Aus dem Gemeinderat Schiltach

Dem Gedenken des Kriegs würdigen Raum geben

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18. Januar 2019

Auch nach einer Neugestaltung des steilen Geländes werden viele Stufen zur Gedenkstätte führen. ©Martina Baumgartner

Der Einschnitt der neuen Altstadtumfahrung ins Gelände der Gedenkstättenanlage beim Schlossberg in Schiltach ändert die bisherige Planung einer Neugestaltung dort. Der Gemeinderat diskutiert Ideen dazu.

Barrierearm wird’s nicht, neu interpretiert dagegen schon, das Gelände um das hölzerne Gedenkkreuz auf dem Simonskapf, das vielen Schiltachern noch als sogenanntes Heldenkreuz bekannt ist. Zwar gibt es bereits einen Plan dafür, der ist allerdings in Teilen durch den Bau der Altstadtumfahrung nicht mehr möglich: Der Einschnitt der Gabionenwand verändere das Gelände in seinem Höhenprofil, was Garten- und Landschaftarchitektin Anemone Welsner den Schitlacher Gemeinderäten am Mittwochabend im Rathaus erklärte. 

Der Zugang zum Kreuzplateau soll weiterhin durch zwei Seiten erschlossen bleiben. Die Wegführung aus Richtung der Ruine könne weitestgehend so bleiben, so Welsner. Die vorhandenen Treppenstufen werden saniert und feinjustiert.

Neukonzeption des Treppenaufstiegs am Südosthang

Der Aufstieg von Südosten her aus Richtung Wanderparkplatz muss neu erschlossen werden.  Hinter der Gabbionenwand steigt der neue Weg von dort mit einer Treppenanlage und Handlauf hinauf bis auf halbe Hanghöhe. Jeweils nach circa fünf Stufen kommt ein  gepflastertes Podest.

Der Weg teilt sich in der Mitte des Südhangs auf halber Höhe. Ein weiterer Treppenlauf mit jeweils Sieben-Stufen-Blöcken und Podesten führt hinauf zum Kreuz. Ein ebener Weg verläuft entlang des Südhangs bis zur Treppenanlage, die von der Westseite her hinaufführt. Natursteinquarder stützen die Wegbegrenzung und könnten als Sitzfläche dienen. 

Sogenannter Polenstein findet würdigen Raum im Eichenhain

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Im vorhandenen Eichenhain sieht Welsner einen Raum, den sogenannten Polenstein würdig zu platzieren. Das sogenannte Ehrengrab auf dem Friedhof zum Gedenken an einige zu Tode gekommene Weltkriegssoldaten könnte in die Nähe des Holzkreuz-Plateaus verlegt werden. 

Die Zusammenlegung der thematisch die Weltkriege betreffenden Gedenkanlagen Holzkreuz, Polenstein und Ehrengrab geben dem Gelände bereits eine verbindende Interpretation hin zu Grausamkeit und Krieg sowie deren Opfern und weg vom Heldengedenken in Bezug auf Krieg.

Auseinandersetzung und Neuinterpretation 

Die persönliche Auseinandersetzung mit der Neuinterpretation soll auch in Worten stattfinden. Dazu schlägt Welsner erklärende Tafeln vor. Daneben stellt sie die Frage, welche Gedanken müssen gedacht und welche Gefühle durchlebt werden um den Erinnerungen an Mord und Gewalt gerecht zu werden?

Das Lesen von Worten wie beispielsweise Feindschaft, Schuld, Scham, Angst, Schmerz, Verlust oder Abschied und Trauer in den Sprachen der Kriegsteilnehmer könnte einen Prozess der Betrachter, die sich im Gelände der neuen Gedenkstätte bewegen, auslösen.

Diese könnten auf Edelstahlbänder graviert und entweder an Stelen platziert, oder in die Stirnseite von Treppenstufen eingelassen werden.

Der Weg nach oben führe dann entweder durch ein Vorbeischreiten oder durch ein darüber Hinwegsteigen in Sinne von Bewältigen durch das Gelände der Gedenkstätte.

Hintergrund

Anregungen der Gemeinderäte

◼ Michael Buzzi (BuW) sah den Polenstein auf dem Plateau des Holzkreuzes platziert: »Der sollte direkt dabei stehen. Denn die Opfer gehören direkt zur Grausamkeit des Kriegs. Es muss klar sein, dass es nie mehr darum geht, irgendwelchen Helden zu gedenken.« Doch der Platz dort ist für diee Idee zu gering.

◼ Thomas Haas (FWV)fragte nach der Bepflanzung. Niedrige Sträucher, Magerrasen, verschiedene Wildkräuter als Ziel für Schwarzwaldguide-Führungen und ein Baum, beispielsweise eine Kirschart zeigt den Verlauf der Jahreszeit an und bringt Farbe. Die Bepflanzung entspricht dem Sinn des Entwurfsgedanken des Geländes.

◼ Michael Pflüger (FWV)sagte, dass bei der neuen Anlage gerne eine Konfrontation unterschiedlichster Gedanken und Bedenken stattfinden dürfe, denn sie solle ja einen Rückblick auf das was war, eine Mahnung und ein Schritt in die Zukunft im Snínne von Bewältigung sein.

◼ Michael Götz (CDU) und Michael Buzzi regten das Aufstellen weitere Bänke an, die die Eingänge der Anlage markieren könnten. Mit Rückenlehne dort und ohne beim Plateau um den Blick ringsrum zu gewähren, war der Vorschlag der Garten- und Landschaftsarchtektin.

◼ Inge Wolber-Berthold (SPD) konnte sich vorstellen, die Gedenkstätte in einen Aussichtspunkt ohne ideellen Wert umzugestalten. Das Ehrengrab solle auf dem Friedhof bleiben und das Holzkreuz und der Polenstein dorthin gebracht und in einen würdigen Rahmen gestellt werden. 

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