Rathaussanierung

Denkmalpflege-Amt begründet Ablehnung der Steinacher Pläne

Autor: 
Lars Reutter
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
05. Juli 2018
Mehr zum Thema

Diese vom Gemeinderat für gut befundene Eingangsvariante wurde vom Amt für Denkmalpflege abgelehnt ©Simulation: Kopf Architekten

Für das Steinacher Rathaus muss eine neue Eingangslösung gefunden werden (wir haben berichtet). Das Offenburger Tageblatt hat bei der Pressestelle des Regierungspräsidium (RP) Stuttgart als übergeordnete Behörde des Amts für Denkmalpflege um das erklärende Schreiben von Tobias Venedey sowie um eine Erklärung des Ablaufs gebeten.

Am Ende des Schreibens heißt es wörtlich: »Dabei stellt sich das LAD (Landesamtfür Denkmalpflege) nicht aktiv ›gegen die Meinung‹ des Gemeinderats. Vielmehr hat es die Maßnahme gemeinsam mit der Unteren Denkmalschutzbehörde in Hinblick auf das Denkmalschutzgesetz denkmalfachlich und denkmalrechtlich zu bewerten, dass es hier gelegentlich zu Meinungsverschiedenheiten kommen kann, liegt in der Natur der Sache.«

Die Angaben des RP zum zeitlichen Ablauf bis zur Genehmigung der Planung  im Jahr 2017 decken sich mit den Angaben der Gemeinde. Die Bearbeitung von konkreten Anfragen ist laut RP jeweils zeitnah erfolgt. Die aktuelle Anfrage zur Änderungsplanung sei innerhalb einer Woche mit der Fachgebietsleitung am Dienstsitz Freiburg besprochen und fachlich begründet beantwortet. 

Substanzverluste sind vermeidbar

Beim Ortstermin am 19. Juni in Steinach sei es um diese denkmalfachliche Beurteilung gegangen. Diese sieht abweichend von der genehmigten Planung, die unter anderem eine Reaktivierung der Mittelachse der Südfassade als zentralen Eingang des Rathauses sowie eine schmale Erschließungstreppe davor verzeichnet, ein bodentiefes Öffnen aller drei Mittelachsen vor, wobei die äußeren Achsen lediglich als bodentiefe Fenster ausgebildet werden sollten.

Die geänderte Planung würde laut Venedey eine erhebliche Beeinträchtigung des Erscheinungsbilds des Kulturdenkmals darstellen, da sie dessen ursprüngliche Aussage über die Simultannutzung als Schul- und Rathaus durch die Schaffung von fünf nahe-zu gleichwertigen, bodentiefen Öffnungen auf der Südseite stark verunkläre. 

»Die damit einhergehenden Substanzverluste sind zudem vermeidbar, da die zusätzlichen Öffnungen für die angedachte Nutzung nicht zwingend erforderlich sind«, heißt es in der Begründung.

»Neubau« von 1904 maßgeblich

- Anzeige -

Maßgeblich für die fachliche Bewertung sei die Umbauphase des Gebäudes von 1903. Die Veränderungen waren damals laut RP so umfangreich, dass das Schul- und Rathaus in einer Planansicht von 1904 als »Neubau« bezeichnet werde. 

Von einer »Wiederherstellung« des zentralen Zugangs könne daher nicht die Rede sein. Am baulichen Bestand sei zwar deutlich zu erkennen, dass diese Achse nachträglich zugesetzt wurde, jedoch stehe die ehemalige Türöffnung in Zusammenhang mit dem grundlegend überformten und heute nicht mehr nachvollziehbaren Vorgängerbau.

Die nun deutlich breiter geplante Treppenanlage verunkläre durch die Materialwahl die Differenzierung zwischen Bestand und Ergänzung und rücke die historischen Zugänge zu sehr in den Hintergrund. Zudem verdecke sie die Sockelzone, die relevant für das Erscheinungsbild und die räumliche Wirkung des Baudenkmals sei, da hierdurch das Gebäude aus seinem Umfeld enthoben werde.

Dieses Spiel mit typologischen Elementen des barocken Schlossbaus, das hier auf einen kommunalen Verwaltungsbau und damit auf ein de-mokratisches Umfeld übertragen wurde, sei ebenfalls Teil des zu erhaltenden Denkmalwerts.

Zugang gestalterisch aufwerten

»Um den neuen Rathauszugang präsenter zu machen, wäre es hingegen durchaus denkbar, ihn in Abstimmung mit den Denkmalbehörden gestalterisch aufzuwerten und noch deutlicher vom historischen Bestand abzuheben«, heißt es in dem Schreiben.

Dass der Wunsch des Gemeinderates nach einer Eingangssituation mit bodentiefen Fenstern erst spät negativ beschieden worden sei, ist anhand unserer Unterlagen nicht nachzuvollziehen. In der beantragten und im Dezember 2017 genehmigten Planung tauchen sie nicht auf. 

Info

Rechtliche Grundlage

Das ehemalige Schul- und Rathaus, ein mehrgeschossiger Massivbau, der 1904 durch Um- und Ausbau eines Vorgängerbaus geschaffen wurde, stellt gemäß Paragraph 2 des Denkmalschutzgetzes des Landes ein Kulturdenkmal dar. Veränderungen an diesem Gebäude  sind daher mit den zuständigen Denkmalbehörden abzustimmen und festzulegen. 

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

vor 27 Minuten
Hausach
In der konstituierenden Sitzung des neu gewählten Gemeinderats am Montagabend wurden auch die stellvertretenden Bürgermeister gewählt und die Ausschüsse besetzt
vor 27 Minuten
Hausach
Bevor sich der neue Gemeinderat konstituierte, erfolgte am Montagabend ein längerer Ehrungs- und Verabschiedungsreigen. Gleich vier Gemeinderäte wurden für 30 Jahre kommunalpolitisches Engagement geehrt.
vor 3 Stunden
Lempi-Hexen Oberwolfach
Von wegen, das wird nie was: Den Skeptikern vom Anfang haben es die Lempi-Hexen gezeigt. Sie feiern nämlich in diesem Jahr ihr 25. Open Air »Rock im Wald«. Als Headliner konnten sie »Hämatom« gewinnen.
vor 6 Stunden
Hausacher Stadtschreiber
Seit 1. Juli ist Mikael Vogel aus Berlin der 28. Hausacher Stadtschreiber. Er war in den letzten Tagen ununterbrochen mit seinen Notizbüchern unterwegs und wechselt nun vom »Leselenz«- in den »Schreibelenz«-Modus. 
vor 6 Stunden
Gutach
Die Gutacher Ortsdurchfahrt musste am Samstag für die Asphaltierung gesperrt werden. Nun stehen weitere Arbeite an, die B33 bleibt für den Durchgangsverkehr gesperrt. Wir haben nachgehakt, wie der aktuelle Stand ist und wann die Straße wieder frei sein soll.
vor 11 Stunden
Viele deutsche Gäste
 Der türkisch-islamische Verein Haslach feierte am Sonntag sein Kermesfest rund um die Moschee. Das Sommerfest war nicht nur für Muslime und Türken, sondern bot auch andersgläubigen Deutschen  ein gute Gelegenheit, einen Blick in das Gemeindeleben und vor allem in die Moschee zu werfen.
vor 11 Stunden
Jubiläumsfeierlichkeiten
Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen der Trachtenkapelle Mühlenbach fand am Sonntag nach dem verregneten Festumzug ein ganz besonders Konzert im Festzelt statt. Es unterhielten zeitweise gemeinsam mehr als 1000 Musiker.
vor 11 Stunden
Bad Rippoldsau-Schapbach
33 Schüler aus Bad Rippoldsau-Schapbach waren Anfang Juli zu Gast in La Trache-sur-Mer. In diesem Jahr feiern die beiden Gemeinden ihr 30-jährige Freundschaft.
vor 11 Stunden
Hornberg
Mehr als 60 neue Gesichter wurden bei den Kommunalwahlen im Mai in die Gemeinderäte des Kinzig-, Wolf- und Gutachtals gewählt. Wir stellen sie in einer täglichen Serie vor. Heute: Joachim Hurst (CDU) aus Hornberg.  
vor 11 Stunden
Schiltach
Die Stadt- und Feuerwehrkapelle Schiltach veranstaltete am Freitag ihr Sommerkonzert mit einem neuen Konzept. Die Idee war, in einem besonderen Flair fetzige Musik aus den 1980er- und 1990er-Jahren zu präsentieren. Als Veranstaltungsort hatte man den alten Schulhof der Grundschule ausgewählt. Durch...
vor 11 Stunden
Jubiläumsfeierlichkeiten
Der dritte Tag der Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen der Trachtenkapelle Mühlenbach wurde am Sonntag mit einem Feldgottesdienst im Zelt eröffnet. Nach dem Gottesdienst nutzten einige Gäste die Gelegenheit, der Trachtenkapelle zu gratulieren. Zudem gab es für die Musiker einen Ehrenbrief und...
vor 20 Stunden
Wolfach
89 Absolventen zählt die Realschule Wolfach in diesem Jahr. Alle Prüflinge haben die Mittlere Reife in der Tasche und erhielten am Freitag in der Abschlussfeier ihre Zeugnisse. Gleich zweimal gab es die Idealnote 1,0, außerdem eine Reihe von Preisen und Loben.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Die »Stand-up-Paddle-Boards« sind der Renner des Sommers.
    12.07.2019
    Erhältlich im EMUK Store in Lahr
    Durch einsame Landschaften streifen, sich frei fühlen und die Natur genießen – Camping ist Urlaub der besonderen Art. Doch was sollten Reisende einpacken? Hier sind aktuelle Trends für den Urlaub im Freien – und im Wasser.
  • 11.07.2019
    Edelbrennerei Wurth
    Gin, Whisky, Edelbrände – alles aus der Region, alles aus einer Hand und in höchster Qualität, das verspricht die Edelbrennerei Markus Wurth aus Altenheim. Neben Kooperationen mit heimischen Partnern ist das Familienunternehmen auch im Ausland inzwischen sehr erfolgreich.
  • 10.07.2019
    Offenburg
    Essensstände mit besonderen Leckereien sorgen für Genuss, Musiker und Illumination für Flair: Bei »Genuss im Park« wird der Offenburger Zwingerpark ab Donnerstag, 25. Juli, und bis Samstag, 27. Juli, wieder das stilvolle Ambiente für ein besonderes Fest sein.
  • 06.07.2019
    Ratgeber
    Was tun, wenn eine Krise in unser Leben bricht? Der Ortenberger Unternehmer Joachim Schäfer hat mit der Insolvenz seiner Firma genau das durchleben müssen – und einen Weg heraus gefunden. Seine Erkenntnisse teilt er nun in einem Buch, das nicht ein Autor, sondern nur er schreiben konnte, wie...