorweihnachtliche Stimmung verbreiten.
28.11.2020
Kinzigtäler Buchtipps (6)
Gesellschaftliche Kontakte weitgehend vermeiden, um die Corona-Welle zu brechen – so lautet derzeit die Devise. Und wie ließe sich die dadurch gewonnene Zeit besser nutzen, als mal wieder ein gutes Buch in die Hand zunehmen. Bekannte Kinzigtäler verraten in unserer Serie „Buchtipps“ ihre...
28.11.2020
Kerzen sollen leuchten
 Der Kindergarten Sternschnuppe initiiert eine Gemeinschaftsaktion. Ziel soll ein Hoffnungsschimmer in Hofstetter Fenstern sein.
28.11.2020
Gemeinderat
Schiltach beteiligt sich an der Anschubfinanzierung des geplanten Rabattsystems des Gewerbevereins. Das Kinzigkärtle soll den Beteiligten viele Vorteile bieten – doch noch haben  nicht alle Kommunen zugesagt.
28.11.2020
Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft.
Mit der Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 2019, dem Jahresabschluss für das Wirtschaftsjahr 2019 und dem Haushaltsplanentwurf für 2021 sowie einem Leuchtturmprojekt befasste sich der gemeinsame Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft.  
27.11.2020
Mittleres Kinzigtal
Der „Tatort“ feiert morgen seinen 50. Geburtstag. Wir fragten einige Kinzigtäler nach ihren  Lieblingskommissaren der ältesten deutschen Fernsehserie.