Pilzwachstum boomt derzeit über 900 Meter

August künftig wohl kein "Pilzmonat" mehr

Autor: 
Petra Epting
Lesezeit 4 Minuten
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16. September 2018

Björn Wergen, Leiter der Schwarzwälder Pilzlehrschau, zeichnet die jährlichen Pilzvorkommen genau auf. ©Petra Epting

Björn Wergen, Leiter der Schwarzwälder Pilzlehrschau in Hornberg, nimmt im Interview zum Thema Trockenheit und Pilzaufkommen Stellung und erläutert, worüber er sich Gedanken macht. So rechnet er mit einer Verschiebung der Jahreszeiten, erklärt aber auch, dass sich derzeit trotzdem eine ganze Menge Arten finden lassen.

Herr Wergen, die diesjährige große Trockenheit wirkt sich auch auf das Pilzaufkommen in den Wäldern aus oder haben Sie noch Hoffnung für alle begeisterten Sammler? 
Björn Wergen: Die vielen Pilzfunde in unserer Facebook-Gruppe »Pilze im Schwarzwald und der Nordschweiz« lassen gut erkennen, wo es gerade was gibt und was genau gefunden wird. Seit etwa zwei Wochen boomt das Pilzwachstum vor allem überhalb von 900 Metern. Vor allem Steinpilze und Täublinge verschiedener Art können in größeren Mengen gefunden werden. Soweit ist also alles in Ordnung.

Macht Ihnen das Wetter selber Sorgen und wie beurteilen Sie die Lage? Werden wir künftig mit mehr heißen Sommern leben müssen?
Wergen: Das ist die entscheidende Frage. Im Laufe des langen Sommers habe ich mir natürlich mehrmals Sorgen um die Zukunft gemacht. Vor allem die Länge der Trockenheit, die ganz Deutschland umfasst hat und in einigen Regionen auch heute noch anhält, lässt zweifeln, dass man künftig den August noch als »Pilzmonat« bezeichnen darf. In 2018 war es jedenfalls ein »Anti-Pilzmonat«. In den ersten drei Seminaren gab es praktisch über den gesamten Zeitraum keine sehenswerten Pilzvorkommen, eine Tatsache, die in ähnlicher Weise auch schon 2015 und 2016 vorgekommen ist (in 2015 waren der August und der Oktober, in 2016 war der September pilzarm). Die Pilzvorkommen werden aufgezeichnet und ich hoffe, dass ich in ein paar Jahren Erkenntnisse derart ziehen kann, dass ich die Frage, ob wir künftig mit heißen Sommern rechnen müssen, stichhaltig beantworten kann.

Gibt es überhaupt Pilzarten, die mit Hitze gut zurecht kommen oder ist genügend Wasser immer Voraussetzung?
Wergen: Ja, die gibt es. Wir haben sie nämlich haufenweise angetroffen: Samtfußkremplinge und Porlinge. Es handelt sich hierbei um Holzpilze, die die Feuchtigkeit aus dem Zersetzungsprozess gewinnen. Es gibt aber auch noch andere, die von der Wärme profitieren: der Ölbaumtrichterling (Omphalotus illudens) zum Beispiel. Diese Art ist im Mittelmeerraum häufig und kommt bei uns nur sehr sporadisch vor. In diesem Jahr konnte ich den Pilz erstmalig dokumentieren.

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Was findet sich denn aktuell in den hiesigen Wäldern?
Wergen: Eine ganze Menge. Steinpilze, Flockenstielige Hexenröhrlinge, Jodoform-Täublinge, Lachsreizker, Graue Wulstlinge, Perlpilze, Spitzgebuckelte Rauköpfe, Krause Glucken und Klebrige Hörnlinge. Das sind selbstverständlich nur ein paar Arten, die mir gerade so in den Sinn gekommen sind. Es sind gute Speisepilze dabei, aber auch tödlich giftige Arten.

Werden sich die Pilzarten verschieben und wir vielleicht bald andere Pilze finden als früher? Wie beurteilen Sie das als Forscher?
Wergen: Nein, das kann man so pauschal nicht sagen. Wir werden sicherlich die eine oder andere Art häufiger finden als das früher der Fall war (Beispiele: Ölbaumtrichterlinge und Kaiserlinge), aber von einer »Verschiebung« kann man eigentlich nicht reden. Unsere typischen Pilzarten, die wir in Süddeutschland oder auch in ganz Deutschland und Mitteleuropa antreffen, sind die klimatischen Schwankungen aufgrund der evolutionären Entwicklung gewohnt, d.h. sie wurden für ihr Überleben ausgerüstet, wie es für jeden auf diesem Planeten lebenden Organismus charakteristisch ist. Was viel wichtiger ist: es wird eine Verschiebung der Jahreszeiten geben. Mittlerweile kann man den November fast komplett mit Seminaren versehen, da der erste Schnee kaum im Oktober, sondern eher gegen Mitte oder gar Ende November zu erwarten ist.

Thema Klimawandel – welche konkreten Auswirkungen erwarten Sie für die Pilzwelt in der Region und weltweit?
Wergen: Schwierige Frage. Lassen wir den weltweiten Fokus mal weg, da niemand einen derart umfangreichen Überblick über das globale Pilzvorkommen hat. Auf die Region bezogen wird sich die Saison nach hinten verschieben. Es wird häufiger pilzarme Monate im Sommer geben, d.h. Juni, Juli und August. Dafür werden wir sogar im November noch Steinpilze und Pfifferlinge antreffen, was schon jetzt nicht mehr ungewöhnlich ist. 

Haben Sie denn einen Tipp, welche Pilze man wie zubereitet unbedingt mal genießen sollte?
Wergen: Ja, probieren Sie doch mal ein Omelett mit der Krausen Glucke. Oder würzen Sie die Suppe mit dem Pilzpulver aus Kampfermilchlingen. Sehr delikat.
 

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