Steinach

Bürger sehen Vergrößerung des »Interkom« kritisch

20. November 2013
&copy Maria Benz&copy Maria Benz

Die Besucher der Bürgerversammlung in Steinach sprachen sich größtenteils nicht grundsätzlich gegen eine Erweiterung des Interkommunalen Gewerbegebiets aus. Allerdings gab es viele Bedenken wegen der Größe und des Flächenverbrauchs.

Die Bürgerversammlung am Montagabend in der Steinacher Schulaula barg einiges an Sprengstoff. Dass der Abend dennoch ohne persönliche Anfeindungen und Beleidigungen über die Bühne ging, war nicht zuletzt dem Moderator Thomas Uhlendahl von der Uni Freiburg zu verdanken.

Nachdem zunächst das Gemeindeentwicklungskonzept vorgestellt wurde, ging es anschließend in einer lebhaften Diskussion um die Erweiterung des Interkommunalen Gewerbegebiets. »Es geht jetzt um den Planungszeitraum 2017 bis 2032«, stellte Bürgermeister Frank Edelmann gleich zu Beginn klar. Im Gemeinderat habe er sich bereits mit dieser Thematik auseinandergesetzt und »wir streben eine Erweiterung an.« Das Gewerbegebiet sei wichtig für die künftige Entwicklung Steinachs – vor allem in Bezug auf Arbeitsplätze. Größe und Lage seien allerdings noch völlig offen.

Dass es sich überhaupt lohne, in die Erschließung zu investieren, liege die Mindestgröße bei drei Hektar. Die Maximalgröße bezifferte Edelmann mit 16 Hektar – er wies aber darauf hin, dass der Gemeinde theoretisch 35 Hektar an zusätzlicher interkommunaler Gewerbefläche zustünden.

»Wenn man hört, dass 35 möglich wären, ist das erschreckend«, betonte ein Bürger. Er wies darauf hin, dass dieses Gelände für viele Bürger zur Naherholung dient und auch die landwirtschaftlichen Flächen dort noch intensiv genutzt werden. »Einer Erweiterung kann man eventuell zustimmen, aber mit Maß und Ziel«, sagte er und erntete dafür kräftigen Applaus.

Die Sorge um das Landschaftsbild und den Flächenverbrauch wurde im Verlauf der Diskussion noch mehrfach genannt. Christine Haas-Matt, Schriftführerin des Nabu Kinzigtals, teilte mit, dass der Verband eine moderate Erweiterung mittragen könne. Besser als neue Flächen auszuweisen, sei es aber, Brachflächen zu nutzen – auch in anderen Gemeinden. Der Nabu Kinzigtal sei entschieden gegen eine große Erweiterung, da Biotope und die Artenvielfalt schaden nehmen könnten. Damit sprach sie auch vielen Sitzungsbesuchern aus der Seele.

Ein Bürger forderte, die Erweiterung des Gewerbegebiets grundsätzlich an eine Anbindung an die B 33 zu knüpfen. Hier sieht Edelmann aber wenig Aussicht auf Erfolg. »In Stuttgart interessiert das niemanden. Da laufen wir völlig ins Leere.«

Die Verkehrsproblematik spielte auch anschließend noch eine Rolle. Denn hier ging es um eine mögliche Sperrung der Unterführung Kolpingstraße. Befürworter und Gegner hatten im Vorfeld zu Unterschriftenaktionen aufgerufen (wir berichteten). Edelmann versuchte, die Emotionen gar nicht erst hochkochen zu lassen, und schlug vor: »Machen wir es zu einem Bürgerbeteiligungsprojekt – und von jeder Seite setzen sich zwei, drei Leute mit einem Verkehrsplaner an einen Tisch.«

Bei dem Gutachten, das auf diese Weise entwickelt werden soll, sollen nicht nur die Kolpingstraße und die Zufahrt zum Interkom, sondern auch problematische Stellen wie die Badenerstraße und der Adlerplatz unter die Lupe genommen werden. Wer sich in die Planungen einbringen möchte, könne sich gern bei ihm melden, forderte der Bürgermeister auf.

Eine Verkehrszählung solle im Vorfeld Klarheit über die tatsächlichen Verkehrsströme geben. Dann soll eine genaue Analyse folgen. »Ich gehe davon aus, dass wir im Spätjahr 2014 ein gutes Ergebnis haben, auf dessen Basis wir eine Entscheidung treffen können«, kündigte der Rathauschef an.

Bis dahin soll die Unterführung Kolpingstraße aber auf jeden Fall wieder geöffnet werden. Einige Anwohner der Kolpingstraße waren damit nicht einverstanden und merkten an, dass sie nicht noch ein Dreivierteljahr warten wollen – die Verkehrsbelastung sei enorm, vor allem durch Mitarbeiter und Zulieferer fürs Interkom.

Bewohner des Ortsteils Oberbach verwiesen wiederum darauf, dass die Kolpingstraße ihre Hauptzufahrt ist und dass sie um diese kämpfen wollen. Insgesamt fand Edelmanns Vorschlag, ein Gutachten erstellen zu lassen, aber große Zustimmung.

Autor:
Maria Benz

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