Mittleres Kinzigtal

Bescherte Corona den Kinzigtäler Hofläden einen Boom?

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06. August 2020

Franz Josef Kaltenbach aus Niederwasser, den Regeln entsprechend hinter einer Scheibe, fielen in seinem Hofladen durch Corona zwar erst einmal die Touristen weg, dafür helfen seiner Ansicht nach Skandale wie jener bei Tönnies, dass sich die Leute vermehrt auf regionale Produkte besinnen. ©Petra Epting

Hamsterkäufe in den Supermärkten – und wie sah es eigentlich in den Hofläden der Kinzigtäler Landwirte aus? Wir fragten mal nach, ob die Corona-Pandemie ein Umdenken im Einkaufsverhalten bewirkt hat. 

Hat Corona den Hofläden einen Konjunkturschub verschafft, und wie sieht es generell aus mit der Nachfrage nach regionalen Produkten? Sind heimisches Obst und Gemüse sowie Fleisch und Wurst von hiesigen Tierhaltern mehr gefragt, in Zeiten wo viele verstärkt zuhause kochen? 
Eine Umfrage unserer Redaktion bei verschiedenen Hofläden im Kinzigtal zeigt, dass es zwar keine Hamsterkäufe gab, aber dass sich doch einige Menschen mehr als zuvor zumindest Gedanken darüber machen, woher ihr Essen eigentlich stammt. Die Hofläden stellten auch schon vor der Corona-Pandemie fest, dass regionale Produkte immer wichtiger werden, und leisten unermüdlich Aufklärungsarbeit über regionalen Anbau und Produktion. 

Biohof Feger in Haslach-Bollenbach: 

„Doch, es waren mehr da“, berichtet Heidi Feger auf OT-Anfrage. Sie freut sich über ihre ganz treuen Kunden, aber auch über jene, die zwischenzeitlich mal weg waren und nun den Weg in ihren Hofladen ebenso wie einige Gelegenheitskäufer wieder fanden. Das Regionale sei auch schon vor Corona immer gefragt gewesen, weil sich die Menschen verstärkt um das Gesunde kümmern würden. Zugenommen haben bei ihr auch die Abokisten. 
„In Corona-Zeiten lassen sich die Leute gern beliefern“, hat sie festgestellt, dass der Gang in die großen Supermärkte von manchen eher gemieden und lieber in einem kleinen Hofladen, selbstverständlich auch hier unter Einhaltung der Hygieneregeln, eingekauft werde. Manche, die aufgehört hätten, haben mit den Abokisten wieder angefangen, kann sie daher schon von einer Zunahme berichten. Allerdings müsse diese von ihrer  Familie auch bewältigt werden. Und weil die Menschen ja viel Zeit gehabt hätten, hätten einige wieder angefangen, ihren eigenen Garten zu bewirtschaften, ist eine weitere Erfahrung.

Landfrauenverkaufsstelle in Hornberg: 

„So ein richtiger Schub war es nicht, aber doch besser als in anderen Jahren. Ja, uns hat Corona gut getan“, sagt Maria Staiger von den Hornberger Landfrauen. Die Zahl der Ökokisten-Kunden sei derzeit mit samstäglich zehn Kunden recht stabil. Den teureren Preis könnten sich leider halt nicht alle leisten, räumt Maria Staiger ein. Trotzdem sei und werde für viele die Regionalität immer wichtiger. Jeder, der im Laden Dienst leiste, leiste dafür Aufklärungsarbeit“, weiß sie. Zu Anfang von Corona, als es zum Shutdown kam, habe es eine richtige Hochphase gegeben, jetzt sei das Niveau in etwa wieder dasselbe wie vorher, berichtet sie. Ein Dauerbrenner in der Verkaufsstelle sind die Eier. 

◼ Hinterhauensteinhof, Hornberg-Niederwasser

Im Specklädele von Franz Josef Kaltenbach lief es eigentlich wie immer. Vereinzelt seien einige Einheimische gekommen, die bisher noch nicht da waren. Ihm haben durch Corona allerdings die Touristen gefehlt. Doch noch viel mehr wirken für ihn gerade beim Fleischkonsum Skandale wie Tönnies nach. Zwar habe es sich dort nicht um schlechte Produkte gehandelt, doch die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter hallen nach. Da bemerke man dann schon, wie Regionales stärker nachgefragt werde, und wie sich die Leute genauer informieren.

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◼ Staufenhof, Wolfach: 

Der gleichen Ansicht ist Rita Neef. Zwar hat sie ihren Hofladen aufgegeben, vermarktet aber einige Produkte direkt oder über einen Verkaufsautomaten. „Es kann so nicht weitergehen, wir können so nicht weitermachen, denn es geht ja auch um Naturschutz − und die Natur schlägt bereits zurück, auch wenn das in manchen Köpfen noch nicht angekommen ist. Was da weltweit abgeht in Sachen Zerstörung der Natur, aber auch der Ausbeutung von Menschen, muss uns zu denken geben“, findet die Landwirtin. Auch sie betreibt bei ihren Hofgästen unermüdlich Aufklärungsarbeit, und freut sich, dass einiges Interesse bestehe, regional einzukaufen. Sie verzeichnet eine steigende Nachfrage bei den Heidelbeeren und bei Kartoffeln. Gerade bei den Heidelbeeren sei gar keine Werbung und auch kein Marktstand mehr in Wolfach nötig. 

◼ Ramsteinerhof, Hausach:

„Es war oder ist schon mehr gewesen und einige sind geblieben. Ob dabei in der letzten Zeit Corona geholfen hat, kann man aber nicht eins zu eins sagen“, informiert Stefanie Kölblin. Bei einigen gebe es schon ein Umdenken, doch trotzdem ebbe es mit dem regionalen Einkauf wieder ab, seit man in den Supermärkten wieder alles bekomme. „Für viele ist es halt bequemer, nur in einen Laden zu gehen.“ 
Aber immerhin würden die Menschen das Sortiment der hiesigen Landwirte, in ihrem Fall Käse, Milch und Naturjoghurt, das so mancher Supermarkt im Kinzigtal vorhält, annehmen. Gut angenommen wird bei ihr überdies der Selbstbedienungskühlschrank, der 24 Stunden verfügbar ist und an dem man keine Maske braucht. Verstärkt kann sie feststellen, wie Schichtarbeiter einkaufen. Die Leute der Straßen hätten zwar einige Zeit gefehlt, doch die Einheimischen hätten das ausgeglichen. Jetzt kehre sich das aber eher wieder um. 

◼ Lachenhof, Oberwolfach:

Es lief vorher gut und es läuft jetzt gut“, sagt Irma Sum. Seit drei Jahren bestückt sie mit ihrem Mann zwei Verkaufsautomaten, die hervorragend und zu allen Tages- und Nachtzeiten gerade durch die „günstige Straßenlage“ angenommen werden. Dauerbrenner sind auch bei ihr neben Nudeln, „die stets weg sind“, die Eier. Gerade die Gäste seien sehr interessiert, informiert sie vor allem gern zu den Hühnern − weil sie findet, dass über diese kaum jemand eine Ahnung habe. Überdies ist sie überzeugt, wenn sie noch mehr Leute mit weiteren Produkten finden würde, dass noch mehr verkauft werden könnte. Eines stört sie in Corona-Zeiten aber gewaltig: das viele Plastik.

◼ Obsthof Wolf, Fischerbach:

Auch Rosemarie Schwarz freut sich über die treuen Kunden, viele mit ganz bestimmten Lieblingsprodukten, und hat ebenfalls festgestellt, dass in diesen Zeiten gern in kleineren Läden und auch mal lieber regional eingekauft wird. Der eine oder andere bleibe außerdem hängen, weil er die Ortsdurchfahrt Haslach meide und so auf den Fischerbacher Hofladen aufmerksam werde. 

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