Hausach

Das Hasjagen und der "Glaubenskrieg" zum Karfreitag

Autor: 
Redaktion
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12. April 2021
Die Hasenjagd des Kleintierzuchtvereins an einem Palmsonntag in den 1950er-Jahren am Gummenwald: hinten von links Helmut Schmider mit Kindern, Herr Götzelmann, Hedwig Heizmann, Herr Streit, Frau Welzel, Hubert Neumaier, Werner Krempels, Hans Grunwald, Konrad Keller, Bernhard Keller, die Herren Laun und Heizmann mit Kindern der Familien Heizmann, Keller, Streit, Brucker, Fehrenbach, Metzger (Hirschwirt), Schätzle und Grunwald.

(Bild 1/2) Die Hasenjagd des Kleintierzuchtvereins an einem Palmsonntag in den 1950er-Jahren am Gummenwald: hinten von links Helmut Schmider mit Kindern, Herr Götzelmann, Hedwig Heizmann, Herr Streit, Frau Welzel, Hubert Neumaier, Werner Krempels, Hans Grunwald, Konrad Keller, Bernhard Keller, die Herren Laun und Heizmann mit Kindern der Familien Heizmann, Keller, Streit, Brucker, Fehrenbach, Metzger (Hirschwirt), Schätzle und Grunwald. ©Repro Michaela Keller

Neben Weihnachten ist zu „normalen Zeiten“ Ostern das traditionelle Familienfest mit gegenseitigen Besuchen und gemeinsamem Feiern. Bei vielen Familien wurde einst ein Marathon daraus, bis überall der „Has gejagt“ war. Bei der Hausacher Familie Huber beispielsweise war jeder Sonntag von Ostern bis schier an Pfingsten mit Verwandtenbesuchen belegt.

Die Buben Urban, Gregor und Felix wurden mit ihren besten Bleylehosen, Hemd und Pullunder herausgeputzt, und es ging ab zu Kaffee und Kuchen zu den Paten, Großeltern, Onkel, Tanten und zum geliebten „Bäsle“ – einer entfernt verwandten ledigen Kusine.

Nach dem Kaffeeklatsch, an dem natürlich die neuesten Familieninfos ausgetauscht wurden, fand endlich die von den Kindern heiß ersehnte Hasenjagd statt. Je nach Witterung hatten die besuchten Verwandten draußen die für jedes Kind individuell zusammengestellten Osternestle versteckt. Neben Süßigkeiten, dem obligatorischen Schokoladenhasen und hartgekochten Eiern wurden kleine altersgemäße Spielzeuge verschenkt, die natürlich der Höhepunkt jeder Hasenjagd waren.

„Glii vebrennsch dich“

Der Onkel bei Karlsruhe versteckte am einfallsreichsten, und wenn es zur Hasenjagd regnete, kämmten die Huber-Buam“ eine ganze Scheune durch. Damit es zu keinen Verwechslungen kam, war an jedem Körble ein Namensschild des zukünftigen Besitzers angebracht. Natürlich verriet keiner der Jungs dem Bruder dessen eventuell entdecktes Körbleversteck, und die Hinweise „heiß“, „kalt“ oder „gli verbrennsch dich“ waren die einzigen Tipps.

Wenn alle Körble von ihren neuen Besitzern entdeckt waren, begann das große Süßigkeitstauschen, denn „Schoklad“ ist nicht gleich „Schoklad“. Bis alle Lieblingssorten zugeordnet und die Spielzeuge ausprobiert waren, wurde es auch schon Zeit fürs Vesper und die anschließende Heimfahrt. Am nächsten Sonntag fand der Gegenbesuch statt, und so ging es jedes Wochenende fast bis Pfingsten.

Ganz anders verlief Ostern im damaligen Hausacher Neubaugebiet zwischen Kloster- und Gummenstrasse. In der Nachkriegszeit waren hier Flüchtlingsfamilien in den von der „Badischen Heimstätte“ erbauten Mehrfamilienhäusern untergebracht, und die angrenzenden Doppelhäuser waren von jungen Familien mit viel Eigenleistung erbaut worden. Eines hatten alle gemeinsam: zu wenig Geld für großzügige Ostergeschenke.

Jede Ostern neue Schuhe

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Bei Familie Keller in der Jacobistrasse wurden sämtliche Süßigkeiten, die nach dem Aschermittwoch ihren Weg in die Familie fanden, in einem Glas aufbewahrt und am Ostersonntag unter den Kindern verteilt. Dazu gab es noch das im Garten versteckte Osternest mit bunt gefärbten Eiern und „ebis Prakdischs“, wie Söckle oder Unterwäsche.
Nachbarin Marlies Hug (geborene Grunwald) wurde auch nur mit Kleinigkeiten an Ostern beschenkt. Allerdings bekam sie daneben die jedes Jahr benötigten neuen Schuhe und sie erinnert sich genau, wie ihre Eltern vom Fenster das Mädchen mit den neuen Schuhen beobachteten und sie herabrufend ermahnten, sorgfältiger darauf aufzupassen.

Im eigentlich mehrheitlich katholischen Hausach wohnten in diesem Viertel auch einige evangelische Familien, und an Ostern entwickelte sich hier ein regelrechter Glaubenskrieg. Der Karfreitag ist für die evangelischen Christen der höchste Feiertag. Marlies Hug erinnert sich gut an das jährliche Procedere. Schon am Gründonnerstag wurde bei den evangelischen Familien kein Fleisch mehr serviert. Es gab Spinat mit Eiern, was sie bis heute so übernommen hat.

Feiertag erst ab 15 Uhr

Es folgten abends und am Karfreitagmorgen Gottesdienstbesuche, der Tag war der Stille und Rückbesinnung gewidmet. Ganz anders bei der katholischen Bevölkerung. Der Karfreitag war hier zwar auch ein Feiertag, aber die kirchlichen Riten begannen erst um 15 Uhr, zur überlieferten Todesstunde Jesu. So nutzten die katholischen Nachbarsfamilien bis zum Kirchgang und Gäberbesuch, um auf die Feiertage hin zu backen, zu putzen, Wäsche aufzuhängen, den Garten aufzuhacken oder die Teppiche auszuklopfen.

Dies verärgerte wiederum die evangelischen Christen, und ansonsten friedliche Nachbarn kamen ob dieser gegenseitigen Gepflogenheiten in Streit und Hader – und nach Vermutung von Mama Grunwald störten einige sogar absichtlich das evangelische Ruhebedürfnis. Dies wurde allerdings an Fronleichnam gerächt, als im Gegenzug manch Protestant während der Prozession den Rasen mähte.

Osterhöhepunkt der Kleintierzüchter

Für die Kinder in diesem Viertel war der eigentliche Osterhöhepunkt das „Hasjagen“ des Kleintierzuchtvereins jedes Jahr am Palmsonntag. Fast alle Familien hielten für den Eigenbedarf Hühner und Kaninchen und waren deshalb Mitglied in diesem damals recht großen Verein. Für deren Nachwuchs organisierte der Vorstand mit der Hilfe einiger Hausacher Geschäftsleute am Gummenwald eine Hasenjagd, die sich gewaschen hatte. Im ganzen Gummenwald waren Eier und Süßigkeiten versteckt. Und während die Kinder jeden Busch und jeden Stein umdrehten, standen ihre Eltern fröhlich zusammen und hielten einen gepflegten Nachmittagstratsch.

Echter Osterhase

Spektakulär war bei dieser Hasenjagd, dass neben dem Suchen von Eiern und den damals gerade in Mode gekommenen roten Zuckerhasen der Osterhase zwischen den suchenden Kindern herumhoppelte. Er sorgte für großes Staunen bei den Kleinen und Gelächter bei den Großen. Man munkelte, dass unter dem Kostüm einer der Bechererbuben steckte…

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