Wolfach

Besondere evangelische Gottesdienste auf Wolfachs Friedhöfen

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20. November 2020

Auf dem Baumgrabfeld auf dem neuen Friedhofsteil soll in Wolfach der Altar aufgebaut werden. ©Tobias Lupfer

Zum Totensonntag am 22. November geht Pfarrer Stefan Voß neue Wege: In zwei Freiluft-Feiern auf den Friedhöfen sollen die evangelischen Gemeinden von den 2020 Verstorbenen Abschied nehmen.

Die Corona-Krise hat 2020 viel verändert – auch Beerdigungen: „Wir haben seit März quasi alle nur im kleinen Kreis gefeiert“, bilanziert Stefan Voß, evangelischer Pfarrer für Wolfach, Kirnbach und das Wolftal. „Ich finde diese Entwicklung problematisch.“ Und darum soll am Sonntag, 22. November, zum Totensonntag in Kirnbach und Wolfach ganz bewusst allen in diesem Jahr Verstorbenen in der Gemeinschaft gedacht werden.

Neuerungen durch Corona

Das Totengedenken Ende November ist nicht neu. „Ich finde, wir hatten bisher eine gute Form“, konstatiert Voß. Doch in Zeiten von Corona gebe es zwei Gründe, etwas anders zu machen. „Da kommen erfahrungsgemäß viele Leute.“ Doch in Kirnbachs Nikolauskirche dürfen nur 48 Personen –und das auch nur für 30 Minuten. Bei neun Bestattungen, die es 2020 in Kirnbach gegeben habe, sei die Kirche schnell voll, wenn jede Familie nur mit drei Angehörigen komme. „Dann ist kaum noch Platz für die Gemeinde.“ Und durch die Abstandsregelungen sei die bei Trauerfeiern seit Frühjahr praktisch außen vor gewesen. „Obwohl ich sehr stark erlebe, dass die Öffentlichkeit auch ein Interesse hat.“ Vor allem in Kirnbach: „Hier im Dorf kennt man sich einfach.“

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Auch wenn die Kinzigtal-Städte allesamt nicht groß sind, mache das schon einen Unterschied zu den Dörfern, ist Voß überzeugt: „Ich beobachte in Wolfach einen großen Unterschied zwischen evangelisch und katholisch.“ Katholische Familien seien oftmals seit Generationen in der Stadt und den Vereinen verwurzelt, Trauerfälle würden da auch öffentlich stärker wahrgenommen. Auf evangelischer Seite gebe es dagegen viele, „die an diesem sozialen Leben nicht so teilnehmen. Ich halte das in Wolfach für einen relevanten Faktor.“

Mit Lautsprechern und Abstand

Um nun trotz Abstandsregeln und Infektionsschutz möglichst allen Gemeindegliedern die Chance zu geben, von den Verstorbenen gemeinsam Abschied zu nehmen, weicht Voß am Sonntag von der Kirche auf die Friedhöfe aus: „Der Altar wird in Wolfach auf dem neuen Friedhof beim Anonymen Gräberfeld stehen, mit Lautsprecher, sodass die Angehörigen der meisten Verstorbenen bei ihren Gräbern stehen können.“ Auch in Kirnbach werde mit einer Lautsprecheranlage gearbeitet. Zusätzlich zu Name, Todestag und Alter soll das Gedenken diesmal trotz Zeitlimit von knapp 30 Minuten ausführlicher ausfallen: „Weil eben diesen Sommer die Beerdigungen nur im Familienkreis stattgefunden haben möchte ich am Sonntag zu jedem Verstorbenen ein paar Sätze sagen und die Persönlichkeit würdigen.“ 

Für jeden soll zudem vom Altar eine Kerze zum Grab getragen werden. „Ein Licht verbindet“, erklärt Voß die Symbolik. Und: Die Gemeinde sei eingeladen, an den Gräbern eine Blume abzulegen, wenn man sich verbunden fühlt. „So können wir das Ritual nachholen, das bei den Beerdigungen nicht stattfinden konnte. Damit wir uns als Gemeinde verabschieden von den Menschen.“ 

  • INFO: Der Gottesdienst in Kirnbach beginnt um 9.30 Uhr, in Wolfach um 11 Uhr. Stattfinden sollen die Feiern auch bei Regen. „Dann wirds eben noch mal kürzer werden, und es kommen wohl weniger“, sagt Voß.

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