Gutach

Der Handel mit den Ökopunkten

Autor: 
Claudia Ramsteiner
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
17. Dezember 2016

(Bild 1/2) Frank Werstein in dem von ihm vor acht Jahren initiierten Kirschen-Bestand, der der Gemeinde Gutach wertvolle Ökopunkte einbringt. Die Kirschen werden gehegt und gepflegt und werden ­irgendwann auch sehr gute Holzpreise erzielen. ©Archiv Werstein

Wer in die Natur eingreift, kann nur eine Genehmigung erwarten, wenn er dafür einen Ausgleich schafft. Und wer diesen selbst nicht schaffen kann – der kann auch andere dafür bezahlen, dass sie diesen Ausgleich schaffen. Viele Gemeinden führen deshalb bereits ein Ökopunkte-Konto. 

Der Wald ist die »Sparkasse« des Waldbesitzers. Und das gilt längst nicht mehr nur für das Wirtschaftsprodukt Holz, sondern auch für die Naturschutzfunktion.  Die Gemeinde Gutach füllt 2017 beispielsweise ihre Sparkasse, auch »Ökopunktekonto« genannt, ordentlich auf.

So einen Bewirtschaftungsplan, wie ihn Silke Lanninger, Leiterin der Wolfacher Außenstelle des Amts für Waldwirtschaft Ortenaukreis, und Revierleiter Frank Werstein am Mittwoch dem Gutacher Gemeinderat für seinen Gemeindewald vorstellten, wurde bisher im Kinzigtal und vermutlich im ganzen Ortenaukreis noch nicht vorgestellt – auch wenn inzwischen viele Gemeinden ein Ökopunktekonto haben. Über den Holzverkauf wird die Gemeinde im kommenden Jahr ziemlich magere 11 380 Euro erlösen. 

Wer die fetten Ausgaben für die Holzernte den Holzerlösen gegenüberstellt, könnte zunächst auf die Idee kommen, dass im Gutacher Wald nicht besonders wirtschaftlich gearbeitet wird. Doch weit gefehlt. Viele Arbeiten, die hier recht aufwendig geleistet werden, dienen gar nicht vordergründig dem Holzverkauf, sondern dem Naturschutz. Und das wird sich spätestens dann in klingender Münze auszahlen, wenn mal wieder ein Investor mit seiner Baumaßnahme in die Natur eingreift und dafür einen Ausgleich schaffen muss.

FBG schafft Auerhuhnhabitat als Ausgleich zur Windkraft

Kann er diesen nämlich nicht selbst schaffen, darf er sich solche Maßnahmen auch einkaufen. Und hier kommt das immer dicker werdende Ökopunktekonto der Gemeinde Gutach ins Spiel. »So können sich die Wirtschaftsfunktion und die Naturschutzfunktion des Waldes hervorragend ergänzen«, betont Frank Werstein im Gespräch mit dem Offenburger Tageblatt. Und das gilt nicht nur für den Gemeindewald, sondern auch für die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG).

- Anzeige -

Dort ging der Revierleiter einen ganz anderen Weg. Die FBG schloss beispielsweise mit dem Investor der Windkraftanlagen auf der Prechtaler Schanze einen Vertrag ab, dass die Gutacher Waldbauern die erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen erbringen. »So hatten nicht nur die Grundstücksbesitzer ihre Pachteinnahmen aus der Windkraft, sondern auch andere Waldbauern konnten durch Ausgleichsflächen davon profitieren«, erläuterte Werstein.

Das kommunale Ökokonto der Gemeinde Gutach sei noch kein Alleinstellungsmerkmal, verweist der Teninger Diplom-Biologe Alfred Winski (siehe »Stichwort«) auf andere Gemeinden wie Hornberg, die ähnlich arbeiten. Aber auch die Gutacher FBG hat bereits 70 Hektar Ausgleichsfläche geschaffen, die zu den zehn im Gemeindewald noch hinzukommen. »In dieser Dimension dürfte das im Ortenaukreis einmalig sein«, schätzt Frank Werstein.

Neben wirtschaftlichem auch ökologischer Wert

Was kann man denn in einem Wald tun, damit dieser einen Mehrwert für die Natur bringt? Der leidenschaftliche Förster erläutert dies anhand seines »Steckenpferds«, des Wildkirschenwalds im Gutacher Untertal. Dieser bietet pro Hektar rund 25 Vogelbrutpaaren Unterschlupf. In einem Nadelwald wie oben auf dem Bild zu sehen, sind es gerade mal drei bis vier. Wie soll hier in der totalen ökologischen Verarmung ein Reh überhaupt Nahrung finden?, fragt der Förster rhetorisch. Auf 100 Hektor Waldfläche wie in dem Kirschwald könnten durchaus 30 bis 40 Rehe leben.

Schon starke Durchforstungsmaßnahmen wie am Farnbergfelsen könnten aber auch in Nadelwäldern enorme ökologische Verbesserungen bringen, indem Licht auf den Waldboden fällt und eine üppige Flora sprießen lässt.  Da jede Pflanzenart wieder zahlreichen Tierarten als Lebensraum diene, entstehe dadurch eine üppigere Tierwelt. Durch das Einbringen  von Eichen könne beispielsweise die Artenvielfalt deutlich erhöht werden, da allein an der Eiche mehr als 1000 verschiedene Insektenarten zu zählen seien.

Stichwort

Ökopunkte 2017

Am Offenbacher Eckle entsteht über Jahre hinweg ein Auerhuhn-Habitat, das insgesamt 232 325 Ökopunkte bringen wird. Eine weitere Maßnahme am Farnbergfelsen sind 189 437 Ökopunkte wert. Allein die vier Eingriffe, die im Gutacher Gemeindewald im nächsten Jahr geplant sind, um die beiden Ziele zu erreichen, sind 105 440 Ökopunkte wert. Rechnet man für den Punkt 20 Cent – oft wird auch deutlich mehr bezahlt – bringt allein der Naturschutz der Gemeinde 21 088 Euro.

Stichwort

Ökopunktekonto

Die Ökokonto-Verordnung (ÖKVO) trifft landeseinheitliche Regelungen für die Anerkennung und Bewertung von zeitlich vorgezogenen Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege (Ökokonto-Maßnahmen), die zu einem späteren Zeitpunkt mit einem Vorhaben, das in die Natur eingreift, verrechnet werden können.
Das Ökokonto eröffnet die Möglichkeit, Maßnahmen zur Aufwertung von Biotopen zur Verbesserung von Bodenfunktionen und Wasserhaushalt oder zur Förderung seltener Arten durchzuführen. Neben der vorzeitigen Aufwertung des Naturhaushalts hat das Ökokonto auch Vorteile für Vorhabenträger, die einen Eingriff planen. Sie können sich, wenn sie nicht selbst über geeignete Flächen für Kompensationsmaßnahmen verfügen, Ökopunkte »kaufen«. 
Der Teninger Diplom-Biologe Alfred Winski hat sich darauf spezialisiert, aus den Naturschutzmaßnahmen nach den Vorgaben des Landes die Ökopunkte zu errechnen. Er erklärt das so: Ein Quadratmeter Fichtenwald bringt 12 bis 14 Punkte. Macht man daraus ein Auerhuhn-Habitat, wird das aufgewertet auf 23 Punkte. Die Differenz wird dem Ökopunktekonto gutgeschrieben.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

vor 2 Stunden
Wolfach
Die Wolfacher Vereinstermine für 2021 sind wie gewohnt festgezurrt, allerdings nicht in Stein gemeißelt. Zu unsicher ist die Situation mit Blick auf Corona. Bei finanziellen Problemen will Bürgermeister Thomas Geppert ein offenes Ohr haben – auch wenn nicht für jeden Verein ein Hilfspaket drin sei...
vor 4 Stunden
Oberwolfach
Mehr Blüten auf kommunalen Flächen und weniger „Lichtverschmutzung“: Martin Rebbe (FWG) appellierte am Dienstag zur konsequenten Umsetzung des novellierten Naturschutzgesetzes im Wolftal.
vor 4 Stunden
Bad Rippoldsau-Schapbach
Trotz Corona-Pandemie will der Musikverein „Harmonie“ Schapbach am Samstag, 7. November, zu seinem Jahreskonzert in der Festhalle Schapbach einladen. Für das erste Jahreskonzert mit dem neuen Dirigenten wird es aber nur 77 Karten geben.
vor 4 Stunden
Haslach im Kinzigtal
Anlässlich der Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober war vor dem Caritashaus ein Informationsstand aufgebaut, zusätzlich konnten interessierte Bürger samstags an einem Parcours vom Marktplatz zum Caritashaus teilnehmen. Dort warteten Ruth Woitzick von der Selbsthilfeorganisation „Pro Retina“ und...
vor 4 Stunden
Fischerbach
Im Projekt „Eiki“ wurde unter anderem in Fischerbach die Situation Pflegender analysiert. Die Sozialstation Haslach und die Bürgergemeinschaft Fischerbach vertieften dabei die Zusammenarbeit.
vor 4 Stunden
Schiltach
„Nur nicht mit der Nase schreiben, sondern immer aufrecht bleiben!“: Georg Ruckelshausen war von 1920 bis 1945 Lehrer in Schiltach. Er brachte „Lichtbilder“ und Filme in die Klassenzimmer. Und: Er war wohl der Mann, der bei den Fotos zur Ausstellung „Schiltach in Agfa-Color“ den Auslöser drückte.
vor 4 Stunden
EUTB informiert auch im Nachgang
Anlässlich der „Woche des Sehens“ vom 8. bis 15. Oktober war vor dem Caritashaus ein Informationsstand aufgebaut. Zudem konnten interessierte Bürger samstags an einem Parcours vom Marktplatz zum Caritashaus teilnehmen.
vor 11 Stunden
Unter Corona-Vorbehalt
Prall gefüllt mit mehr als 185 Termine zeigt sich der Veranstaltungskalender in Haslach für das kommende Jahr. Wie viele davon am Ende auch am geplanten Tag stattfinden werden, hängt von der Entwicklung der Corona-Pandmie ab.
vor 14 Stunden
Schiltacher BFO beteiligt
Seit knapp zwei Jahren liefert die Nasa-Sonde „Insight“ Daten vom Mars, die mitunter den Experten Kopfzerbrechen bereiten. Zu ihnen zählt auch BFO-Mitarbeiter Rudolf Widmer-Schnidrig.
vor 16 Stunden
Hausach
Das Forum Hausach und die Stadtverwaltung haben gemeinsam entschieden, den Hausacher  Weihnachtswald, den Weihnachtsmarkt und den Bilderbuchadvent abzusagen.
vor 20 Stunden
Hornberg
Arbeiten auf 500 Baumetern und mit einer Vollsperrung zwischen Hornberg und dem Fohrenbühl, die noch bis Mitte/Ende November dauern wird. Autofahrer ignorieren immer wieder Absperrungen. 
vor 22 Stunden
Steinach
 Der Verschönerungsverein Steinach musste den geplanten Saisonabschluss am Sonntag, 25. Oktober, auf der Schirrmaierhütte kurzfristig absagen. 

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Bei Möbel Seifert in Achern werden fünf Jahre lang Serviceleistungen bei Polstermöbeln garantiert.
    21.10.2020
    Große Herbstaktion bei Möbel Seifert: 5 Jahre Service für neue Polstermöbel
    Möbel Seifert in Achern ist dafür bekannt, dass Angebot und Service ständig optimiert werden. Nach der Sortimentserweiterung um die HOME-Kollektionen werden aktuell bis zum 14. November Herbst-Aktionswochen geboten. Sie beinhalten Sparpreis-Angebote in allen Sortimenten sowie Serviceleistungen bei...
  • Das Team der Postbank Finanzberatung und der Postbank Immobilien Ortenaukreis.
    20.10.2020
    Das Postbank Immobilien Team Ortenaukreis bietet Kompetenz rund um die eigenen vier Wände
    Ein neuer Job in einer anderen Stadt oder unerwarteter Nachwuchs - Gründe, die eigene Immobilie zu verkaufen oder sich eine Neue zu suchen, gibt es viele. Um die Ausschau nach geeigneten Interessenten oder Angeboten schneller voranzutreiben, ist es ratsam, auf die Unterstützung von Profis zu zählen...
  • Petra Brosemer ist Immobilienfachwirtin und Inhaberin von Brosemer Immobilien in Zell am Harmersbach.
    16.10.2020
    Fair, transparent und ehrlich: Brosemer Immobilien vermittelt Werte
    Wenn ein Haus oder eine Wohnung die Eigentümer wechseln, dann ist das sehr viel mehr als nur ein Gang zum Notar. Eine Immobilie zu vermitteln heißt auch immer, zwischen Menschen zu vermitteln. „Wir können beides“, sagt Petra Brosemer, Immobilienfachwirtin und Inhaberin von Brosemer Immobilien in...
  • Die App heyObi bietet viele Vorteile für die Kunden.
    12.10.2020
    Herunterladen und 10 % Rabatt kassieren – nur im Oktober / 7 Obi-Märkte in der Region sind dabei
    Die kostenlose heyObi-App ist der digitale Begleiter im Alltag und bietet Inspiration sowie zahlreiche Tipps und Tricks rund um Haus und Garten. Registrierte Nutzer der App genießen weitere attraktive Angebote, wie zum Beispiel die digitale Beratung von Fachberatern, zielgerichtete Navigation in...