Hornberg/Triberg

Bahnsanierung ist tonnenschwere Millimeterarbeit

Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
04. Mai 2021
Die Monster-Reparaturzüge können auf der steilen, kurvigen Schwarzwaldbahn nicht eingesetzt werden. Hier wird "konservativ" gebaut mit solchen "Zwei-Wege-Baggern", die sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße fahren können. 

(Bild 1/4) Die Monster-Reparaturzüge können auf der steilen, kurvigen Schwarzwaldbahn nicht eingesetzt werden. Hier wird "konservativ" gebaut mit solchen "Zwei-Wege-Baggern", die sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße fahren können.  ©Claudia Ramsteiner

Wer den Franz-Göttlerweg von Triberg nach Hornberg wandert, der wird sie irgendwo sehen, die Reparaturkolonne der Schwarzwaldbahn. Wer diesen Weg mitten auf den Gleisen zurücklegen darf, hat einen Pressetermin mit dem Projektleiter Niels Schauenburg und dem Bauüberwacher Joachim Binkert: Zwei „Bähnler“ aus Leidenschaft, die anschaulich erklären, was hier gerade passiert.

Zunächst wird zwischen Hornberg und Triberg „fast alles erneuert“. Damit meint Niels Schauenburg das Gleisbett, die Schwellen, die Schienen. Das letzte Mal fand so eine Generalsanierung zur Elektrifizierung der Schwarzwaldbahn in den Jahren 1972 bis 1977 statt. Bauingenieur Joachim Binkert war damals schon dabei. Er wäre eigentlich längst Rentner, aber die Bahn lässt ihn nicht los (und er sie nicht). Er hat die Bauaufsicht, arbeitet eng mit dem Projektleiter zusammen, und „mit so einem Haudegen macht das riesig Spaß“, sagt Niels Schauenberg.

"Meisterstück" fordert heraus

Dieser hat sich diese Projekt aktiv ausgesucht: Von dem „Meisterstück“, das Robert Gerwig da in die Landschaft gezaubert hat, fühlt er sich herausgefordert. Überhaupt sei so eine Sanierung viel spannender als eine „neue Trasse auf der grünen Wiese zu bauen“. Die Sanierung der Schwarzwaldbahn sei eines der größten und anspruchsvollsten Oberbauprojekte in Südwest in diesem Jahr. Wann hier genau wie lange keine Züge fahren, das wurde schon vor drei Jahren verbindlich und fest geplant.

Diese enorme Vorlaufzeit ist nötig, damit man im ganzen Land „in schlauer Reihenfolge hintereinander wegbaut“ und dass alles von der Sperrung von Bahnübergengen bis zu den Rettungswegen bedacht wird. Ein gesperrter Bahnübergang muss notfalls auch mitten in der Bauzeit innerhalb von zehn Minuten befahrbar sein, damit ein Rettungswagen zu seinem Einsatz kommt.

Viele Abhängigkeiten

Dass die Schwarzwälder in den sechs Wochen Baupause in den Sommerferien auch wieder mit Fahrrädern an den Bodensee kommen, ist ein angenehmer Nebeneffekt. In Wirklichkeit ist die Pause geplant, weil in dieser Zeit an der Gäubahn gearbeitet wird und die Güterzüge dann über die Schwarzwaldbahn umgeleitet werden.

- Anzeige -

- Anzeige -

Spektakuläre Fotos mit Monster-Reparaturzügen gibt hier nicht: Die sind schlicht zu groß für diese Gebirgsbahn. An der steilsten Stelle kurz vor Hornberg sind 21 Promille Steigung zu überwinden, das sei „für einen Zug enorm“. Da müsse man auch „ausrechnen, was man da so alles an einen Arbeitszug hängt“.

Gebaut wird etappenweise – das eine Gleis wird abgebaut, der Schotter ausgegraben und auf einen Zug auf dem zweiten Gleis geladen. Über diesen Weg kommt auch das neue Material: Auf den frischen, kantigen Granitschotter werden die Betonschwellen gelegt, darauf kommen die 120 Meter langen Schienenstücke. „Die sind so flexibel wie eine Feder“, beantwortet Schauenberg die Frage, wie die Kurven gelegt werden.

Material schon lang bestellt

„Wir finden hier auch noch Stahlschwellen aus den 1930er-Jahren“, erzählt der Projektleiter. Seit die Eichenholzschwellen nicht in Teer getränkt werden dürfen und daher nicht mehr sehr lange haltbar sind, werden diese kaum noch verwendet. Die neuen Betonschwellen sind allerdings für manche Stellen zu hoch. Nur hier wird auf – wesentlich teurere – japanische Schwellen aus „Kunstholz“ ausgewichen.

Auch das Material wird mit langen Vorlaufzeiten bestellt und zu einem Zentrallager in Karlsruhe geliefert. Schließlich darf die sorgfältig geplante Baustelle dann nicht an irgend einer Rohstoffknappheit scheitern. Bis 2013 wurden in Deutschland noch Schienen gewalzt, heute kommen sie vor allem aus Polen und Österreich. Gut 40 zertifizierte Schotterwerke produzieren geeigneten „Bahnschotter“ – unter anderem der Steinbruch in Steinach.

Tag- und Nachtschichten

Liegen die Schienen, kommt die „Stopfmaschine“ und legt das Gleis in die richtige Lage. Dazu greift sie unter die Schienen, stopft Schotter unter die Schwelle und richtet das Gleis aus. Ist alles fertig, gibt es noch einmal einen „Nachstopfgang“: „Wir leisten mit tonnenschweren Geräten millimeterarbeit“, macht Joachim Binkert klar, welche Maßarbeit hier gefordert ist. Das gilt übrigens auch für den Luftraum über der Schiene: Die elektrische Oberleitung muss zum Schluss ebenfalls millimeternau auf das Schienenniveau ausgerichtet werden.

Tag und Nacht wird an den Gleisen gearbeitet: 20 bis 25 Leute in zwei Zehn-Stunden-Schichten, die restlichen vier Stunden werden für die Logistik gebraucht. Wenn die 120 000 Meter neue Schienen liegen, die Stöße verschweißt sind, fliegen noch einmal die Funken: Dann wird auf der ganzen Länge die Walzhaut abgeschliffen. Am 26. November ist das Projekt beendet. Auch wenn Niels Schauenburg ein ebenso leidenschaftlicher Bähnler ist wie Joachim Binkert – die nächste Generatlsanierung in rund 40 Jahren wird er nicht mehr planen. Aktuell plant er gerade die Sanierung Hausach-Freudenstadt, die im nächsten Jahr ansteht.

Stichwort

Zahlen im Vergleich

◼ Die Länge der verbauten 120 000 Meter Schienen entsprechen 436 364 Stück abgerollter Haribo Lakritzschnecken.
◼ Aus der Menge Stahl könnte 88,78 Prozent des Eiffelturms gebaut werden.
◼ Würde man aus den 63 000 neu eingebauten Schwellen – 1667 pro Kilometer und Gleis – einen Jenga Turm mit jeweils drei Schwellen pro Etage aufstellen, hätte dieser eine Höhe von 4620 Metern: Beinahe so hoch wie der Mont Blanc.
◼ Für den Transport des Neuschotters benötigt man 7400 Bahnwaggons, das Gewicht entspricht fast zwei Fernsehtürmen in München.
◼ Für den Transport der 100 000 Tonnen Schotter werden etwa 2500 Bahnwaggons benötigt.

Info

Die "Macken" der Bähnler

Jede Berufsgruppen hat so ihre Macken, und keine Arbeit ist so ernst, dass man nicht noch irgendeinen Spaß daraus machen könnte. So gibt es unter den Bahningenieuren einen heimlichen Wettbewerb, wer die älteste Schwelle findet. Niels Schauenburg liegt da gerade ziemlich vorn: Er hat bei der Begehung der Strecke Hausach-Freudenstadt, die im nächsten Jahr saniert wird, eine Schwelle aus dem Jahr 1894 gefunden. Und nun hofft er noch, seiner Ingenieurkollegin helfen zu können. Die sammelt nämlich die Schwellennägel, je einen von jedem Jahrgang. Auf den Nägeln ist das Herstellerdatum eingestanzt. Nur der von 1963 fehlt ihr noch. Bei der Sanierung der Strecke Hausach-Freudenstadt im nächsten Jahr gibt es eine neue Chance. 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

Tauschten sich bei Schuh Flaig aus (von links): Monika und Rainer Flaig, HGH-Vorsitzende Mechthild Bender, Bundestagsabgeordneter Peter Weiß, Bundestagskandidat Yannick Bury und Bürgermeister Philipp Saar. 
vor 2 Stunde
Bury und Weiß zu Gast
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiß besuchte am Mittwochmorgen zusammen mit CDU-Bundestagskandidat Yannick Bury den Schuheinzelhändler Rainer Flaig und dessen Frau Monika in ihrem Geschäft in Haslach.
Das „Maispielen“ beginnt zwar um 6 Uhr auf der Burg – essetzt sich aber dann den ganzen Tag mit verschiedenen Stationen fort. Hier eine fidele Runde auf dem Raitebauernhof im Hauserbach.
vor 8 Stunden
Hausach
Huse fier Riigeschmeckte (23): Der Mai ist gekommen – wie die Hausacher Stadtkapelle und der „Liederkranz“ schon seit vielen Jahrzehnten musikalisch den Mai begrüßen.
Freibad Hofstetten
vor 11 Stunden
Hofstetten
Der Hofstetter Gemeinderat hat beschlossen, das Schwimmbad zu öffnen, sobald es die Corona-Bestimmungen erlauben. An dem Konzept des vergangenen Jahrs wird festgehalten.
Der Schwarzwaldverein hat bereits im vergangenen Sommer den Pavillon vorläufig gesichert und den Ausblick beim Schlossberg freigeschnitten.
vor 11 Stunden
Schiltach
Ein professionelles Konzept soll das Potential des Schlossberggeländes behutsam und naturnah umsetzen. Dafür müssen viele unterschiedliche Vorschläge bewertet werden.
Vielleicht endete für den ein oder anderen Bergwerks-Freund die Eröffnungsfeier erst am nächsten Tag – das Band an der Grube Wenzel wurde aber schon am 5. Mai 2001 durchschnitten.
vor 11 Stunden
Kinzigtäler Talgeflüster
Jedes Wochenende gibt es von der Kinzigtalredaktion einen ironisch- bis satirischen Wochenrückblick. Heute geht es um Geschichtsschreibung und das stille Örtchen.
Die unterschiedlichen Übungen haben sie ausgedruckt und eingeschweißt an Holzlatten befestigt. 
vor 13 Stunden
Hofstetten
In Hofstetten kann sich jeder mit Übungen entlang eines Wegs fit halten.
So soll der neue Hofstetter Kindergarten, von der Bach-Seite aus, aussehen.
vor 18 Stunden
Hofstetten
Der Hofstetter Gemeinderat hatte in seiner Sitzung unter anderem über die Dacheindeckung für den Kindergarten-Neubau zu entscheiden. Zur Wahl standen ein Blechdach und eine Dachbegrünung.
Benjamin Walter hat viele Ideen, wie man im „Dixi“ künftig wieder bei verschiedenen privaten und öffentlichen Events viele schöne Stunden verbringen könnte. Derzeit kann man nach Vorbestellung bei Pois dort Köstlichkeiten aus Portugal abholen.
vor 20 Stunden
Besitzer Fan von Pois
Das "Dixi" war früher Kult und das weit über die Grenzen von Haslach hinaus. Nun hat Benjamin Walter viele gute Ideen, wie das wieder so werden könnte. Dabei kann man das "Dixi" auch mieten.
Ein Tag im Leben von Bürgermeister Wolfgang Hermann: Besichtigung der Kaplanei mit der Musikschule: von links Kulturamtsleiter Hartmut Märtin, Architekt Benjamin Schmider, Bürgermeister Wolfgang Hermann, Walter Glunk, Geschäftsführer der Musikschule, Musikalischer Leiter Peter Stöhr und Zweigstellenleiterin Katrin Krichel. 
vor 21 Stunden
Hausach
Wolfgang Hermann ist seit dreieinhalb Jahren Bürgermeister der Stadt Hausach. Er liebt die Vielseitigkeit seines Berufs, kein Tag ist wie der andere, er steht täglich vor neuen Entscheidungen.
Nach einem Treffen am Park-and-Ride-Parkplatz beim Haslacher Bahnhof verteilten sich die Teilnehmer mit ihren Schildern entlang der B33-Ortsdurchfahrt in Haslach.
vor 22 Stunden
Haslach im Kinzigtal
Angemeldet wurde die Aktion in Haslach für 50 bis 60 Teilnehmer beim Landrats­amt als zuständige Behörde von Uwe Harter und Rainer Kälble aus Zell, die dann am Montagabend in Zell zu einem „Spaziergang“ aufriefen.
Verabschiedung (von links): Pfarrer Helmut Steidel, Edelgard Vollmer als Vertreterin des Gemeindeteams, Pfarrsekretärin Hannelore Schwendemann und Kooperator Klaus Klinger. Hinter Pfarrer Steidel ist das Pfarrhaus zu sehen, wo noch bis Monatsende das Pfarrbüro sitzt.
vor 22 Stunden
Mühlenbach
Nach fast 20 Jahren geht sie in Rente: Die feierliche Verabschiedung der Pfarrsekretärin Hannelore Schwendemann fand am Sonntag im Rahmen des Gottesdienstes statt. Pfarrer Helmut Steidel begrüßte daher unter den Gläubigen besonders sie und ihren Mann Bernd Schwendemann.
Kaum noch vorstellbar: Ein Blick ins Reinerzauer Tal nach Beginn der Bauarbeiten 1978. Heute würde man hier auf den WKK-Stausee blicken.
vor 22 Stunden
Kinzigtal
Dass das Wasser aus dem Hahn fließt, ist im Alltag heute fast so selbstverständlich wie der elektrische Strom aus der Steckdose.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • "Es bereitet mir jeden Tag Freude, wenn ich sehe, wie erleichtert, weil schmerzfrei, die Kunden durch meine Arbeit sind", sagt Jan Lerch, der bei Stinus Orthopädie seine Ausbildung durchlaufen hat. Heute ist er Filialleiter in Offenburg mit der Meisterprüfung in der Tasche.
    vor 2 Stunden
    Freude am Helfen: Stinus Orthopädie sucht Azubis
    Wer gut geht, dem geht es gut! Philosophie des Spezialisten für Orthopädie mit Stammsitz in Achern seit der Gründung im Jahr 1905. Das Unternehmen expandiert weiter und sucht natürlich engagierten Nachwuchs.
  • Die Winzergenossenschaft Durbach überrascht mit vielen neuen Tropfen, die sich hervorragend für den Sommergenuss eignen.
    07.05.2021
    Die Durbacher Steillagen-Spezialisten empfehlen:
    Strahlende Sonne und heiße Temperaturen: Nicht nur im Ausland lässt sich die Sonne genießen, auch zu Hause im Garten geht das richtig gut: „Dolce Vita Feeling“ kommt mit den exzellenten Erzeugnissen der Winzergenossenschaft auf.
  • Präzision ist bei der Philipp Kirsch GmbH das A und O: Hier wird beispielsweise vermessen, ob das Gerät die eingestellte Temperatur auf lange Sicht exakt hält. 
    07.05.2021
    Philipp Kirsch GmbH: Kühlung in Kliniken und Apotheken
    Wenn es darum geht, Empfindliches im exakten Kühlbereich zu lagern, sind die Produkte der Philipp Kirsch GmbH gefragt. Das Unternehmen ist weltweit agierender Hersteller von professionellen Kühl- und Gefrierschränken für das Gesundheitswesen. Der Spezialist stellt ein!
  • So bleibt Zeit für die Trauer: Das Bestattungshaus Heizmann nimmt den Hinterbliebenen gerne alle Formalitäten ab. 
    05.05.2021
    Bestattungshaus Heizmann ermöglicht digitales Abschiednehmen
    Das Bestattungshaus Heizmann geht mit eigenem Online-Gedenkportal neue Wege in der Trauerkultur. Ziel ist es, den Hinterbliebenen die Möglichkeit zu geben, sich an den Verstorbenen zu erinnern - auch in Zeiten von Corona.