Hausach

Bahnhofsgespräch zum Abschied von Stadtschreiberin Andrea Karimé

Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
15. Januar 2020

Eine halbe Stunde vor der Abfahrtszeit des Zugs saß Andrea Karimé am Dienstagmorgen schon am Bahnhof, um in Ruhe Abschied zu nehmen von Hausach. „Es war mir einzigartig, Wort-zeit und Ehre“, schrieb sie unter das Abschiedsbild auf ihrer Facebook- und Instagram-Seite. ©Claudia Ramsteiner

Die 29. Hausacher Stadtschreiberin und Amanda-Neumayer-Stipendiatin des Hausacher Leselenz nahm am Dienstag am Hausacher Bahnhof Abschied von Hausach. Andrea Karimé reiste nach ihrer dreimonatigen Zeit im Hausacher Molerhiisli wieder zurück nach Köln, legte aber in Karlsruhe noch einen Zwischenstopp ein für den letzten Teil ihrer Poetikdozentur an der Pädagogischen Hochschule. Wir verabschiedeten sie – wie alle 28 Stadtschreiber zuvor – mit unserem „Bahnhofsgespräch”.

Was für ein Verhältnis haben Sie zu Bahnhöfen? 

Andrea Karimé: Also Bahnhöfe sind Orte meines Lebens geworden. Transitorte, die ich sehr mag. Ich verbringe oft Zeit da, weil ich durch Lesereisen viel unterwegs bin. Am Bahnhof fühle ich mich in einer glücklichen Schwebe. Immer kündet der Transitort mir von Wechsel, der in der Regel erfreulich ist. Auf zur Lesereise zum Beispiel oder auf nach Hause ins geliebte Köln. Manchmal zögere ich das sogar hinaus, in dem ich schon früher zum Bahnhof fahre und noch einen Kaffee trinke. 

Wie verbringen Sie die Fahrzeit im Zug am liebsten?  

Karimé: Am liebsten arbeite ich. Gleich zum Beispiel nehme ich noch einmal das Konzept für die Schreibwerkstatt im Rahmen der Poetikdozentur in Karlsruhe zur Hand und bringe noch Änderungen an. Aber ich werde auch sicher rausschauen und die letzten Tage Revue passieren lassen.

Was hat Sie hier am meisten überrascht? 

Karimé: Dass ich es nicht so dunkel fand, wie mir in Köln „angedroht“. Dass mir im Hiisli nicht gruselig war, wie hie und da prophezeit. 

Was nehmen Sie aus Hausach mit? 

Karimé: Ich nehme Dankbarkeit mit, über dieses tolle Stipendium und viel Inspiration aus dem Stipendiatenhiisli, das mir besonders gut gefallen hat. Wenn die Sonne schien, hat das ganze Hiisli geglitzert. Und die Wände haben Geschichten gemunkelt. So einen Ort zum Arbeiten hätt’ ich gern dauerhaft. Hier konnte ich sehr produktiv werden. Gerade weil es manchmal ein wenig einsam war. Ich nehme deshalb sehr viel Text mit: zwei Vorlesungen, ein ganzes Kinderbuch in der ersten Fassung und eine überarbeitete Lektoratsfassung eines anderen Buchs, das im Herbst erscheint. Auch dass ich wieder, wie früher im Kunststudium, Fotomontagen mache, ist dem Aufenthalt hier zu verdanken. Vielleicht aber auch der Minikuhglocke, die jetzt an meinem Schlüssel wohnt. Einen Bausatz für die Schwarzwälder Kirschtorte nehm’ ich mit und eine ganze Handtasche voller Wortschöpfungen der Kinder: die Ohrenblume zum Beispiel.
Aber ich nehme auch die Freude mit, dass ich beim nächsten Leselenz im Sommer wiederkommen werde, all die herzlichen sorgsamen Leute wiedersehen werde, das Leselenz-Team zum Beispiel und die Kinder. Und die Freude dann wieder mitwirken zu dürfen. Das ist schön, denn ich geh ungern!

Und was lassen Sie da? 

Karimé: Geschichten lasse ich da, überall, wo sie gern hinwollten, zum Beispiel die Weihnachtsgeschichte vom Kamel und Weihnachtsstern (unter www.bo.de/JjM noch zu lesen). Im Adventswald und in der Grundschule lasse ich Geschichten und in den Köpfen der Kinder meiner Schreibwerkstatt. 

Wie haben Sie denn die Kinzigtäler Kinder bei ihren Schreibwerkstätten denn erlebt?

- Anzeige -

Karime: Ach, ganz wunderbar aufgeschlossen, poetisch und fantasievoll. Mit Feuereifer und ernsthaft haben sie sich den poetischen Experimenten und dem Schreiben anvertraut. Wirklich sehr originelle und berührende Geschichten und Gedichte sind entstanden, von denen einige sogar vom Hausacher Leselenz als Postkarten herausgegeben werden. Die Schreibkinder werden mir auch sehr fehlen.

Vorgängerinnen von Ihnen hatten schon behauptet, im Molerhiisle spuke es. Was gemerkt? 

Karimé: Klar. Morgens, mittags, abends. Buchstabenspuk. 

Können Sie uns nach Ihrer Stipendiatenzeit hier drei Lieblingsorte in Hausach nennen? 

Karimé: Eiscafé Venezia, aber das hat leider im November zu gemacht. Der Gummenwald. Der Kinzigradweg. Und die Stipendiatenwohnung im Molerhiisli.

Wird das Kinzigtal womöglich in Ihren Werken irgendwo einen literarischen Niederschlag finden? 

Karimé: Klar, mein Gespenst Kleiner Dschimm wohnt im Turm der Burg Husen. Die Geschichte spielt im Gummenwald. Und ich habe ein kleines, bewachsenes Haus entdeckt, was sicher als „Haus mit Bart“ in einem Bilderbuch verewigt wird.

Wenn Sie jetzt zurückreisen: Wovon fällt Ihnen der Abschied am schwersten? 

Karimé: Von der Stipendiatenwohnung im Molerhiisli, von der Natur und von den Kindern der Schreibwerkstatt. 

Und worauf freuen Sie sich am meisten? 

Karimé: Auf meine Freundinnen und Freunde und auf den Chor. Und aufs Veedel. Das Café, den Buchladen. Den Bioladen.
 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

Gutachs Rathaus wurde mit Zuschüssen aus dem Landessanierungsprogramm modernisiert.
vor 48 Minuten
Gutach
2009 legte der Gutacher Gemeinderat das Sanierungsgebiet Ortsmitte fest. Diese Maßnahme habe einen Investitionsschub von rund 6,9 Millionen Euro ausgelöst, hieß es im Gemeinderat.
Der Gottesdienst am Bonifazhof wurde musikalisch mitgestaltet von Martin Schoch am Keyboard und Personalreferentin Lioba Jörg an der Gitarre.
vor 3 Stunden
Bad Rippoldsau-Schapbach
Freiluft-Gottesdienst statt Gartenfest
Bewegter Blickfang in München: Die geschickten Surfer an der Eisbachwelle im Englischen Garten. 
vor 3 Stunden
In 60 Tagen durch Deutschland (8)
Claudia und Anton Ramsteiner aus Hausach radeln auf ihrer Deutschlandtour nun am Alpenvorland entlang in Richtung Bodensee. In Bad Tölz, beim Abschied von der Isar, waren 3000 Kilometer geschafft.
Die Holzpreise treiben um: Frustrierend sei das, sagt ein Hornberger Landwirt mit Blick auf die mickrigen Erlöse der letzten Zeit – und hinsichtlich seines Arbeitspensums, das er wie so viele nach dem eigentlichen Job und in steilen Lagen abends und am Wochenende leistet.
vor 4 Stunden
Hornberg - Reichenbach
In Hornberg-Reichenbach freuen sich die Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft darüber, einigermaßen gut durch die Trockenjahre gekommen zu sein, doch es gibt auch Bedenken.
Bürgermeisterin Helga Wössner (links) und Elif Sisman vom Bürgerbüro hatten viel Spaß bei dem Kinoabend.
vor 4 Stunden
Mühlenbach
Geglückte Premiere: Am Freitagabend fand zum ersten Mal ein Open-Air-Kino-Abend in Mühlenbach statt. Das Wetter spielte dabei zur Freude aller auch mit.
Ehrungen beim Hausacher Kirchenchor (von links): Pfarrer Christoph Nobs, Annemarie Bonath, Hildegard Weitschies, Chorleiterin Dorothea Eberhardt, Gisela Herrmann, Ludwig Paulus, Ina Paulus, Georg Kupka, Chorsprecher Christoph Lehmann.
vor 5 Stunden
Hausach
Gisela Herrmann singt seit 40 Jahren im Hausacher Kirchenchor und wurde zum Ehrenmitglied ernannt.
Ein idyllisches Plätzchen auf dem Schornhof hatte sich die FBG Wolfach/Oberwolfach für ihre Mitgliederversammlung ausgesucht. Die Stimmung war angesichts aktueller Holzpreise gut.
vor 5 Stunden
Wolfach
Unter der großen Linde auf dem Schornhof über Halbmeil hatte die Forstbetriebsgemeinschaft Wolfach/Oberwolfach am Donnerstag ihre Mitgliederversammlung. Gut war die Stimmung der Waldbesitzer, denn die Rahmenbedingungen für die Holzwirtschaft seien derzeit günstig.
TV-Vorsitzender Marc Zehntner blickt zuversichtlich nach vorn.
vor 5 Stunden
Wolfach
Übungsleiter und Vorstand entwickeln Ideen zu Zukunftsfragen. So soll es mehr Austausch zwischen den einzelnen Riegen geben – und im Frühjahr 2022 einen großen Schnuppersporttag.
Ehrungen (von links): Stefan Brucker, Katharina Wylegalla, Andreas Ringwald, Kathrin Neumaier, Joshua Neumaier, Benjamin Lohrer und VfK-Vorsitzender Matthias Ketterer.
vor 5 Stunden
Ehrungen in Hauptversammlung
In der Hauptversammlung des VfK Mühlenbach wurde am Samstagabend vor allem eines deutlich: Alle freuen sich auf die neue Runde.
Hier hätte sich der Bollenbacher Ortschaftsrat einen roten Streifen zur Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger vorstellen können. 
vor 5 Stunden
Infos im Ortsschaftsrat
Die unendliche Geschichte um eine Entschärfung der Verkehrssituation am Bollenbacher Ei geht in die nächste Runde.
Beförderungen (von links): Bürgermeister Nicolai Bischler, Pascal Quintel, Thomas Buchholz, Manuel Gißler, Erich Brucher Erik Brucher, Fabian Griesbaum, Felix Herde, Janik Schwendemann, Florian Schätzle, Matthias Lietzau, Abteilungskommandant Tobias Himmelsbach und Kommandant Markus Decker
vor 5 Stunden
Steinach
In der Hauptversammlung der Gesamtwehr der Feuerwehr Steinach wurde am Freitagabend in der Allmendhalle zurückgeblickt . Zudem gab es Beförderungen und Ehrungen.
Der Gemeinderat erwartet eine Landeslösung zu beitragsfreien Kindergärten in Schiltach.
vor 12 Stunden
Schiltach
2020 und 21 erwartet Schiltach höhere Gewerbesteuereinnahmen. Die Beiträge zum Kindergarten sollen laut Empfehlung allerdings angepasst werden. Bis zur Beitragsfreiheit nach Landeslösung dauert es wohl noch.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Diese und die folgenden Angebote erwarten die Besucher an den Aktionstagen.
    vor 9 Stunden
    Der einzigartige himolla Wellness-Truck kommt nach Achern
    Aktuelle Studien belegen: Rückenschmerzen sind die Volkskrankheit Nummer eins. Unter dem Motto "Gesundes Sitzen – Wellness für zu Hause"finden bei Möbel RiVo in Achern-Fautenbach von Donnerstag 29. Juli bis Samstag 31.Juli die Wellness-Aktions-Tage statt.
  • Das repräsentative Gebäude im Oberkircher "Haus der Ingenieure".
    25.07.2021
    Architekturbüro Müller + Huber in Oberkirch bietet Chancen
    Seit der Gründung im Jahr 1980 ist das Architekturbüro Müller + Huber auf 75 Mitarbeitende angewachsen. Angesiedelt ist das Unternehmen im Oberkircher "Haus der Ingenieure", eines des modernsten Dienstleistungszentren in der Ortenau. Aktuell soll expandiert werden.
  • HIER HILFT MAN SICH. Das Motto ist im hagebaumarkt Steinach keine leere Phrase, sondern Programm. 
    18.07.2021
    Motto: HIER HILFT MAN SICH
    HIER HILFT MAN SICH. Das ist das Motto der mehr als 380 hagebaumärkte in Deutschland. Beim Maier + Kaufmann hagebaumarkt in Steinach wird diese Aktion mit Leben gefüllt.
  • Über die Tochtergesellschaft my-e-car bietet die Stadtmobil Südbaden  flächendeckend E-Fahrzeuge an. Da sie zu 100 Prozent mit regenerativ gewonnenem Strom betrieben werden, ist das Konzept mit dem "Blauen Engel" ausgezeichnet worden. 
    14.07.2021
    Das perfekte Angebot: Stadtmobil Südbaden und my-e-car
    Mobil ohne eigenes Auto? Mit dem Carsharing-Angebot der Stadtmobil Südbaden und der Tochtergesellschaft my-e-car ist das einfach und bequem. Das Stationennetz spannt sich über Südbaden und begeistert rund 12.000 registrierte Fahrberechtigte.