Wolfach

Das Lebensbild gemalt in Worten

Autor: 
Tobias Lupfer
Lesezeit 3 Minuten
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20. November 2013

Seit Januar ist Michael Harter als freier Trauerredner zertifiziert. Im Gespräch mit den Angehörigen sammelt er Informationen, um den Verstorbenen gerecht zu werden. ©Tobias Lupfer

Es muss nicht immer ein Pfarrer sein: Immer öfter entscheiden sich auch im ländlichen Raum Menschen zu Lebzeiten ganz bewusst dafür, nach ihrem Tod durch einen freien Trauerredner verabschiedet zu werden.

Ein ganzes Leben eines Fremden in den richtigen Worten zusammenfassen – die Kernaufgabe eines freien Trauerredners. Seit Januar bietet Michael Harter, Bestatter aus Schiltach/Wolfach, diesen nicht alltäglichen Service an und wurde überrascht: »Ich hätte selbst gar nicht gedacht, dass es bei uns auf dem Land so eine große Nachfrage gibt.«

Katholiken wie Protestanten würden sich immer mehr von der Kirche distanzieren, sagt Harter aus eigener Erfahrung. In der »Großelterngeneration« übernehme oftmals noch der Pfarrer die Trauerfeier. »Aber ich merke: Es ändert sich.« Gut 20 Abschiedsfeiern und 15 Urnenbeisetzungen hat der freie Trauerredner seit Januar bereits gestaltet. Die Hintergründe sind immer verschieden: Vom gläubigen Kirchgänger, der sich zu Lebzeiten bewusst gegen eine Beerdigung mit dem Pfarrer entschieden hatte, bis zum Atheisten reicht die Bandbreite derer, für die Harter schon die letzten Worte gesprochen hat.

Ob nun ein Bestatterkollege den Kontakt zu Harter herstellt oder die Kunden direkt zu ihm kommen: Die Arbeit als Trauerredner beginnt in der Regel mit einem Gespräch mit den Angehörigen. Bis zu zwei Stunden dauere dies. »Tränen erlebe ich ganz selten.

Stattdessen wird sogar gelacht. Man lässt alles noch einmal Revue passieren.« Und da gebe es auch oft Erinnerungen an schöne oder lustige Momente. Aus den Schilderungen der Hinterbliebenen zeichnet Harter ein Lebensbild des Verstorbenen, das als Teil der gesamten Trauerfeier vorgetragen wird. »Davor sieht und hört das keiner.«

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»Da muss alles passen«, ist sich der Trauerredner seiner Verantwortung bewusst. »Ich bin immer gleich nervös – ob ich vor zehn oder vor 200 Leuten rede. Man darf sich einfach keinen Fehler erlauben. Eine Wiederholungschance hat man nicht.« Nicht immer einfach, denn schließlich müssen im Zweifelsfall auch unbequeme Wahrheiten in die richtigen Worte gefasst werden, um dem Leben eines Menschen bei der Trauerfeier gerecht zu werden.

Doch es ist nicht »nur« das Lebensbild, das der Trauerredner vorträgt – in Absprache mit den Angehörigen gestaltet Harter die gesamte Trauerfeier. 30 Minuten dauern diese im Schnitt, 15 Minuten davon seien reine Redezeit. Gläubig oder nicht, ein »Vater unser« sei in den meisten Fällen gewünscht. Wie weit Religion oder Spiritualität darüber hinaus eine Rolle in der Trauerfeier spielen, sei stets verschieden. »Mein Grundtenor ist, dass die Seele weiterlebt – das ist unabhängig von jeder Religion.«

Die Aufgaben des Trauerredners spielen sich teils auch im Hintergrund ab, etwa bei der Musikauswahl. Das Honorar für einen zertifizierten Trauerredner liege zwischen 280 und 500 Euro, sagt Harter – je nach Aufwand auch mehr. Und die Nachfrage steigt: »Die Leute sind alle so verschieden – und keiner will den Abschied so haben wie der Nachbar.«

In der nächsten Folge am Samstag, 23. November, lesen Sie über die individuellen Gestaltungsformen bei Beerdigungen.

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