Schiltach

BBS-Geschäftsführer Lohmann im Interview

Martina Baumgartner
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19. März 2014
Die Restrukturierung des Unternehmens ist abgeschlossen. Geschäftsführer Jürgen Lohmann setzt auf Automatisation der Prozesse in der Fertigung.

Die Restrukturierung des Unternehmens ist abgeschlossen. Geschäftsführer Jürgen Lohmann setzt auf Automatisation der Prozesse in der Fertigung. ©Martina Baumgartner

Kurz vor dem Start auf den Rennstrecken der Welt heißt es: »Helpers, clear the Track.« So auch beim Leichtmetallräder-Hersteller BBS: Nach zwei Insolvenzen und acht harten Geschäftsjahren stehen alle Regler wieder auf »Start«. Geschäftsführer Jürgen Lohmann erklärt die Situation des Schiltacher Traditionsunternehmens.

Seit der Übernahme von BBS durch eine neue Geschäftsleitung sind zwei Jahre vergangenen. Wie ist der Stand bei BBS?
Lohmann: Wir sind an einem Meilenstein der Unternehmensgeschichte angekommen, nämlich am Ende unserer Restrukturierungsmaßnahmen und schauen optimistisch in die Zukunft.

Welche Maßnahmen haben sie getroffen?
Lohmann: Wir haben rund acht Millionen Euro in die Automatisierung, in Bearbeitungszentren sowie Mess- und Überwachungssysteme investiert. Aus den beiden Standorten Schiltach und Herbolzheim ist ein Produktionssystem mit einer durchgehenden Prozesskette entstanden. Ineffizienz durch teilweise doppelte und daher kostenintensive Strukturen ist abgeschafft.

Was bedeutet das für die Standorte Schiltach und Herbolzheim?
Lohmann: Die Aluminium- schmelze und die Gießerei sind nach wie vor in Schiltach. Die zentrale Abstreckfertigung und Warmbehandlung, die bisher in Herbolzheim war, ist nun ebenfalls hier und voll automatisiert. In Herbolzheim wird lackiert, verpackt und ausgeliefert. Das Schiltacher Fertigungsgebäude bekam ein inneres Facelift mit neuen Böden und viel Licht. Nichts erinnert mehr an vernachlässigte Arbeitsplätze und ausgeschlachtete technische Ausstattung.

Wie schlägt sich die Steigerung der Automatisierungsprozesse auf die Mitarbeiterzahlen nieder?
Lohmann: Unser ursprünglicher Plan war, von 365 Mitarbeitern auf 310 zu reduzieren. Durch einen erfolgreichen Vertrieb, verbunden mit Volumenzuwächsen, haben wir jedoch die Mitarbeiterzahl weiter steigern können und peilen 400 bis 420 Mitarbeiter an. Davon werden ungefähr 80 in Herbolzheim und 340 in Schiltach beschäftigt werden. Leiharbeitsverträge werden in der Regel verlängert und langfristig in feste Arbeitsplätze umgewandelt.

Vermutlich werden Fachkräfte nach zweimaliger Insolvenz des Unternehmens nicht zuerst an ihre Tür klopfen. Spüren sie hier Nachteile?

Lohmann: Überhaupt nicht.  Wer sich bei uns bewirbt, will nur zu uns. Den allgemeinen Fachkräftemangel in Deutschland merken wir jedoch auch. An dieser Stelle tut unsere Regierung nicht genug. Warum kann man ausländische Fachkräfte nicht mit Bussen, bespielsweise aus Spanien, zu uns holen? Außerdem erlebe ich den Schwarzwald als zuzugsfeindlich: Wo sind die Unterkünfte, gerade hier im ländlichen Raum?

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Gibt es BBS-interne Strategien, um dem eigenen Fachkräftemangel zu begegenen?
Lohmann: Wir generieren Fachkräfte gern auch im deutsch-französischen Grenzgebiet, bilden vorhandene Mitarbeiter besser aus und ersetzen ab der mittleren Führungsebene durch akademisch ausgebildete Kräfte, die schneller und flexibler einsetzbar sind. Im Augenblick haben wir fünf Auszubildende, bauen eine Lehrwerkstatt in Schiltach und möchten vermehrt eigenes Potential ausschöpfen.

BBS führt den Slogan »Technik aus dem Motorsport«. Die ehemalige Abteilung Motorsport ist heute eine eigenständige Firma in Haslach. In der Formel Eins ist BBS nicht mehr vertreten. Ist der Slogan ein Relikt alter Zeiten?
Lohmann: Überhaupt nicht.  Wir sind sehr gut im Porsche Cup und in allen amerikanischen Motorsportserien vertreten. Persönlich finde ich, dass die Boliden in der Formel Eins nicht mehr wie Autos aussehen und keine Identifikation mit unserer Marke transportieren. Mit den Motorsport-Kollegen in Haslach haben wir im Januar eine Marketingkooperation vereinbart, um unsere Aktivitäten weltweit zu bündeln, damit die Marke BBS stark bleibt.

Wie und in welcher Gewichtung ist ihre Kundenstruktur?
Lohmann: Wir werden im Premiumsegment bleiben und kein Massengeschäft betreiben. Unser Portfolio ist breit aufgestellt, wobei Porsche zur Zeit der Topkunde ist. Wir haben wieder Aufträge als Erstentwickler bei BMW und VW für 2016. Weitere Aufträge von AMG und Audi sind ebenfalls vorhanden.

Wie entwickelt sich das Volumen?
Lohmann: 2013 haben wir rund 400 000 Räder produziert, in diesem Jahr werden wir 600 000 fertigen, das wäre eine 60-prozentige Auslastung – die Aufträge dafür sind da. Bis 2018 möchten wir bei rund einer Millionen Rädern landen. Das ist das, was wir mit unserer Infrastruktur, Mitarbeiterzahl und deren Qualifikation stemmen können.

Wie stellt sich Umsatz und Gewinn dar?
Lohamnn: In 2012 haben wir einen Umsatz von rund 40 Millionen Euro verbuchen können. Im vergangenen Geschäftsjahr waren es 52 Millionen Euro und in 2014 sind 60 Millionen geplant. Mittelfristig, also im Dreijahreszeitraum, möchten wir bei 80 Millionen landen. Die Gewinne haben wir »durchinvestiert«.

Die Beteiligungsholding Tyrol Eqiuty ist mehrheitlicher Anteilsnehmer an BBS, die ihre Investition realisieren muss. Wird BBS gewinnbringend weiterverkauft?
Lohmann: Nein. Das österreichische Unternehmen Tyrol Equitiy hält die Hälfte der Anteile. Privatinvestor Udo Wendtland ist mit 25 Prozent, Lafayette Capital Partners und ich mit jeweils zehn Prozent beteiligt Wir möchten in die Zukunft des Unternehmens die vorhandenen Standorte investieren und haben ein klares Wachstumsszenario vor Augen.

Trotzdem ist mit Stefan Hamm die Tyrol in der Geschäftsleitung vertreten.
Lohmann: Das operative Geschäft ist vom Investor losgelöst. Wir haben mit Tobias Schleicher den langjährigen BBS-Finanzer ins Geschäftsführer-Team übernommen . Stefan Hamm wird, weil die Restrukturierung abgeschlossen ist, wieder dort gebraucht.

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